Pomologische Monatshefte:1. Band:9. Heft:Notizen über die Dauerhaftigkeit mehrerer Kernobstsorten

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Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 9, Seite 413–419
Leopold von Hoverbeck
fortgesetzt als:
Fortsetzung der Notizen über die Dauerhaftigkeit mehrerer Kernobstsorten. (Bd. 3, S. 170–173)
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Ueber die Gewinnung edler Birnsorten aus Samen
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Weitere Nachricht von den Erfolgen des neuen Umpflanzens meiner jungen Obstbäume
[413]
Notizen über die Dauerhaftigkeit mehrerer Kernobstsorten.
Vom Herrn Gutsbesitzer Hoverbeck zu Queetz bei Gutstadt in Ostpreußen.

Durch meinen verehrten Freund, Herrn Garten-Inspektor Lucas, bin ich aufgefordert worden, meine in diesem Jahre gemachten Erfahrungen in Bezug auf die Dauerhaftigkeit verschiedener Kernobstsorten hier mitzutheilen. Alle diese Sorten habe ich durch denselben aus der Hohenheimer Baumschule bezogen, und durch seine Güte habe ich auch noch in diesem Jahre alle neueren Notizen in Bezug auf diese Sorten, Synonyme etc. erhalten, so daß ich hoffen kann, nur richtig benannte Sorten aufzuführen, denen ich jedesmal die Nummer der Hohenheimer Baumschule beigefügt habe. Die meisten dieser Sorten erhielt ich in den Jahren 1849–51; glücklicherweise konnte ich aber erst in diesem Winter umfassende Beobachtungen über ihre verschiedene Dauerhaftigkeit machen, da in den vorhergehenden Wintern nur verhältnißmäßig wenige Sorten gelitten hatten, welche in den Anmerkungen erwähnt werden sollen. Fast alle Sorten sind an drei verschiedenen Orten beobachtet, nämlich

1) in meiner älteren Baumschule, mit dunkelbraunem, reichem Lehmboden, übrigens ohne Dünger. Hier haben sich alle Sorten am schlechtesten gehalten.
2) in meiner neuen, auf freiem Felde angelegten Baumschule. Der Boden ist ein gesunder Lehm, für Weizen und Klee geeignet, im mittleren Kulturzustande, aber ebenfalls ungedüngt;
3) in einem nur für Zwergbäume bestimmten Sortengarten, in freier Lage, nur mit etwas Schutz von Norden. Ein Theil des geringeren Wirthschaftsobstes fehlt jedoch darin. Der Boden ist milder Lehm, und die Bäume waren im vorigen August mit Jauche gedüngt.

Das Verhalten der Sorten an jedem von diesen drei Orten (von manchen noch an einer vierten und fünften Stelle) ist besonders notirt, und nachdem jetzt im Juli noch eine Nachrevision stattgefunden, die sich übrigens als sehr nöthig zeigte, hieraus der Durchschnitt gezogen. Ueber die Witterung dieses wahrhaften Prüfungswinters ist noch zu bemerken, daß derselbe ungewöhnlich früh, etwa am 10. November, mit Frost und starkem Schnee eintrat. Das Jahr 1854 war hier ein sehr nasses, die Bäume daher noch in vollem Saft und mit allen Blättern versehen, die sie nur nach und nach verloren. Der Winter blieb ziemlich gleichmäßig und wurde im Januar und Februar sehr kalt, bis 22, ja 26° R.[WS 1] Es ist somit dieser Winter als einer der härtesten zu betrachten, die selbst in unserer nördlichen Provinz vorgekommen sind, und besonders gefährlich durch das plötzliche Eintreten. Obstsorten, die denselben gut überstanden, haben hoffentlich vom hiesigen Klima nichts zu fürchten, so wie auch manche Sorten, die gelitten haben, für uns doch noch anbauwürdig sein mögen, da z. B. die hier seit vielen Jahren eingebürgerte Beurré blanc (Weiße Herbst-Butterbirn) ebenfalls sehr gelitten hat, obwohl sie sonst hier recht gut gedeiht. – Die genannten Sorten sind in acht Abtheilungen gebracht, je nach dem Grade ihre Dauerhaftigkeit. Für unser Klima dürften die drei ersten Abtheilungen zu Hochstamm, die drei folgenden nur als Zwergbaum, die beiden letzten wohl gar nicht geeignet sein.

