Melpomene/Band 1/020 Bei dem Grabe einer frommen Schülerin

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 92–94
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20. Bei dem Grabe einer frommen Schülerin.

Melod. IV.

1. Hier schloß ihr junges Leben
Die beßte Schülerin,
Und ihren Körper geben
Wir der Verwesung hin.

2. Doch ihre Seele lebet,
Und ist den Engeln gleich,
Ein reiner Geist, und schwebet
Empor zum Himmelreich.
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3. Denn engelrein bewahrte
Sie stets ihr edles Herz
Von Sünden, und ersparte
Sich Reue, Qual und Schmerz.

4. Und ihre größte Freude
War Gott und sein Geboth,
Und in dem Unschuld Kleide
Erschien sie nun vor Gott.

5. Sie lernte in der Schule
Des Lehrers Unterricht,
Und in dem Kirchenstuhle
Genau die Christenpflicht.

6. Und was sie da vernommen
Befolgte sie getreu,
Wie alle wahren Frommen,
Und war vergnügt dabei.

7. Sie folgte mit Entzücken
Den Eltern jederzeit,
Und war, mit frohen Blicken,
Auf ihren Wink bereit.

8. Die Bahn der Tugend wallen
War ihres Lebens Ziel,
Und Gottes Wohlgefallen
Ihr höchstes Lustgefühl.

9. Deswegen hat, bewogen
Durch ihre Frömmigkeit,
Sie Gott der Welt entzogen,
Zu unserm größten Leid.
[94]
10. Sie welkte in der Blüthe,
Gleich einer Blume, hin,
Wie sehr man sich bemühte,
Dem Tod sie zu entziehn.

11. Sie hob in heissen Thränen
Den trüben Todesblick,
Mit liebevollem Sehnen,
Empor zum Himmelsglück.

12. Dann fieng sie an zu röcheln,
Verblich in Todesfarb,
Verzog in sanftem Lächeln
Den kalten Mund, und starb.

13. Nun liegt ihr Leib, und modert
Im kühlen Grabe schon,
Doch ihre Seele lodert
Empor zu Gottes Thron.

14. Drum trocknet ab die Thränen,
Die euch ihr Tod entriß;
Nun ist nach ihrem Sehnen
Sie schon im Paradieß;

15. Und wallet bis zum Ende
Die Bahn der Tugend hier,
Dann heben Gottes Hände
Euch auch empor zu ihr.