Noch einmal das Singemäuschen

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Titel: Noch einmal das Singemäuschen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 176
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: singende Maus
Blätter und Blüthen
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[176] Noch einmal das Singemäuschen. Seitdem die Gartenlaube die erste Kunde von der Existenz singender Mäuschen gebracht, ist dieses Thierchen, dessen Stammbaum vielleicht schon Jahrtausende zurückreicht, auch den Naturforschern erst bekannt geworden. Wir erhielten damals aus unserem Leserkreise viele Zuschriften über den Gegenstand, der von Manchen angezweifelt, von Anderen wieder durch neue ähnliche Funde belegt wurde. Das Neueste darüber berichten österreichische Blätter aus Prag. Dort, schreibt man, scheinen die Singmäuse in den Häusern auf derjenigen Seite der neuen Schloßstiege, welche sich an den Schloßberg anlehnt, förmlich heimisch zu sein. Seit November 1862 erfreute sich dort eine Familie jeder Nacht und oft selbst bei Tage des schmetternden wohltönenden Gesangs des wunderbaren Mäuschens, das endlich vor den Familiengliedern alle Scheu verlor, am Tage sich aus den Schlupfwinkeln des Bodens hervor in die Zimmer wagte und der Liebling der ganzen Familie wurde. Als diese eine andere Wohnung bezog, beschloß man, das Mäuschen zu fangen und mitzunehmen. Ein prächtiger Käfig nahm das niedliche Thierchen auf und so wanderte es mit in eine andere Gasse der Kleinseite Prags; – aber mit der Freiheit war auch der Gesang des Mäuschens dahin, erst nach vielen Tagen erhob es eine leise, fast klagende Weise; es war sein Schwanengesang, noch am selben Abend war es todt. Kurze Zeit nachher zog dieselbe Familie wieder auf die neue Schloßstiege, in ein Haus neben der alten Heimath des todten Singmäuschens, und siehe, abermals dringt melodischer Gesang unterm Fußboden hervor, als ob ein Kanarienvogel sich dort häuslich niedergelassen, und wieder ist’s ein solch’ unermüdliches Singmäuschen, welches ganze Nächte durch seine einfachen und doch so eindringlichen Weisen schmettert.