Fürst Pückler-Muskau und seine Parkanlagen in Muskau und Branitz bei Cottbus

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Titel: Fürst Pückler-Muskau und seine Parkanlagen in Muskau und Branitz bei Cottbus
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 427–431
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Fürst Pückler-Muskau und seine Parkanlagen in Muskau und Branitz bei Cottbus.

Die Niederlausitz, weiland des heiligen römischen Reiches Erzsandbüchse, bietet dem Naturfreunde Reize dar, deren Vorhandensein wohl deshalb weniger gewürdigt wurde, weil dieser Landstrich, durch den Mangel an Eisenbahnen vom Reiseverkehr unberührt, in eine isolirte Lage geraten ist. Die eigenthümliche Bodenbildung des Spreewaldes, mit seinen hundert Canälen, hat zwar schon manchen Touristen zu einem Besuche veranlaßt, und neben mehr oder minder wahrheitsgetreuen Naturschilderungen sogar eine [428] liebliche Novelle in’s Leben gerufen, welche unter dem Titel „Die Schlangenkönigin“ in Gutzkow’s Unterhaltungen zu lesen ist; von dem Schmucke der Gartenanlagen in Muskau und Branitz aber, als deren Schöpfer der Fürst Pückler sich ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat, wird in Schrift und Wort noch wenig zur Oeffentlichkeit gelangt sein.

Schon lange vorher, ehe das so allgemeines Aufsehen erregende Werk über englische Zustände „Briefe eines Verstorbenen“ erschien, war dessen Verfasser wegen seiner Originalität berühmt. Ein nicht unbedeutendes Bändchen Pückleriana, worin die übersprudelnde Geistesquelle der jüngeren Jahre des Fürsten hervortritt, würde sich leicht zusammenstellen lassen, während das reifere Alter in großen und weiten Reisen Befriedigung suchte und fand, deren geistreiche Darstellungsweise eine

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Fürst Pückler-Muskau.

Lieblingslectüre der vornehmen Welt geworden ist. Daß ein so reger, schaffender Geist auf dem Gebiete der Gartenkunst, die der Phantasie einen unbegrenzten Spielraum darbietet, Großartiges leisten würde, war zu erwarten, und in der That kann der Fürst als der größte Gartenkünstler seiner Zeit bezeichnet werden. Bei der Anlage der Babelsberger Gärten verlangte der jetzige König Wilhelm von Preußen vom Fürsten den Muskauer Gartendirector zur Leitung derselben, und wie der Gärtner angemeldet wurde, war es der Fürst selber, der sich als solcher vorstellte und jene Anlagen meisterhaft auszuführen verstand. Seit fünfzehn Jahren residirt der Fürst auf seinem Schlosse zu Branitz, welches er wahrhaft fürstlich eingerichtet hat, in philosophischer Ruhe nur mit seinen Parkanlagen beschäftigt; und wer die hohe Gestalt und kräftige Haltung des Mannes erblickt, wie er schaffend und anordnend stundenlang unermüdlich im Freien sich bewegt, der wird kaum glauben, einen Greis zu finden, der die Mitte der siebenziger Jahre bereits erreicht hat.

