Paketbeförderung durch den elektrischen Strom

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Paketbeförderung durch den elektrischen Strom
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[431] Paketbeförderung durch den elektrischen Strom ist nicht mehr blos ein frommer Wunsch. Wenn der galvanische Strom bisher nur den unwägbaren Gedanken mit Augenblicksschnelle in dem Telegraphendrahte weiter leitete, so soll er jetzt wie der Dampf an die Deichsel gelegt werden, um unsere Lasten zu befördern.

Der italienische Physiker Bonelli, derselbe, der dem Leserkreise der Gartenlaube schon durch die Erfindung des elektrischen Webstuhles bekannt geworden ist, hat auf eine scharfsinnige Weise das Problem gelöst.

Er hat in einen kleinen mit Briefen belasteten eisernen Wagen, der mit metallenen Rädern auf einem Schienenwege lief, eine elektrische Batterie gelegt, und diese wirkte als eine vortreffliche Zugkraft, welche die Geschwindigkeit von Station zu Station steigerte.

Es ist bekannt, daß, wenn durch einen spiralförmig um einen Eisenkern gewundenen Kupferdraht ein elektrischer Strom geht, der Eisenkern zu einem Magnete wird. Aber nicht nur der Eisenkern selbst, sondern auch der um ihn gewundene Kupferdraht wirkt anziehend. Die leere Spirale wird durch den elektrischen Strom gewissermaßen selbst ein Magnet. Ihre Anziehungskraft steigert sich in die Mitte ihrer Windungen. Sie hält den Eisenstab mit einer gewissen Gewalt fest, und wenn derselbe leicht beweglich verschoben wird, so wird er von ihr mit steigender Geschwindigkeit wieder vom Anfange der Windungen bis in die Mitte gezogen.

Bonelli hat nun in seinem Apparate die geistreiche Einrichtung getroffen, daß er die Anziehungskraft der Spirale auf das Eisen – (auf seinen kleinen auf Schienen laufenden eisernen Transportwagen) – nur so lange wirken läßt, bis derselbe die Mitte und somit die größte Geschwindigkeit erreicht hat. Er läßt nämlich den mit der elektrischen Batterie belasteten Wagen auf [Link-TextLink-Text]Schienen laufen, welche mitten durch die Spirale hindurchführen und die bis zur Mitte der Drahtwindungen von Metall, von da aber von einem nichtleitenden Körper, Holz, hergestellt oder mit einem solchen wenigsten überzogen sind.

Der elektrische Strom geht aus der Batterie durch die metallenen Räder des Wagens in die Schienen und wird von diesen in die Spirale geleitet, deren Anfang und Ende mit den metallenen Schienenstücken in Verbindung steht. Sobald also die Räder auf die metallenen Schienenstücke kommen, zieht die Kupferspirale wie ein Magnet den eisernen Wagen an, er bewegt sich, und da, je näher er der Mitte kommt, die anstehende Kraft der Spirale mehr und mehr wächst, so steigert sich auch seine Geschwindigkeit, die endlich in der Mitte der tunnelförmigen Drahtwindungen am größten wird. Hier aber treten die Räder plötzlich auf die Holzschienen. Der Strom wird im Momente unterbrochen, die Spirale verliert jede Einwirkung und läßt den Wagen mit der verlangten Geschwindigkeit weiter schießen.

Damit allein wäre nun freilich nicht viel gewonnen, denn die treibende Kraft muß endlich durch die Reibung aufgezehrt werden.

Um daher einem Stillstande vorzubeugen, befindet sich in gewissem Abstande eine zweite ganz ebensolche Spirale, in deren Bereich die Schienenleitung wieder von Metall hergestellt ist. Sobald der Wagen sie erreicht, fängt der Strom an in dem Kupferdrahte zu kreisen, und die Räder erhalten durch die Anziehung einen neuen Impuls.

In gleicher Weise setzt sich das Spiel auf der ganzen Länge der Bahn fort. Jede Spirale ist ein Relai, wo frische Pferde vorgelegt werden. Die Beschleunigung wird sich um so mehr steigern, je näher die Spiralen an einander gerückt werden. Außerdem aber hat man es noch in seiner Hand, durch Verstärkung der Batterie Zugkraft und Schnelligkeit zu erhöhen. Von dem Strome wird nichts nutzlos vergeudet, er spannt sich nur ein, um auch wirklich zu arbeiten. Er läuft nie leer. Selbst die rasendste Geschwindigkeit wird er noch vergrößern; denn er ist in seinem Laufe durch die Spiralen noch viel rascher. Die Reibung der Räder kann so gering wie möglich gemacht werden, was bei Locomotiven nicht erlaubt ist.

Wenn daher auch eine telegraphische Geschwindigkeit sich nicht erreichen läßt, wie sie jenen Bauer so entzückte, als derselbe an Stelle der für seinen Sohn in der fremde bestimmten und auf Anrathen eines heimlichen Handwerksburschen über den Draht gehangenen treuen Stiefel wenige Minuten später ein Paar alte Latschen fand, von denen er überzeugt war, daß sie ihm sein geliebtes Kind zum Ausbessern geschickt habe, so wird doch durch die Bonelli’sche Erfindung dem Verkehr ein neues Hülfsmittel dargeboten, das für die Beförderung kleiner Lasten, Briefe, Depeschen ein Muster von der weitgreifendsten Bedeutung zu werden verspricht.