[414]
I. Ganz gesund blieben
14 Aepfel und 1 Birne.
351. Jagdapfel aus Dessau.
177. Wachsapfel.
195. Edler Rosenstreifling.[1]
060. Calvillartiger Winter-Rosenapfel = Danziger Kantapfel = Bentleber Rosenapfel.[2]
171. Großer Rheinischer Bohnapfel.
019. Rother Backapfel.
185. Bedufteter Langstiel. (Blauschwanz.)[3]
062. Rother Kardinal.
112. Safranreinette.[4]
110. Zwiebel-Borsdorfer.
031. Türkencalvill; siehe jedoch Anm.[5]
491. Mühlhäuser Christapfel.
349. Goldhämmerling.[6]
580. Fraas weißer Sommer-Calvill.
032. Wildling von Motte.[7]
II. Beinahe gesund blieben
12 Aepfel und 8 Birnen.
120. Englische Königs-Parmäne.
021. Alantapfel = 38. Großer edler Prinzessinapfel.[8]
343. Echter Grauchenapfel aus der Schweiz.
157. Englische Granatreinette.[9]
362. Rother Zollker.
208. Kaiser Alexander von Rußland.
232. Schöner Marienapfel.
086. Glanzreinette.
015. Gestreifter rother Herbstcalvill.
299. Ananasapfel, Rothgestreifter Schlotterapfel.
165. Echter Winterstreifling.
160. Luikenapfel.
251. Kirchberger frühe Winter-Butterbirn.[10]
050. Gelbe Sommer-Herrnbirn.

[415]

276. Pfaffenbirn aus Baden.
268. Rothe Rettigbirn.
261. Colomas Carmeliterbirn.
181. Eisgruben Mostbirn.
326. Karchenbirn (von Gaildorf).
111. Römische Schmalzbirn.
III. Ziemlich gesund blieben
20 Aepfel, 9 Birnen.
482. Hedelfinger Spitzcalvill.
149. Große Casseler Reinette.[11]
191. Marmorirter Sommer-Pepping.
142. Parkers grauer Pepping.[12]
209. Charakterreinette.
034. Goldgulderling.
059. Kleiner Favoritapfel.
362. Rothe Lederreinette (aus Bodmann am Bodensee).
384. Rother Margarethenapfel.
290. Schwarzschillernder Kohlapfel.
065. Weiße Wachsreinette.
227. Ludwigsburger Reinette = 121. Carmeliter-Reinette.
148. Königlicher rother Kurzstiel.
099. Reinette von Breda.
134. Carpentin.
008. Rother Herbstcalvill.
173. Konigin Louisens-Apfel.
150. Reinette von Orleans (Triumphreinette).
253. Nägelesbirn.
254. Reichenäckerin.
199. Fischäckerin, Wilde Eierbirn.
026. Wildling von Montigny.
066. Lange weiße Dechantsbirn.
290. Doppelte Heubirn.
141. Wolfsbirn.
201. Große Rommelterbirn.
179. Grunbirn. Feigenbirn.[13]
IV. Etwas gelitten haben
15 Aepfel, 15 Birnen.
148. Van Mons Reinette.
204. Braunschweiger Milchapfel.
141. Englische Spitalreinette.[14]
001. Englischer Kantapfel, Weißer Sommergewürzapfel.
066. Goldgelbe Sommerreinette.
016. Echter rother Wintercalvill.[15]
014. Gravensteiner.
495. Metzgerapfel.
113. Muscatreinette.
201. Rother Winter-Taubenapfel.
297. Rheinischer Borsdorfer.
005. Rother Herbst-Aniscalvill.
078. Champagner-Reinette.
139. Grauer Kurzstiel.
275. Bedufteter Morgen-Apfel (Hoary morning).
162. Hardenponts späte Winter-Butterbirn (Beurré Rance).
414. Kleine graue Butterbirn.
312. Glücksbirne (Fortunée).
115. Frühe Herrmannsbirn.