Der Fürst ist bis auf den heutigen Tag eine ebenso chevalereske und liebenswürdige Erscheinung, als das Verweilen in seiner Nähe interessant. Die Vormittage verlebt er allein, mit Correspondenz und Lectüre, oder mit Anordnungen für seine Parkanlagen beschäftigt; aber Nachmittags ist er, bis die Sonne sich senkt, fort und fort im Park zu sehen, unausgesetzt thätig anordnend und die herrlich gruppirte Parkschönheit selbst genießend, wobei er weder Wind noch Wetter scheut. Gönnt er sich auch zuweilen kleine Ausflüge im lieben deutschen Vaterlande, an den Hof oder in ein Bad, so ist er im Frühjahr und im Herbst, wo es gilt, zu pflanzen und neue Anlagen zu entwerfen, doch stets in Branitz. Jeden Abend um 6 oder 8 Uhr, je nach der Jahreszeit, fährt der Wagen nach der Stadt, der ihm einen oder zwei Gäste zum Diner zuführt. Zwei Stunden wird gespeist und zwar sehr gut, nicht nur geistig, sondern auch gastronomisch; sodann empfängt er auf ein halbes Stündchen seine Beamten und ordnet das Nöthige für den folgenden Tag, während Herr Billy, der netteste Zwerg Europa’s, welcher seine ganze Bildung und Existenz dem Fürsten verdankt, die Gäste im Nebenzimmer bei Mokka und Cigarren unterhält. Hier ist schon immer etwas Interessantes und Neues zurecht gelegt und das Gespräch ebenso ausreichend vorbereitet, wie es die eben empfangenen gastronomischen Genüsse waren; hier ist man umgeben von den mannigfaltigsten Kunstgegenständen, und doch in keinem Raritäten-Cabinet, denn jeder Gegenstand weckt irgend eine Erinnerung in dem Leben des Fürsten, oder stellt hervorragende Momente aus der russischen Zeit- und Kunstgeschichte dar.

Erscheint nun der Fürst, gewöhnlich in bequemer orientalischer Tracht, so wendet sich das Gespräch bald auf die Literatur, Religion oder Geschichte, je nach seiner oder der Gäste Geneigtheit; voller Geistesfrische und Humor geht er bereitwillig auf ihre Fragen ein, und mit allen irgend hervorragenden Persönlichkeiten des ganzen gegenwärtigen Jahrhunderts in Berührung gekommen, theilt er seine Erlebnisse mit ihnen eben so offen, als discret mit, je nach den Umständen und mit Rücksicht auf seine Gäste; nie spricht er von seinen Werken, giebt dem Gespräch auch bald eine andere Richtung, wenn man ungezwungen ihrer erwähnt, eine Bescheidenheit, die nicht alle seine schriftstellerischen Collegen in Deutschland theilen. Sein Lieblingsthema ist die Philosophie, worin Schopenhauer gegenwärtig mächtig auf ihn eingewirkt hat; dann unterhält er sich auch über das Jenseit und über die abweichenden Ansichten, welche unter den verschiedenen Völkern und Religionsgemeinschaften existiren, und dabei geht er auf jeden ihm dargebotenen Gedanken mit jener gereiften Lebensweisheit ein, die man nur als die wahre und echte Toleranz bezeichnen kann.

Einmal bei Tische befragt, warum er als Mausoleum sich nur eine Pyramide gebaut habe, die bei aller antiken und anmuthigen Form doch nur ein hervorragendes Gebilde von Sand sei, erwiderte der Fürst: „Weil ein solcher Sandhügel, dieser Tumulus, das Bleibendste ist, was es auf Gottes Erdboden giebt. Ich habe auf den Ruinen untergegangener asiatischer und afrikanischer Städte von welthistorischer Bedeutung gestanden; sie sind fast spurlos verschwunden, und die Trümmer früherer Herrlichkeit werden höchstens als Bausteine zu unbedeutenden Zwecken verwendet. Aber ich habe auch auf dem Schlachtfelde von Marathon mich umgesehen; zum Andenken an diese Schlacht ist ein halbes Jahrtausend vor Christo nur ein keiner Hügel von geringer Dimension und wenigen Fuß Höhe aufgeworfen worden, und dieser Hügel besteht heute noch. Wer wird sich die Mühe geben, meinen Tumulus, der nicht einmal fruchtbare Ackererde enthält, wieder auseinander zu werfen?

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Die Parkanlagen in Branitz.
Der Rosenberg.     Der Kiosk.     Das Schloß von der Parkseite.     Das Schwanenhäuschen.     Die Treppenfichten.
Der Tumulus.

