Nixen beteiligen sich am Tanz im Arnsdorfer Erbgericht

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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Nixen beteiligen sich am Tanz im Arnsdorfer Erbgericht
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 56–57
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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19. Nixen beteiligen sich am Tanz im Arnsdorfer Erbgericht.

Die Landstraße, welche die Städte Radeberg und Stolpen miteinander verbindet, wird zwischen Arnsdorf und Wallroda von der Bahnstrecke Pirna–Kamenz gekreuzt. Nördlich vom Bahnübergange führt die Landstraße dammartig durch eine größere Wiesenfläche, an die ein kleines Gehölz stößt. Diese Wiesen wurden ehemals zum größten Teile von Teichen eingenommen. Vor Jahrzehnten sind dieselben jedoch schon trockengelegt und in Wiesen umgewandelt worden, weshalb man diese heute als die Teichwiesen bezeichnet.

Wie die Sage berichtet, waren die ehemaligen Teiche hier von Wasserjungfrauen oder Nixen bewohnt. Das ist aber schon lange, lange her. Drei derselben kamen regelmäßig Sonntags, wenn im Arnsdorfer Erbgericht Tanz abgehalten wurde, in’s Dorf herein und beteiligten sich an dem Vergnügen der Jugend. Ja, sie mischten sich selbst mit unter die tanzenden Paare und versäumten keinen Reigen. Die Nixen waren bildschöne Jungfrauen, hatten goldblondes, lang herabfallendes Haar. Sie trugen meergrüne Kleider, deren Rand unten seltsamerweise stets naß war. Kurz vor 11 Uhr nachts verließen die drei fremden Mädchen, welche niemand kannte, jedesmal gemeinschaftlich den Saal; ja, sie ließen oft plötzlich mitten im Reigen ihre schmucken Tänzer stehen und – verschwanden spurlos. Verblüfft sahen die Burschen den so schnell davoneilenden Tänzerinnen nach.

Jedermann hatte die drei gleichgekleideten, bildschönen und heiteren Mädchen lieb, und zum größten Ärger mancher Dorfschönen tanzten die Burschen nur gar zu oft mit jenen fremden Jungfrauen. Niemand wußte, woher diese drei schönen Mädchen kamen. Doch hatten manche Leute eine dunkle Ahnung.

Einmal war Kirmeß in Arnsdorf. Lustig schwenkten sich die Paare oben in der alten Erbgerichtsschenke. Auch die drei fremden Mädchen hatten sich wiederum eingestellt. Zwei Burschen, die zum Besuch bei Verwandten im Dorfe waren, faßten starke Neigung zu ihnen und boten den schönen Jungfrauen an, sie nach Hause zu begleiten. Die drei Mädchen wiesen aber dieses Anerbieten mit allem Ernste zurück und verbaten sich jede Begleitung. Als die Burschen nun sahen, daß alles Bitten ihrerseits fruchtlos sei, beschlossen sie, den spröden Mädchen heimlich nachzuschleichen. Kaum zeigte die alte Schwarzwälderuhr ¾11 Uhr an, da verschwanden wie gewöhnlich die drei Nixen. Sogleich eilten die zwei Burschen ihnen nach, obgleich sie auch von mehreren alten Leuten ernstlich gewarnt worden waren.

Lange wartete man im Saale auf die Rückkehr der beiden jungen Leute. Doch vergebens! Die Nacht verging, ohne daß die Burschen wiedergekommen wären. Auch der andere Tag verging, aber niemand kam. Da machten die Arnsdorfer Leute sich auf, die Vermißten zu suchen. Nach stundenlangem, vergeblichem Forschen in der Umgegend fand man diese draußen in den Teichen, [57] aber – – – als Leichen. Nebeneinander lagen beide Jünglinge im Wasser. So waren ihr frevelnder Übermut und Leichtsinn von den drei Nixen bestraft worden.

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Nixen beteiligen sich am Tanz.

Über diesen Unfall waren die Leute gar sehr erregt. Furcht und Haß erfüllten ihre Herzen. Sie beschlossen daher, den Teichjungfrauen den Aufenthalt zu verleiden. Deshalb durchstachen einige beherzte Männer die Teichdämme und legten die Teiche trocken. Seit jenem Tage sind die drei Nixen verschwunden. Man hat sie nie wieder im Dorfe beim Tanze gesehen. Wo sie nun jetzt wohnen mögen, hat bis heute noch niemand erfahren können. Aber nachts, wenn der Wanderer auf der einsamen Landstraße daherkommt, vernimmt derselbe in der Nähe der Teichwiesen ein leises Ächzen und Stöhnen. Das soll von den drei Wasserjungfrauen herrühren, welche um den Tod der beiden Jünglinge klagen. –