Neue Reinigungsmittel für Luft und Wasser

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Textdaten
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Autor: B-a
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Titel: Neue Reinigungsmittel für Luft und Wasser
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[750] Neue Reinigungsmittel für Luft und Wasser. Vor etwa fünf Jahren lasen wir in der „Gartenlaube“ von einer neuen, sehr ausdehnungsfähigen, patentirten Nutzanwendung der Kohle für industrielle und Gesundheitszwecke und sahen auch Zeichnungen von verschiedenen Kohlenapparaten dazu. Diese Erfindung des Mechanikers Herrn Carl Bühring in London gründete sich auf eine ungeheure Porosität und chemische Kraft der Kohle. In den zahllosen Poren, Löchern, Höhlen und Winkln der Kohle, die einem quadratfußgroßen Stück in eine Ebene auseinander gelegt die Ausdehnung von vielleicht funfzig Quadratfuß geben würde, verbirgt sich eine ungeheure Menge Luft, welche durch die Kohle die Eigenschaft erhält, chemisch reinigend auf alle Flüssigkeiten zu wirken, welche durch die Kohle hindurch filtrirt werden. Die Kohle hat Aehnlichkeit mit der lebendigen Lunge im Körper. Diese besteht auch aus einem großartigen, feinen Gewebe von Poren, in welchen die Luft durch Aus- und Einathmen chemisch reinigend, Sauerstoff gebend, Nahrung, Leben, Wärme erzeugend auf das Blut wirkt.

Die ganz unübertreffliche chemische Reinigungs- und Filtrirungsfähigkeit der Kohle und deren Conservirungskraft gegen Fäulniß etc. war längst bekannt; aber es fehlte bis zu Bühring’s Erfindung an einer praktischen, wohlfeilen Zubereitung und Gestaltung der Kohle zu diesen Zwecken. Dem Erfinder ist es jetzt nach jahrelangen Kämpfen (die jede Erfindung durchzumachen hat und in denen viele erliegen) endlich gelungen, die Kohle fabrikmäßig zu Filtrirapparaten, Platten für Treibhausbekleidung und Hospitäler, zur Prüfung der Keimfähigkeit verschiedener Sämereien, als Kesselsteinsammler, für elektrische und chemische Schmelzzwecke, zu Blumentöpfen und sogar Tabaksrauchfiltern zu verarbeiten. Die Fabrik befindet sich in Hamburg, Billwärder Deich Nummer 82, von wo jetzt alle Bestellungen Einzelner oder von Wiederverkäufern für Niederlagen oder Agenturen befriedigt werden können. Aehnliche Fabriken in London, Berlin etc. sind Anwendungen der Bühring’schen Erfindung, aber ohne und gegen ihn und dabei mit so fabelhaften Preisen, daß sie entweder die praktische Fabrikation nicht verstehen oder bis 500 Procent Profit nehmen. Anders sind die Preise kaum erklärlich.

Der unberechenbare Nutzen der Bühring’schen Kohlenapparate ergiebt sich aus folgenden Thatsachen. Reine Luft und reines Wasser sind die ersten Bedingungen für alles Leben, thierisches und pflanzliches. Ohne sie kann nichts Lebendiges gedeihen. Durch die Erfindung der plastisch-porösen Kohle von Herrn Bühring, dieselbe in beliebigen Formen für alle Luft- und Wasserreinigungszwecke anwendbar zu machen, hat die Kohle erst die Wichtigkeit erlangt, zu der sie ihrer Natur nach fähig ist. Daß die Kohle die Eigenschaft besitzt, trübes und ungesundes Wasser klar und gesund zu machen, und in der Luft schädliche Ausdünstungen zerstört, auch faule, Giftluft erzeugende Gährungen verhindert, ist längst bekannt, und daher hat auch die Bühring’sche Erfindung bereits die Beachtung gebildeter Industrieller, Agriculturfreunde, Chemiker und Gesundheitsbehörden auf sich gezogen. Aber jeder Mensch braucht gesunde Luft und reines Wasser. Deshalb sollte Niemandem ein Filtrir-Apparat aus Bühring’s Fabrik fehlen, und sei’s nur ein kleiner in der Tasche.