[430] Vor Ueberfluthungen unserer sanften Spree sind wir sicher, vulcanisch ist unsere Gegend nicht, mein Tumulus wird bleiben, so lange die Erde steht. Die scharfen Kanten wird der Wind verwehen, nichts weiter.“

Wenn seltenere Gäste vom Auslande oder aus entfernteren Beziehungen bei ihm einkehren, so zieht er diese mit seinem Gaste aus Cottbus gern in das herrlich erleuchtete Billardzimmer mit seinen umfassenderen Dimensionen. Hier giebt er sich ganz derjenigen Unterhaltung hin, welche den Gästen angenehm zu sein scheint; aber auf den Tischen liegen dann kostbare Kupferwerke, die er selbst aus Rom oder Paris mitgebracht hat, und die immer neuen Stoff zur Unterhaltung gewähren. Oder er führt sie in ein Zimmer, wo vorzugsweise orientalische Gegenstände, in ein anderes, wo englische Kunstgegenstände mit ähnlichen aus allen Gegenden der Erde gruppirt sich finden; oder man durchwandelt mit ihm seine mit den herrlichsten Prachtwerken und Bästen ausgestattete Bibliothek. Dabei ist er immer lebhaft neu und interessant.

Wenden wir uns jetzt zu den Schöpfungen des Fürsten selbst, indem wir versuchen, in einer gedrängten Charakteristik dem Leser ein anschauliches Bild derselben vorzuführen.

Im Jahre 1817 begann der Fürst die riesenhafte Aufgabe, die Umgegend der Stadt Muskau zum Park umzuschaffen. Die Oertlichkeit bot dazu manche Vortheile wegen der durchgängig malerischen Bildung des Bodens und einer großen Abwechslung von Berg und Thal; wegen des Neißeflusses, der das zum Park bestimmte Land durchströmt; wegen des Vorhandenseins mancher schöner Bäume, namentlich Eichen und Linden. Die Nachtheile dagegen bestanden hauptsächlich in einer im Allgemeinen sandigen, größtenteils nur mit Kiefernwäldern bedeckten Gegend; in einem meistentheils schlechten Boden im Bereich des zum Park bestimmten Terrains selbst; in der zur Abrundung des Ganzen nothwendigen Erwerbung von mehr als zweitausend Morgen fremden Landes, welches zum drei- bis sechsfachen Werthe angekauft werden mußte.

Die großen Schwierigkeiten, mit welchen der Fürst bei der Anlage zu kämpfen hatte, und welche mit einer seltenen Ausdauer während seines 35jährigen Besitzes der Herrschaft, ohne Abweichung vom vorgesteckten Ziele, von ihm bewältigt wurden, werden folgende Angaben dartun: Um Erde zum Ausfüllen der bedeutenden Wallgräben zu gewinnen, und zugleich um über verschiedenartige Wasseransichten disponiren zu können, war es nothwendig, einen Arm aus der den Park durchströmenden Neiße abzuleiten und auszugraben, welcher jetzt während eines Laufes von fast dreiviertel Stunde zwei Seeen von bedeutendem Flächeninhalte bildet; die Wiesenanlagen erforderten ungeheure Meliorationsarbeiten, welche jahrelang andauerten; zum Theil mußten grüne Flächen hergestellt werden, wo früher Sandberge waren, andere niedrig gelegene Gründe waren bodenlose Sümpfe, welche durch die kostspieligsten Entwässerungsarbeiten, durch Ausfüllen der Tiefen u. s. w. tragbar gemacht werden mußten. Rechnet man zu diesen Schwierigkeiten noch das Melioriren eines großen Theils der zu Pflanzungen bestimmten Flächen, ferner die Herstellung und Instandhaltung der Blumengärten und des pleasure-ground, wo jedes Blumenbeet mehrere Fuß tief mit guter Erde versehen und auf die Rasenflächen die größte Sorgfalt verwendet werden mußte, und endlich daß zu allen Pflanzungen zwei bis drei Fuß tief reolt worden ist, daß es also im ganzen großen Park keinen Quadratfuß Land giebt, der nicht durch Menschenhände mit der Schaufel bearbeitet worden wäre, so wird man den Geist bewundern müssen, der in höchst genialer und consequenter Weise solch ein großartiges Werk zur Vollendung gebracht hat.