[416]

109. Sommer-Eierbirn, Beste Birn.
260. Frühe Gaishirtle.
073. Grumkower Winterbirn.
100. Rothpunktirte Liebesbirn.
119. Kaiserbirn mit dem Eichenblatt.
009. Wahre Leipziger Rettigbirn.
133. Gelbe Wadelbirn, Langbirn.
131. Knausbirn.
322. Fellenzerbirn, Veldenzerbirn.
057. Punktirter Sommerdorn.
145. Palmischbirn.[16]
V. Gelitten haben
10 Aepfel, 21 Birnen.
124. Röthliche Reinette (Kronenreinette)[17]
128. Dietzer rothe Mandelreinette.[18]
098. Königliche Reinette.
006. Gestreifter gelber Herbstcalvill.
090. Französische Quittenreinette.
053. Mayers weißer Winter-Taubenapfel.
004. Gestreifter Muscatcalvill.
183. Wahrer gelber Winterstettiner.
154. Englische Winter-Goldparmäne.[19]
632. Königssteiner.
139. Petersbirn.
165. Großer Roland.
061. Graue Herbst-Butterbirn (Beurré gris).[20]

[417]

050. Gelbe Sommer-Herrenbirn, Dürkheimer[WS 2] Tafelbirn.
081. Hermannsbirn (St. Germain).
054. Rother Sommerdorn.
029. (Rothe Herbst-Butterbirn.) Rothe Dechantsbirn.
270. Grüne Schweizerbergamotte.
128. Perlförmige kleine Blanquette.
006. Grüne Sommermagdalene.
037. Grüne Herbst-Zuckerbirn.
157. Duquesne’s Sommer-Mundnetzbirn = 272. Enghiens Butterbirn.
283. Arembergs Butterbirn.
126. Schneiderbirn.
170. Frankenbirn.
143. Wildling von Einsiedel.
140. Echte Bratbirn (Champagner Bratbirn).
028. Graue Dechantsbirn.
034. Tertolens Herbst-Zuckerbirn.
VI. Stark gelitten haben
9 Aepfel, 18 Birnen.
352. Richters große grüne Reinette.
303. Ananasreinette.
058. Großer böhmischer Sommer-Rosenapfel.
050. Rother Wiener Sommerapfel.
130. Rother Tiefbutzer.
091. Gäsdonker Reinette.
082. Pariser Rambourreinette.
135. Graue portugiesische Reinette.
127. Barceloner Parmäne.
411. Flemish beauty = 392. Holzfarbige Butterbirn.
074. Diels Butterbirn.
410. Grüne Sommer-Butterbirn.
069. Napoleons Butterbirn.
027. Crasanne.[21]
084. Schönlins Stuttgarter späte Winter-Butterbirn.
002. Rothe Bergamotte.
045. Sparbirn.
056. Sommerkönigin.
096. Knoops Ananasbirn.
284. Bollweiler Butterbirn.
285. Van Marums Schmalzbirn.
121. Kleinste Muscatellerbirn.
071. Winterdorn.
082. Mannabirn, Colmar.
072. Forellenbirn.
551. Haffners Butterbirn.
561. Poire noble d’été. (Edle Sommerbirn.)
VII. Sehr stark gelitten haben
1 Aepfel, 15 Birnen.
017. Weißer Wintercalvill.
005. Wahre Winterambrette.
172. Schöne und gute (Belle et bonne).
169. Weidenblättrige Herbstbirn.
163. Kronprinz Ferdinand von Oesterreich = 43. Hardenponts Winter-Butterbirn.[22]
288. Dornige Colmar = 153. Argensons Butterbirn.[23]
010. Sommer-Dechantsbirn = 271. Runde Sommer-Mundnetzbirn.
369. Argusbirn.
294. Nippsbirn.
070. Markgräfin.
114. Rousselets von Rheims.
154. Precels Colmar (wohl = 153. Argensons Butterbirn).
065. Lange grüne Herbstbirn.
265. Große Sommer-Zapfenbirn.

