Nachtfräuleinsspiel

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Textdaten
Autor: Ernst Meier
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Titel: Nachfräuleinsspiel
Untertitel:
aus: Deutsche Kinder-Reime und Kinder-Spiele aus Schwaben, S. 117-119
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1851
Verlag: Ludwig Friedrich Fues
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Erscheinungsort: Tübingen
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung: Kinderspiel über die Sagengestalt der Pfullinger Urschel
Siehe auch Pfullingen
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[117]
391.
Nachtfräuleinsspiel.

Eine Mutter hat viele Kinder, die schlafen. Während die Mutter abwesend ist, kommt die alte Urschel mit ihren beiden Töchtern, den Nachtfräulein, und holen drei Kinder, jede eins, und führen sie in ihre [118] Höhle und stellen sich selbst davor und bergen sie hinter ihren ausgebreiteten Kleidern. Darauf kommt die Mutter zurück, sieht, daß ihr drei Kinder fehlen und fragt die Nachtfräulein: „Habt ihr meine Kinder nicht gesehn?“ Die Nachtfräulein breiten die Arme aus und winken abwehrend, indem sie sprechen: „Nicht da! nicht da!“ dann geht die Mutter wieder. Darauf holen sie abermals drei Kinder. Die Mutter kommt zurück und erkundigt sich wieder bei den Nachtfräulein nach ihren Kindern und wird, wie das erstemal, abgewiesen. So entführen sie der Mutter nach und nach alle Kinder bis auf die älteste Tochter, die die „Klägerin“ genannt wird; denn sie begibt sich jetzt mit zu den Nachtfräulein und weint, indem die Mutter klagt, daß ihr alle Kinder bis auf dieß eine genommen seien. In der folgenden Nacht holen die Nachtfräulein auch noch das letzte Kind.

Die Mutter kommt wieder, klagt und fragt: „Habt ihr meine Kinder nicht gesehn?“ Die Nachtfräulein winken abweisend und sagen: „Nicht da! nicht da!“ Dann geht die Mutter fort und wird eine Hexe.

Indessen stellt sich die alte Urschel zwischen ihre beiden Töchter und sagt zu den gestohlenen Kindern: „Kommt Kinder, wir wollen spazieren gehn!“ Während die Kinder ihr folgen, kommt die rechte Mutter zurück und zupft ein Kind am Rock; weil sie aber hexen kann, so spüren das alle Kinder zugleich und sagen zur Urschel: „Ach Mutter, mich zupft Jemand am Rock!“ Die Urschel sagt: „Es wird nur ein Hündle sein.“ Alsdann wird aber die alte Urschel mit ihren beiden Nachtfräulein ebenfalls in Einem Augenblick gezupft, worauf sie sich umsehen. Die Urschel fragt die Frau: was sie wolle? Sie antwortet: ob sie nicht mit spazieren gehen dürfe? Die Urschel erlaubt ihr das und nun geht sie zu ihren Kindern, macht da allerlei seltsame Mienen und zauberhafte Bewegungen mit den Händen, so daß es die Nachtfräulein merken und eine von ihnen ausruft: „Was ist das für ein Mensch?“ Nun sieht auch die Urschel sie an und sagt: „das ist wahrlich eine Hexe!“ Darauf schreien ihre eigene Kinder zumal: „die Hexe von London! die Hexe von [119] London!“ und springen auseinander. Die Hexe aber fängt ihre Kinder wieder ein, geht mit ihnen fort und macht sie nun alle zu Hexen.

(Pfullingen. Vgl. die Sagen über diese Urschel und die Nachtfräulein in meinen deutschen Sagen aus Schwaben, Nro 1-9.)