Wo in einer armen und reizlosen Gegend eine neue, schönere Landschaft geschaffen werden soll, ist Größe der Anlage allerdings eine Hauptbedingung; so wurde denn auch bei Muskau die Grundidee des Ganzen festgehalten und überall gleichzeitig darin vorgeschritten, während die Ausführungen in den Details nach und nach erfolgten und manchen Veränderungen unterworfen wurden, die zur Herstellung der Harmonie des Ganzen erforderlich waren. Beim Beginn der Anlagen mangelte es an kundigen Gärtnern in Deutschland, der Fürst ließ daher zu zwei verschiedenen Malen Gartenkünstler aus England kommen; sie nützten der Sache jedoch nur wenig, außer daß Beide ihn in seinen Plänen bestärkten. Einen größeren Nutzen hatte er dagegen von seinem deutschen Obergärtner, Namens Rehder, der sich durch unermüdliche Sorgfalt und durch geschickte Ausführung der vorgeschriebenen Arbeiten um den Muskauer Park sehr verdient gemacht hat. Gewiß war es nicht leicht, dem rastlos arbeitenden Genius des Fürsten einen befriedigenden Ausdruck zu geben, daher mußten denn auch die ersten Anlagen fast sämmtlich drei bis vier Mal geändert werden, ehe sie dem Schönheitssinn des über seine eigenen Werke die strengste Kritik übenden Fürsten Genüge leisteten. Später war dies nicht mehr nöthig, ja man kam bald so weit, um aus dem Schatze der eigenen Erfahrung selbst feste Regeln aufstellen zu können.

Der Muskauer Park umfaßte zur Zeit des Fürsten 4284 Morgen, wovon 1760 Morgen Pflanzungen, 860 Morgen Wiesen- und Rasenplätze sind. Gegen 10,000 laufende Ruthen Fahrwege, wie auch an 2000 laufende Ruthen Fußwege befinden sich darin. und seiner generellen Eintheilung nach zerfällt er in drei Theile, nämlich in den Schloßpark, den Park des Bades oder den Bergpark, und in den äußeren Park.

Es ist bei der Anlage darauf Bedacht genommen worden, daß die einzelnen Gegenstände der Landschaft nicht untereinander gemischt, daß vielmehr die Blumengärten, der pleasure-ground, und der Park auch für das Auge gesondert und abgegrenzt erscheinen. Der pleasure-ground, dehnt sich rund um das Schloß aus und befindet sich nicht, wie es in England fast überall Sitte ist, an der einen Seite desselben. Die Gebäude stehen mit ihren Umgebungen stets in sinniger Beziehung; in ihrer Nähe sind hauptsächlich Bäume mit dunklem Laube gepflanzt worden, wie Eichen, Linden, Ulmen, weil die Gebäude daraus immer freundlicher hervorblicken, als aus hellem Laube. Das Schloß ist der Centralpunkt der ganzen Anlage und da, wie überall, die Ansicht vom Wohnhause dem individuellen Geschmack des Besitzers möglichst angemessen eingerichtet wird, so ist von den Fenstern des Schlosses aus eine fortlaufende Bildergallerie geöffnet, immer neu und immer schön, großartig und voller Harmonie. Diese Bildergallerie setzt sich für den aufmerksamen Beschauer durch den ganzen Park fort, der, was Farbe und Form anbetrifft, den Schönheitssinn in jeder Jahreszeit befriedigen wird, selbst im Winter, wo die Laubfärbung und die Ausschmückung fehlt; denn die Schönheit der Formen tritt gerade in dieser Jahreszeit in ihrer ganzen Classicität hervor. Die Wege sind so angelegt, daß sie als unsichtbare Führer an die schönsten Partieen der Landschaft hinführen, und durch geschickte Disposition der Pflanzungen möglichst gedeckt; ihre technische Ausführung ist vortrefflich. Das Wasser, welches der Canal aus der Neiße durch den Park leitet, giebt dem Landschaftsbilde Leben und Bewegung und hebt die Eigenthümlichkeit eines jeden Theils der Anlage, den es berührt, noch mehr hervor.

