Pomologische Monatshefte:1. Band:3. Heft:Die Probe- oder Sortenbäume

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Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 3, Seite 101–102
Eduard Lange
fertig
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Ueber die Bepflanzung der Wege mit Obstbäumen
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Erfahrungen über das Ringeln
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Die Probe- oder Sortenbäume

sind jetzt für strebsame Pomologen kaum noch zu entbehren. Bald entdecken letztere in ihren Baumschulen junge Bäume, deren ganzer Wuchs ihnen vielversprechend erscheint. Bald erhalten sie aus der Ferne eine Menge Pfropfreiser gerühmter neuer Obstsorten. Bald haben sie Ursache, an der Aechtheit bereits erhaltener Obstsorten zu zweifeln oder die Identität zweier oder mehrerer verschiedennamiger Obstsorten zu vermuthen. In allen diesen Fällen kann die Anlegung von Sortenbäumen recht ersprießliche Dienste [102] thun, indem diese, wenn sie bereits gehörig groß und stark sind, schon in wenigen Jahren zu Entscheidungen führen, die ohne sie fast nie mit derselben Sicherheit gewonnen werden können. Hier können die gleichnamigen Sorten, wenn sie wirklich gleich sind, nicht mehr in Folge verschiedenen Standorts oder verschiedenen Grundstammes von einander abweichen. Hier kann man die Zweige der verschiedennamigen Obstsorten, deren Identität man vermuthet, unter ganz gleichen Bedingungen unmittelbar neben einander haben und ihr Wachsthum vom ersten Erscheinen ihrer Blätter bis zum Gelbwerden und Abfallen derselben fortwährend vergleichen, und zuletzt noch durch die ganze Entwicklung der unter denselben Bedingungen heranwachsenden Früchte die definitive Entscheidung gewinnen. Auch läßt sich kein besserer Anhalt für die verhältnißmäßige Vegetationskraft, Tragbarkeit und Reifzeit verschiedener Obstsorten gewinnen, wenn gleich über diese Fragen die von einem einzigen Sortenbaume entlehnten Erfahrungen auf allgemeine Gültigkeit noch keinen Anspruch haben dürften. Wir können daher jedem Freunde des Obstbaues die Anlegung solcher Sortenbäume nicht genug empfehlen, besonders da Jeder in seinen Pflanzungen Bäume haben wird, die er aus irgend einem Grunde mit einer neuen Sorte gern veredelt sehen möchte. Warum sollte er nun nicht statt einer einzigen lieber gleich eine Anzahl näher zu prüfender Sorten darauf bringen, um mit seiner Hülfe gleich über mehrere Fragen und Zweifel in’s Reine zu kommen?[1]


  1. Die genügendste Belehrung über Sortenbäume nebst anderen wichtigen pomologischen Erfahrungen findet der Obstzüchter in Oberdieck’s kleiner Schrift „die Probe- oder Sortenbäume,“ Hannover 1844. (8 Ngr.) ein Büchlein, welches gar nicht oft genug empfohlen werden kann.