Melpomene/Band 2/043 Bei dem Grabe eines Familienvaters

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 124-126
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43. Bei dem Grabe eines Familienvaters.

Melod. IV.

1. Hier stehen wir, und beben
An diesem Grabesrand,
Wo unsres Bruders Leben
Ach! viel zu früh, verschwand.

2. Ein Vater von acht Kindern
Verblich im Todesarm,
Und nichts vermag zu lindern
Der Trauer bittern Harm.

3. Die Kinderchen umringen
Umsonst des Vaters Grab,
Und ihre Klagen dringen
Nicht in den Sarg hinab.

4. Die Mutter klagt und jammert,
Und weint die Augen roth,
Und ihre Hand umklammert
Den Mann umsonst im Tod.

5. Wer giebt nun meinen Kindern,
So ruft sie, künftig Brod?
Und wer vermag zu lindern
Die Größe meiner Noth?

6. Doch Alles ist vergebens,
Der Tod ist taub und kalt,
Und Niemand kehrt zum Leben
Aus seiner Allgewalt.
[125]
7. So ruft auch diese Leiche
Kein heisser Thränenblick,
Kein Jammer, aus dem Reiche
Des Todes mehr zurück.

8. Er zog durch vieles Sitzen
Sich seine Krankheit zu,
Und fand, durch Fieberhitzen
Verzehrt, die Grabesruh.

9. Allein er hielt zum Sterben
Sich jederzeit bereit,
Und wird den Himmel erben
Dort in der Ewigkeit.

10. Wir können also hoffen:
Daß er am Grabesrand
Für sich den Himmel offen,
Und Jesum gnädig fand.

11. Drum tröstet euch, ihr Kinder!
Und du, verlassnes Weib!
Gott sorget ja nicht minder
Als sonst, für ihren Leib.

12. Gott, der die Raben höret,
Wenn sie um Nahrung schreyn,
Der ist es, der euch nähret,
Und wird euch Vater seyn.

13. Sucht also das Reich Gottes,
Und die Gerechtigkeit,
Und seyt zum Kampf des Todes
Durch Tugend stets bereit.
[126]
14. Gott wird euch Alles geben
Für diese kurze Zeit,
Und einst nach diesem Leben
Die höchste Seligkeit.