Der Grundzug, welcher durch das Ganze weht, verräth ein richtiges Erkennen und ein geniales Auffassen des Charakters der Gegend, der durch geschmackvolles Arrangement der Pflanzungen, Gebäude und aller zur Landschaft gehörigen Gegenstände noch mehr hervorgehoben und verstärkt worden ist. Das hohe Verständniß der Natur und ein jahrelanges Studium der Eigentümlichkeiten der Bodenbildung ist überall sichtbar, und so wie er in großen und einfachen Linien sich darstellt, charakterisirt Ruhe und Entschiedenheit in den Formen den ganzen Park.

Nach erfolgtem Verkauf der Herrschaft Muskau führte der Fürst Pückler den Entschluß aus, seine Besitzung Branitz bei Cottbus in einen Park umzuwandeln, und das Werk wurde im Jahre 1848 in Angriff genommen. Von den vielen Vorzügen, die das Terrain um Muskau zur Unterstützung solcher Anlagen darbot, war hier nicht einer vorhanden. Eine kahle Gegend, ohne Abwechselung von Berg und Thal, ja fast ohne irgend eine Bodenerhöhung, bedeckt mit traurig öden Ackerflächen, die von Nadelholz und verkrüppelten Bäumen unterbrochen wurden, ein tiefer Sandboden, untermischt mit einzelnen sumpfigen Stellen, dies war das Feld, welches dem Fürsten sich darbot und ihm Gelegenheit geben sollte, eine Wüste in ein Paradies zu verwandeln. Die Spree, welche der Besitzung als Grenze dient, hat flache, reizlose Ufer und eine nur unbedeutende Wassermenge, die theilweise zur Benutzung von industriellen Anlagen vorher abgeleitet worden ist; sie konnte zur Hebung eines landschaftlichen Gemäldes wenig beitragen. Das Schloß war verfallen, und von einem Schloßgarten waren kaum noch Spuren bemerkbar, da bei den früheren Pachtverhältnissen seit fast hundert Jahren die landwirthschaftlichen Interessen vorgewaltet hatten. Es mußte hier das Ganze erst wahrhaft geschaffen werden, und wie diese Aufgabe gelöst, wie das scheinbar Unmögliche möglich gemacht worden ist, dafür gebührt [431] dem Gründer dieser herrlichen Schöpfung der Dank und die Bewunderung des gesammten Vaterlandes.

Die Schwierigkeiten, welche sich der Ausführung des Planes entgegenstellten, würden für einen gewöhnlichen Geist unbesiegbar gewesen sein. Der Boden, aus Sand oder schwerem Lehm bestehend, mußte größtentheils verbessert, künstliche Hügel mußten geschaffen werden, um den Hintergrund zu bilden und dessen Einförmigkeit zu unterbrechen. Die Leitung des Wassers durch den Park, nach dem Tumulus und zur Spree hin, welches durch sehr reichhaltige Quellen und unterirdischen Zusammenhang mit der Spree gespeist wird, gegenwärtig noch nicht vollendet, erforderte großen Aufwand an Mühe und Kosten. Dem Mangel an Bäumen mußte bis jetzt durch Anpflanzung von mehr als einer Million Schock kleiner, von über 1000 Stück bis zu 30 Fuß hoher Bäume abgeholfen werden. Ganz große Bäume von 50 – 125 Fuß Höhe sind hundert versetzt und aus einer Entfernung von mehreren Meilen herbeigeholt worden.

