Nadoweßische Todtenklage

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Textdaten
Autor: Friedrich Schiller
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Titel: Nadoweßische Todtenklage
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1798, S. 237 - 239
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1798
Verlag: J. G. Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[237]
Nadoweßische Todtenklage[1].


Seht! da sitzt er auf der Matte
     Aufrecht sitzt er da,
Mit dem Anstand den er hatte,
     Als er’s Licht noch sah.

5
Doch wo ist die Kraft der Fäuste,

     Wo des Athems Hauch,
Der noch jüngst zum großen Geiste
     Blies der Pfeife Rauch?

Wo die Augen, Falkenhelle,

10
     Die des Rennthiers Spur

Zählten auf des Grases Welle,
     Auf dem Thau der Flur.

Diese Schenkel, die behender
     Flohen durch den Schnee,

15
Als der Hirsch, der Zwanzigender

     Als des Berges Reh.

[238]

Diese Arme, die den Bogen
     Spannten streng und straff!
Seht, das Leben ist entflogen,

20
     Seht, sie hängen schlaff!


Wohl ihm! Er ist hingegangen,
     Wo kein Schnee mehr ist,
Wo mit Mays die Felder prangen
     Der von selber sprießt.

25
Wo mit Vögeln alle Sträuche,

     Wo der Wald mit Wild,
Wo mit Fischen alle Teiche
     Lustig sind gefüllt.

Mit den Geistern speißt er droben,

30
     Ließ uns hier allein,

Daß wir seine Thaten loben,
     Und ihn scharren ein.

[239]

Bringet her die letzten Gaben,
     Stimmt die Todtenklag’!

35
Alles sey mit ihm begraben,

     Was ihn freuen mag.

Legt ihm unters Haupt die Beile
     Die er tapfer schwang,
Auch des Bären fette Keule,

40
     Denn der Weg ist lang.


Auch das Messer scharf geschliffen,
     Das vom Feindeskopf
Rasch mit drey geschickten Griffen
     Schälte Haut und Schopf.

45
Farben auch, den Leib zu mahlen

     Steckt ihm in die Hand,
Daß er röthlich möge strahlen
     In der Seelen Land.

SCHILLER
  1. Nadoweßsier, ein Völkerstamm in Nordamerika.