Pavianhetze im Bogoslande

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Textdaten
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Autor: Alfred Brehm
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Titel: Pavianhetze im Bogoslande
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 638–640
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[638]

Pavianhetze im Bogoslande.

Von Brehm.

Während meines ersten Aufenthaltes in Afrika war es mir gegangen, wie allen übrigen Reisenden, welche die Tropen kennen lernten. Beim ersten Anblick der Affen war das Jagdfeuer rege geworden und nach den ersten tödtlichen Schüssen war es so vollkommen erloschen, daß fortan die lustigen Gesellen der Höhe unbehelligt blieben. Es ist eine ganz eigene Sache mit der Affenjagd: auch der abgehärtetste Jäger kann den Gedanken nicht los werden, daß er durch die Tödtung eines Affen einen Mord begangen habe. Der sterbende Affe gebehrdet sich so menschlich, daß es einem eiskalt über den Rücken läuft, wenn man sich als Mörder desselben erkennen muß.

Ganz andere Gedanken wurden in mir wach, als ich gleich beim Eintritt in das Gebirgsland der Bogos von hoher Felswand hernieder das Gebell der Paviane hörte. Ich dachte gar nicht daran, jetzt mit Affen zu thun zu haben, sondern sah in der über hundert Stück starken Heerde nur eine ausrottungsreife Bande wüthender Thiere. Und dieses Gefühl hat sich nicht vermindert, sondern nur vermehrt. Ich will hier von unseren Jagden einen kurzen Bericht geben, vorerst aber das Wild, um welches es sich handelt, meinen Lesern vorstellen.

Der Pavian, welcher auf allen abyssinischen Gebirgen am häufigsten vorkommt, ist der „Hamadryas“ (Cynocephalus Hamadryas). Wie er zu dem Namen einer alten griechischen Baumnymphe gekommen ist, wissen die Götter. Etwas Weibliches hat er sicherlich nicht an sich, und die Alten, denen er sehr wohl bekannt war, haben ihm auch diesen Namen nicht zugemuthet. Der Hamadryas oder der Silberpavian ist ein ungeheurer Affe, wenn auch noch nicht so groß, als der durch Du Chaillu so hoch berühmt und berüchtigt gewordene Gorilla; aber ein altes Männchen von ihm giebt einem unserer stärksten Hunde nicht das Geringste nach. Er sieht viel stattlicher aus, als jeder Hund; ein Wolf namentlich erscheint neben ihm als ein dürres, ausgehungertes, armseliges Vieh, auch wenn er seine Zähne zeigen sollte; – denn diese Wolfszähne verschwinden gänzlich vor dem ungeheueren Gebiß des Pavian. Er trägt Reißzähne im Maule, welche fast mit denen des Löwen wetteifern; die unseres Bären übertreffen sie immer noch an Stärke. Es geht unserem Hamadryas wie manchem Menschen: so lange er das Maul nicht aufthut, hat er etwas sehr Würdiges. Der Kopf ist zu beiden Seiten sehr dicht, oben aber dünner behaart, die seitlichen Haarpartien stehen vom Gesichte ab, die obere ist niedergedrückt. So entsteht ein gar nicht unangenehmer Haarputz, den nach ihm sogar manche abyssinische Völkerschaften sich angeeignet haben. Vom Kopfe angefangen über den ganzen Hals und Rücken, die Schultern und Seiten des Leibes bis zu dessen Mitte hinweg verlängert sich das Haar zu einem dichten, schönen Mantel. Bei mittelalten Silberpavianen sind die einzelnen Haare 6–8, bei recht alten 10–12 Zoll lang. Der untere Theil des Leibes ist glatt behaart, das Gesäß nach Art seines Geschlechtes nackt und widerwärtig roth, aber am Schwanze, welcher beinahe körperlang ist, verlängert sich das Haar doch wieder, und an der Spitze bildet es eine dichte Quaste. Die Färbung ist ziemlich einförmig. Jedes einzelne Haar ist abwechselnd schwärzlich und gelblich, oder graulich und weißlich geringelt, und hierdurch entsteht entweder ein Kleid, welches wie Heu, oder aber ein solches, welches wie mattes Silber aussieht. In Afrika tragen nur sehr alte Herren einen etwas lichteren Mantel; die eigentlichen Silberpaviane sind Asiaten. Den Weibchen fehlt der Haarschmuck; sie sehen auch dunkler aus; die Jungen sind braun.

