November (Otto Sievers)

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Textdaten
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Autor: Otto Sievers
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Titel: November
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aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 798
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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November.

Es dampft mein Athem, die Lüfte schneiden,
Entblättert im Garten strecket ihr Bäume
Die nackten Glieder
Und schauet hernieder
Auf röthliches Laub,
Das dem Staub sich gesellte.

Nicht mehr die Windsbraut
Weckt eurer Stimme
Rauschenden Wohllaut,
Kaum noch dem Grimme
Des Sturmes entgegen
Mögt ihr die Arme zum Widerstand regen:
Bald bändigt ganz euch Winters stummer,
Gliederumspinnender Todesschlummer.

Wie seid ihr noch im Sterben schön!
Vom blauen Himmel mit goldenem Glanz
Umschimmert die Sonne Stamm und Gezweig:
Ihr scheint zu lächeln, froh und zufrieden,
Dem Menschen gleich, dem nach mühvollem Sein
Ein sanftes Ende das Schicksal beschieden.

In treuer Arbeit
Ein setbstlos Weben
War euer Leben.
Aus feinsten Fäden Blätter zu wirken
Zu schattenspendendem, schützendem Schirme,
Aus Schnee und Morgenroth Blüthen zu blasen,
Zu wonniger Weide dem Menschenauge,
Mit zartem Stoff goldwangige Hüllen
Und duftigen, süßen Säften zu füllen,
Dem Menschenherzen zu lieblicher Labe:
Das war euer Leben,
In treuer Arbeit
Ein selbstlos Weben.

Du aber, o Mensch, erhebe dein Herz
Zu selbstvergessenem Werk der Liebe,
Zu unverdrossener, fröhlicher Arbeit;
Treib Blüthen und Fruchte
Zu Freud’ und Frommen
Dem darbenden Bruder!
Und wird dereinst im eignen Herbst
Nach rüstigem Schaffen die Hand dir sinken,
Dann möge so ein himmlisch Blinken,
So freundlich grüßender Sonnenschein
Dem brechenden Äuge beschieden sein.

Otto Sievers.