Alle diese und viele andere Werke beschäftigten und beschäftigen noch jetzt Hunderte von Arbeitern, denen dieselben, als eine Gelegenheit des Broderwerbs, zum wahren Segen gereichen. Sowie in Muskau wurden auch bei den Anlagen in Branitz überall erst die Hauptmomente festgestellt und gleichzeitig darin gearbeitet; natürlich wurde die nächsten Umgebungen des Schlosses zuerst vollendet. Die dem Ganzen zum Grunde liegende Idee ist nach Verlauf einer nunmehr fünfzehnjährigen Arbeit ihrem Ziele ganz nahe gerückt. Die Kosten für die bereits hergestellten Anlagen belaufen sich bis jetzt auf 250,000 Thaler, und dürften zu deren gänzlicher Vollendung wohl noch 50,000 Thaler und einige Jahre Zeit erforderlich sein. Den bereits vorhandenen, neu aufgeführten Gebäuden, welche dem Park zur Zierde dienen, werden im Laufe dieser Zeit noch hinzutreten: eine doppelte Vergrößerung der Gewächshäuser, ein Gestüthaus, ein neuer Parkhof, ein neues Gärtnerhaus, ein Fischerhaus am Pyramidensee, nebst mehreren kleineren in der ganzen Landschaft vertheilten Baulichkeiten.

Der eigentliche Schloßpark mit Gärten und pleasure-ground enthält etwa 600 Morgen Flächenraum; die ferme ornée mit Wald, welche denselben umgiebt, wird über 2000 Morgen betragen. Obgleich die Anlage noch nicht ganz vollendet ist, erscheint sie doch wie aus einem Guß; die Erfahrungen eines Menschenalters sind hier angewendet worden, um ein Werk zu schaffen, welches in der Anmuth des Styls und hinsichtlich der überwundenen Schwierigkeiten wohl von keinem zweiten übertroffen werden dürfte. Besonders schön ausgeführt sind die Partieen mit dem Rosenberge und die Blumengärten um das Schloß, welche häufig selbst über jene von Muskau gestellt werden. Die große Freitreppe vor dem Schlosse, welche mehrfach verändert werden mußte, ehe sie dem Fürsten genügte, mit der ihr gegenüberliegenden Pergola, machen beide einen ebenso imposanten als wohlthuenden Eindruck; der italienische Geschmack scheint hier mit dem deutschen in eine glückliche Verbindung gebracht worden zu sein. In weiterer Entfernung giebt der Tumulus (zum Begräbnißort des Fürsten bestimmt), eine Pyramide von 50 Fuß Höhe bildend, die in ihrer Basis einen Flächenraum von etwas über einen halben Morgen bedeckt und aus einem in Arbeit begriffenen, umfangreichen See emporsteigt, der Landschaft einen ganz eigenthümlichen, fremdartigen Reiz und bietet dem Auge zugleich in der weiten Plaine einen befriedigenden Ruhepunkt. Eine zweite Pyramide von gleicher Höhe ist noch in der Arbeit begriffen. In der Nähe der beiden Pyramiden befindet sich eine Anlage, wie sie wohl noch nirgendwo gesehen worden ist. Tausende von kleinen Fichten sind vor etwa fünf Jahren an die Grenze des Parks gepflanzt worden, und als sie nun kräftig angewachsen waren und zu wipfeln anfingen, ließ der Fürst sie alle in gleichen Linien köpfen, nöthigte dadurch die kleinen Finsterlinge Seitenäste zu treiben und diese dicht in einander zu verschränken, so daß nicht nur Hasen und Fasanen ein undurchdringliches Versteck finden, sondern das Auge auch durch die Originalität einer solchen Fichtenwiese ganz überrascht wird. Auch fehlt es nicht an Fernsichten auf die Stadt und andere hervorragende Punkte der Umgebung, wie auf die in Gruppen so zu sagen ausgeschnittenen entfernteren Kiefernwälder, die dem Ganzen die nöthige Abwechselung verleihen.

Wenn die Muskauer Anlagen den Stempel des Großartigen tragen, so muß dem Branitzer Park der Charakter des Lieblichen beigelegt werden. Der Sinn für Naturschönheit ist allen civilisirten Menschen eigen. In einer dürftig ausgestalteten Gegend finden wir einen willkommenen Ersatz in dem Genuß eines immer schönen und neuen Anblicks dieser von Meisterhand geschmückten Gefilde, welche ein lebendiges, beseeltes Bild alles dessen sind, was die Natur uns bietet. Durch solch eine wohlgefällig umgestaltete Natur können die Gefühle des Menschen nur veredelt, Viele erfreut, erhoben und erbaut werden.