Unmöglich kann man sich ein jähzornigeres und gleichwohl wieder berechnenderes Thier denken, als diesen Pavian. In seiner Seele hat jede Leidenschaft Platz, und die unglaubliche Beweglichkeit des Affengeistes ermöglicht es ihm, blitzschnell von dem Einen zu dem Anderen überzuspringen. In diesem Augenblick fürchterlich wüthend, macht er in dem nächsten ein glattes, freundliches Gesicht, und nur das tückische Auge giebt noch ein Fältchen seiner versteckten Seele wieder. Unter den guten Eigenschaften verdienen wohl nur Muth und hingebende Liebe zu Seinesgleichen aufgeführt zu werden; alle übrigen Begabungen des Affen äußern sich mehr im schlechten, als im guten Sinne. Noch heutigen Tages verlieren viele Menschen durch ihn das Leben, namentlich Frauen und bezüglich Mädchen, welche mit ihm zusammenkommen, wenn sie, um Holz zu holen, die Bergwälder besteigen. Der Naturforscher Schimper, welcher seit etwa 28 Jahren in Abyssinien lebt, hat mir versichert, daß die Angriffe männlicher Affen auf weibliche Menschen keine Fabeln sind, und wer nur einmal so einen alten Affenvater in einer Thierschaubude betrachtet und gesehen hat, wie verschieden sich das Vieh benimmt, wenn ein bärtiger Mann oder eine schöne Dame ihm gegenüber steht, der glaubt Schimper schon.

Dem Jäger gegenüber ist der Hamadryas ein durchaus nicht zu verachtender Gegner. Sein Muth steigert sich oft zur Tollkühnheit; denn seine rasende Wuth, die hervorragendste Eigenschaft unter den schlechten, läßt gar nicht selten eine Berechnung vergessen, welche den Affen sonst so auszeichnet. Jedenfalls steht soviel fest, daß dem Hamadryas das Feuergewehr weit furchtbarer ist, als der ganze übrige Mensch, er möge sonst bewaffnet sein, wie er wolle. Dies zur nothwendigen Kenntniß derjenigen meiner Leser, welche gerade diesen Pavian, eine bei uns immer noch seltene Erscheinung, nicht ans eigener Anschauung kennen lernen.

Eines schönen Morgens also, ich glaube es war am 12. oder 13. März dieses Jahres (1862) stellte sich mir Freund Thoth in höchsteigner Person vor. Ich vernahm Töne vom hohen Berge herab, welche etwa wie „Kuk, Kuk“ klangen, d. h. mit dem fernen Bellen eines hochstimmigen Hundes ungefähr ebensoviel Aehnlichkeit hatten, als das vorgezogene Pavian- oder „Hundskopf“-Gesicht mit dem unseres treuesten Hausfreundes. Eiligst flog der Blick an den Bergen empor; aber ich sah Nichts, als die alten Felsstücken da oben, welche ungeordnet auf dem Kamme des Berges lagen. Das konnten doch keine Affen sein? Ich hatte mich getäuscht. Die Paviane mochten ein reichliches Frühstück genossen haben und saßen so still oben auf, neben und hinter wirklichen Steinblöcken, daß ich sie für Eins mit denselben hielt. Neue Ausrufe von ihnen regelten den Blick, und nun erkannte ich auch ohne Mühe ungefähr ihrer zwanzig bis fünfundzwanzig. Sie schienen ziemlich gleichgültig auf uns, die wir dem Zuge vorausritten, herabzublicken; nicht so gleichgültig aber schauten sie nach unseren Hunden, welche jetzt um die Thalbiegung herumkamen. Da wurde es oben lebendig, ein Grunzen, Quieken, Kreischen, Schreien, Bellen, und wer weiß, was sonst noch Alles begann; es war, als ob ein Rudel Wildschweine aufgestört die Stimmen seiner sämmtlichen Mitglieder erschallen ließe. Ein Affe nach dem anderen rückte von [639] hinten nach dem Bergeskamme vor und schaute sich die Gesellschaft unten an. Die Weibchen schienen bedenklich zu sein, eben wegen der Hunde, die alten Herren versuchten sie zu beruhigen, schlugen aber doch wüthend mit der einen Hand auf den Felsen aus, gleichsam zum Warnungszeichen für die Hunde, denen sie wahrscheinlich andeuten wollten, was geschehen würde, wenn sie es wagen sollten, den Frieden der Gesellschaft zu stören. Diese Affen waren einiger Vorberge wegen außer aller Schußweite; als wir aber um die nächste Wendung des Thales herumbogen und den Berg, welchen wir jetzt von vorn betrachtet halten, nun auch von hinten zu sehen bekamen, bemerkten wir zu unserer nicht geringen Ueberraschung, daß die eigentliche Hauptmenge der Heerde hier sich niedergelassen habe. Der Bergzug fiel hier senkrecht in das Thal ab, und an dieser senkrechten Wand saß auf schmalem Gesimse eine ununterbrochene Reihe von mindestens noch 120 Pavianen. Die waren höchstens 400 Fuß hoch über uns und lockten denn doch gar zu sehr zur Jagd; wenigstens aus ihrer behäbigen Ruhe wollten wir sie aufstören. Die Büchsen wurden vorgenommen und nach der Stelle gerichtet, wo die meisten Affen zusammensaßen. Ich hatte mir ein altes Männchen auserwählt, bemerkte aber schon beim Zielen, daß ich es schwerlich treffen würde, eben weil die Entfernung für unsere Jagdbüchsen immer noch eine zu große war.