Die gewöhnlichen Wasserfiltrir-Apparate bestehen zunächst aus einem plastisch gepreßten Balle von einer Mischung reiner Holz- und Knochenkohle, und sind nicht hohl, ohne Coaksbeimischung, ohne Metalle, Baumwolle, Haarsieb oder sonstige Hülfsmittel. Sie liefern gegen andere Filter den Vortheil einer chemischen Reinigung, namentlich dadurch, daß sie die giftigen Schwefelwasserstoffgasverbindungen verhindern, das Wasser von allen sonstigen Unreinigkeiten läutern, außerdem selbst sehr leicht zu reinigen, zu tragen und für alle mögliche Zwecke anwendbar sind. So dienen dieselben Bälle zu Hausstandsfiltern mit Glasrohr und Gummischlauch, wodurch man ohne Weiteres aus jedem beliebigen Gefäße in jedes andere fillriren kann, zu immerwährend laufenden Fontainen filtrirten Wassers für Küchen, Comptoirs, Fabriken, die direct mit der Wasserleitung in Verbindung stehen (waren in der Ausstellung zu Hamburg sehr viel im Gange) zu Tischfiltern mit Glastrichter und Flasche, Taschem- und Reisefiltern in Blechdosen, Filtern für Pumpen, Filter-Blöcken für Spiritus- und Oelklärung u. s. w.

Die Kohlen-Platten für Treibhäuser und Hospitäler u. s. w. bewirken als Wandbekleidungen in ersteren durch den fortwährenden Zerstörungs-Proceß schädlicher Luftarten in den Poren einen kräftigen Pflanzenwuchs, in letzteren, wie in jedem anderen geschlossenen Raume, eine fortwährende Luftreinigung. Als schlechte Wärmeleiter halten diese Kohlenplatten die eingezogene Sommerwärme zurück und geben sie während der Nacht langsam wieder aus, weshalb Nachtfröste nicht so leicht möglich sind. Auch befördern sie als Wände sehr bedeutend die Reife und Süßigkeit der Weintrauben. Wasser auf diese Kohlenplatten gespritzt verdunstet langsam und versorgt deshalb Pflanzen stets mit gehöriger Feuchtigkeit. In Hospitälern, Krankenzimmern sind Thüren oder Betten mit diesen Platten bekleidet wirkungsvolle Luftreiniger und deshalb besser als ganze Reihen von Medicinflaschen. Fleisch- und Eisschränke von solchen Kohlenplatten sind [751] auch ganz vortreffliche Stückchen in die Wirthschaft. In ihnen hält sich Fleisch und andere Nahrung wunderbar lange, da die Kohle jede faule Zersetzung verhindert. Als schlechte Wärmeleiter halten sie Eis länger, als jeder andere Behälter.

Der Apparat zum Sammeln des Kesselsteins, der sich sonst beim Kochen ansetzt, sorgt für reines, weiches Wasser, in welchem man weniger Thee oder Kaffee braucht (da es besser auslaugt), auch für die wohlfeilste und reinste Wäsche in Waschkesseln.

Platten, Cylinder, Schmelztiegel u. s. w. für elektrische und chemische Werke übertreffen alle andern dazu verwendeten Materialien, wie Männer der Naturwissenschaft längst wissen werden, nur daß sie jetzt die Kohlenapparate sicher, bequem und wohlfeil haben können.

Blumentöpfe aus Kohlen verhindern das Sauerwerden der Erde, in welcher Pflanzen kränkeln und absterben.

Endlich empfehlen sich die kleinen Kohlenpflöckchen für Pfeifenköpfe, da sie den Tabak zunächst bis zuletzt trocken halten (so daß man keinen „Philister“ drin zu lassen braucht) und dann besonders das Nicotingift, Ammoniak und andere schädliche Bestandtheile des Tabaks verzehren. Cigarrenspitzen und ganze Pfeifenköpfe aus dieser Kohle thun dieselben Dienste.

Die Fabrik übernimmt auch Wasserreinigung in großen Mengen für Brennereien, Sodawasserfabriken u. s. w.

Was die Wasserfiltrirblöcke für den gewöhnlichen Gebrauch betrifft, so ist deren Anwendung äußerst einfach. Man wirft z. B. einen solchen Block, an welchem sich ein Gummischlauch befindet, in irgend ein Gefäß mit Wasser, saugt am Ende der Röhre den Fuß an, wie beim Heber, und läßt ihn in ein niedriger stehendes Gefäß hineinhängen. Dann tröpfelt das filtrirte Wasser von selbst hinein, bis es ganz im ersteren verschwindet. Auch kann der Filtrirball leicht gereinigt werden. Man bläst kräftig hindurch, spült und bürstet ihn in reinem Wasser, läßt ihn trocknen und hat ihn dann wieder wie vollständig neu und in ganzer Reinigungskraft.

Man steht daraus gewiß, wie wichtig und wohlthätig diese Apparate von plastisch-poröser Kohle für alles Leben sind und werden.

B-a.