Der Schuß donnerte durch das Thal, und sein Echo wurde, wie überall in dieser Schlucht, von hundert Felsen wiedergegeben; aber der vielfache Knall wurde von einem tollen Lärmen, welcher sich im Augenblick des Schusses erhob, so vollständig übertäubt, daß wir ihn selbst kaum hörten und von dem Echo entschieden Nichts vernahmen. Alle Laute, welche nur aus einer Raubthier- oder Schweinekehle herauskommen können, hallten von den Felsen herunter. Dabei quiekten die jüngeren fürchterlich, und die besorgten Mütter kreischten voll Mitgefühl laut auf. Aber es blieb’ nicht beim Schreien, Grunzen, Brüllen, Brummen und Quieken allein; sondern die ganze schöne Affenguirlande, welche an dem Felsen hing, kam noch in andere Bewegung. Die Kugel mochte wohl recht nahe neben dem ausgesuchten Männchen an den Felsen geklascht sein und diesem doch eine gewisse Achtung vor den Fremdlingen da unten eingeflößt haben; kurz, die ganze Kette setzte sich in Bewegung. Sie trat eine Flucht an, welche mir zum ersten Male klar machte, was Gebirgsteigen besagen will. So klettert doch kein Wiederkäuer! Ich sah wenige Tage später den berühmten Klippspringer, hier „Sassa“ genannt, seine Gemsenkünste mir vormachen; allein das war ein Spiel gegen den ernsthaften Weg, welchen jetzt die Affen zurücklegten. Das Felsengesims war vielfach unterbrochen, und die Hamadryadenreihe mußte oft aufwärts und dann wieder abwärts klettern oder umgekehrt. Diese Schwierigkeiten des Weges überwanden die Thiere mit einer Geschicklichkeit, welche nur noch durch ihre Kühnheit übertroffen wurde. Sie sprangen ohne Besinnen 10 bis 15 Fuß von einem Absatze der senkrechten Felswand zum andern; sie ruschten an derselben hinab, indem sie sich aufstemmten und Hände und Füße gleiten ließen, bis sie wieder einen Anhaltspunkt hatten, dann griffen sie augenblicklich zu und hoben den Körper, welcher, wie ich bei mehreren sah, durch die Wucht des Sturzes förmlich herumgeschleudert wurde, ruhig und gelassen wieder empor, als ginge der Weg auf ebener, gebahnter Straße dahin. Ehe ich noch die ganze Reihe hatte übersehen können, fiel ein Schuß aus dem Rohre meines Freundes und Begleiters, des Holländers Van Arkel d’Ablang. Er brachte eine geradezu lächerliche Wirkung hervor. Jeder Affe erfaßte augenblicklich nach dem Knalle die Felsenwände, als fürchte er, durch die Erschütterung herabgeschleudert zu werden. Dann ging die Flucht mit erneuter Eile weiter, wenn auch selbstverständlich nicht mit der Schnelligkeit, mit welcher Affen sonst flüchten können. Ein so kluges Thier bedenkt sich wohl auf Wegen, wo jeder Fehltritt unvermeidlich den Tod zur Folge hat. Wir luden unsere Gewehre von Neuem und feuerten noch vier oder fünf Schüsse ab, wie es schien, sämmtlich ohne Erfolg. Die Angst der Affen steigerte sich zuletzt zu wahrem Entsetzen, und vergeblich bemühten sich die alten Stammeshäupter, Ruhe und Ordnung unter ihre Schutzbefohlenen oder besser Sklaven und Sclavinnen zu bringen. Endlich war auch der letzte Affe hinter den Bergen verschwunden, und nur noch von fern her hörten wir das Knurren und Brummen zu uns hertönen. Wir bestiegen unsere Maulthiere wieder und ritten weiter.

Zu unserer nicht geringen Ueberraschung begegneten wir der Heerde zum zweiten Male und diesmal unter ungleich günstigeren Bedingungen als früher. In Folge der allgemeinen Aufregung wegen des vielen Schießens war im hohen Rathe der Alten beschlossen worden, die linke Thalwand mit der rechten zu vertauschen, und wir fanden die ganze Bande eben beschäftigt, den Uebergang zu bewerkstelligen. Ein guter Theil war schon drüben und brummte und grunzte im Gebüsch; die Hauptmasse jedoch war noch zurück. Jetzt war der rechte Augenblick für unsere Hunde gekommen; sie konnten ihren Muth zeigen. Augenscheinlich überrascht, betrachteten sie die fremdartigen Wesen; sie glaubten offenbar, es mit Geschwisterkindern irgend einer Hyäne oder eines sonstigen nächtlichen Schleichers zu thun zu haben, welcher mit unerhörter Frechheit bei hellem lichten Tage zu zeigen sich erkühne. Nur einen Augenblick stutzten sie; dann sprangen sie mit freudigem Bellen los und mitten unter die Herde. Aber sie wären eben so schnell zurückgekehrt, als sie hineilten, wenn – dies nur gegangen wäre. Zornfunkelnden Auges und unter wüthendem Brüllen hatten die Affen sie empfangen, und augenblicklich war ein Kreis um die Angreifer geschlossen. Noch schien man auf beiden Seiten ungewiß, was zu thun. Der Muth der Hunde war sehr abgekühlt worden. Sie sahen die fürchterlichen Gebisse in nächster Nähe und mochten doch wohl bedenken, daß ihre Zähne gegen jene Hauer nichts ausrichten könnten. Die Affen waren entschieden zu ungleiche Gegner, und ich begann schon für unsere Hunde zu fürchten, als diese mit einem Paar von jenen Sätzen, wie sie nur ein Windspiel zu machen im Stande ist, über einen ihrer Angreifer wegsprangen und, ohne von der ihnen schnell nachfolgenden Hand des nunmehr übermüthigen Feindes ergriffen zu sein, glücklich aus dem Kampfgewühl entrannen. Sie kehrten ziemlich kleinlaut zurück und ernteten von uns auch noch Schelt- und Schimpfworte wegen ihrer Feigheit.

Anfänglich versuchten wir vergebens, sie wieder auf die Affen zu hetzen; allein die Umstände änderten sich, und unsere Hunde schöpften neuen Muth. Sogleich nach zurückgeschlagenem Angriff nämlich waren die Hauptführer der Heerde vollends über das Thal weggegangen und außer einigen Schwachen und den anderen Starken, welche noch auf der linken Thalwand saßen, kein Streiter zu bemerken. Da wagte sich ein wahrscheinlich erst vor Kurzem der Beaufsichtigung der Mutter entwachsener Affenjüngling in das Thal hernieder, jedenfalls in der Absicht, den Vorausgegangenen nachzufolgen. Augenblicklich stürzten sich die Hunde auf ihn, und er hatte eben nur noch Zeit, einen herabgerollten hohen Block zu erklimmen, als seine Feinde bei ihm anlangten. Sie stellten ihn so vortrefflich, daß wir uns schon der Hoffnung schmeichelten, ihn in unsere Gewalt zu bringen, und uns soviel als möglich beeilten, auf dem Kriegsschauplätze nunmehr selbsthandelnd aufzutreten. Der doppelt geängstigte junge Affe schrie Zeter, gerade als ob er schon die Zähne der Hunde in seinem Balge verspüre. Wir kamen näher und näher. Unsere Hoffnung wuchs, und – dennoch wurde sie nicht erfüllt.

Stolz und würdevoll, ohne sich im Geringsten zu beeilen oder sich um uns zu kümmern, trat aus dem gegenüberliegenden Dickicht des rechten Ufers ein gewaltiger männlicher Hamadryas hervor. Langsam ging er über das Thal hinweg, ruhig an den Hunden vorüber, mit einem Satze war er oben beim andern. Dieser sprang voll Freude auf seinen Rücken, wurde aber durch eine sofort ihm gereichte Ohrfeige bedeutet, daß der alte Herr nicht gesonnen sei, ihn auch noch zu schleppen, und schmiegte sich nun nur noch ängstlich an seinen Beschützer an. Wir hätten diesen bequem erlegen können; aber für ein so muthvolles Thier hatten wir keine Kugel in unserer Büchse. Unsere Spannung war viel zu groß, als daß Jagdgedanken hätten aufkommen können. Wir mußten sehen, was der Affe beginnen würde; denn die Hunde standen noch immer unten am Felsblock. Unser Held handelte viel einfacher und verständiger, als wir gedacht hatten. Er stieg ruhig vom Felsblock herunter und ging wutschnaubend auf einen der Hunde los. Der prallte zurück; sein Schützling benutzte diesen günstigen Augenblick, war im Nu unten bei ihm, und nunmehr zogen beide ruhig, der Alte im Bewußtsein seiner gewaltigen Stärke, der Junge im Gefühl des ihm gewordenen Schutzes, über das Thal hinweg, und die Hunde standen verblüfft und hatten das Nachsehen.

Wir drangen nun zwar in das Dickicht ein und feuerten noch einige Schüsse nach dem einen und dem anderen, welcher sich sehen ließ; aber die Heerde war mittlerweile schon so weit an dem Berge hinaufgegangen, daß wir sehr bald von der Jagd abstanden.

Am zweitnächsten Tage kamen wir mit einer anderen Heerde [640] von Silberpavianen zusammen. Sie saßen hoch oben aus einer Felsenwand, bis zu deren Fuße wir, wenn auch nicht gerade mit Bequemlichkeit, emporsteigen konnten. Wir nahmen jetzt unsere Doppelbüchsen und kletterten bis zu geeigneter Schußhöhe an der Bergwand in die Höhe, suchten uns hinter einem Felsen einen ordentlichen Stand aus und begannen von hier aus zu feuern. Der Erfolg war, wenn man sonst will, ein glänzender; fast jede unserer Kugeln traf, aber leider stürzten die tödtlich getroffenen Affen oben auf der Felswand nieder, und die nicht tödtlich Getroffenen gingen noch so munter davon, als hätten sie gar keine Kugel erhalten. Wir gedachten, unsere getödteten Feinde nach beendigter Jagd abzuholen; aber dazu kam es auch diesmal nicht. Ein sehr starkes Männchen war entrüstet über unser Schießen auf den Rand der Felsplatte vorgekommen und hatte von dort ans neugierig und ergrimmt zugleich in die Tiefe hinabgesehen. Wir feuerten beide gleichzeitig, und einer von uns hatte getroffen; denn sofort nach dem Schusse ergriff der Affe krampfhaft mit beiden Händen Grasbüschel und versuchte sich an diesen emporzuziehen. Der Schmerz aber siegte, er glitt langsam nach der Tiefe hinunter. Ohne eigentlich zu fallen, behielt er die Richtung seines ersten Abwärtssteigens bei und kam so nach und nach an dem Felsen herunter, ging an uns vorbei und wandte sich dem Thale zu. In diesem Augenblicke brach oben auf der Höhe ein fürchterlicher Aufruhr los. Wenigstens zwanzig Affen rückten an den Rand vor, und jeder einzelne schlug wüthend mit der Hand auf den Felsen auf. Zugleich vernahmen wir unten von unseren zurückgelassenen Dienern ein lautes Geschrei, Hülferufen und bald darauf zwei Schüsse. Der verwundete Affe war bei hellem lichten Tage von einem Leoparden besprungen worden und hatte, unzurechnungsfähig und ziemlich wehrlos in Folge der erlittenen Verwundung, das Raubthier mit sich zur Tiefe hinabgeschleppt. Dort hatte der ägyptische Koch meines Freundes in augenscheinlicher Todesangst, „um sein Leben zu fristen,“ wie er sagte, die zweite Doppelbüchse seines Herrn ergriffen, nach beiden Bestien hingezielt, die Verzweiflung hatte seine Kugeln gelenkt, und Leopard und Affe lagen, als wir zur Tiefe kamen, getödtet unten im Thale. Dies Ereigniß freute uns so, daß wir die Leichen aus dem oberen Schlachtfelde gern liegen ließen und uns mit dem doppelt und dreifach angegriffenen und unserm Jagdgehülfen gegen unseren Willen begnügten. Beide wurden auf die darob im höchsten Grabe entrüsteten Kameele geladen und bis zu dem für den Mittag erkornen Ruheplatz gebracht, woselbst wir sie abhäuteten. –