[418]

362. Josephine von Frankreich.
566. Späte Mouille-bouche.
VIII. Erfroren sind
1 Aepfel, 9 Birnen.
092. Französische Edelreinette.
400. Citron des Sirenes, Sirenen-Zitronenbirn.
385. Hardenponts Leckerbissen (Délices d’Hardenpont).
339. König von Württemberg = 273. Wintersylvester.[24]
086. Sarazin.
041. Jaminette.
563. Erzengel Michael.
541. Blumenbach’s Butterbirn.
405. Clara van Mons.
525. Oberdiecks Butterbirn.[25]

Zum Schlusse habe ich noch anzuführen, daß ein mir benachbarter Baumzüchter, Herr Lehrer Brentsch in Diwitten, ebenfalls seine Bemerkungen über die Dauer seiner Obstsorten notirt und mir gütigst mitgetheilt hat. Auch er hat die Erfahrung gemacht, daß sich von den Aepfeln eine Anzahl findet, die den Winter ganz unversehrt überstanden haben, während von den Birnen keine ganz gesund geblieben ist. Derselbe wird jetzt die Bäumchen noch einer Nachrevision unterworfen, und mir dann das Endresultat mittheilen; für jetzt will ich nur auszugsweise einiger Aepfelsorten erwähnen, die Herr Brentsch als „Ganz ausdauernd“ bezeichnet (und die hoffentlich dieß Prädikat auch in der Nachrevision behalten werden):

1) aus der Landes-Baumschule bei Potsdam erhaltene Sorten:

Weißer Sommer-Taubenapfel.
Enkhuyser Agatapfel.
Astrachaner Sommerapfel.
Weißer Herbst-Strichapfel.
(Spenzers Pepping.)
Dietzer Mandelreinette (hat bei mir gelitten).
Große Casseler Reinette (auch bei mir gut).
Königin Louisens-Apfel.
Rother Stettiner.
Polnischer süßer Papierapfel.
Großer rother Winter-Paradiesapfel.
Rothe Bastardreinette.
Bentleber Rosenapfel (auch bei mir ganz gesund).
Weiße Wachsreinette (auch bei mir gut).
Englische Spitalreinette (hat bei mir etwas gelitten).
Rother Cardinal (auch bei mir ganz gesund).
Großer Wintersteiner.
Echte weiße französische Reinette.

2) Von Oberdieck erhaltene Sorten:

Gelber Herbststettiner.

Von Birnensorten waren „fast ausdauernd“ (leider ohne Angabe der Bezugsquelle):

Wildling von Montigny (auch bei mir gut).
Lange gelbe Winterbirn.
Rainbirn.
Grumkower Winterbirn (hat bei mir etwas gelitten).
Forellenbirn (hat bei mir sehr gelitten).
Herrmannsbirn. (Virgouleuse.)

Es bedarf wohl nicht der Erwähnung, daß derartige Notizen sowohl von mir, als, wie ich hoffe, von Herrn Brentsch fortgesetzt, und etwaige von den jetzigen Bemerkungen abweichende oder neue Resultate auf den Wunsch der Redaktion gern mitgetheilt werden sollen.


[419]
Anmerkung. Wir sind in der That dem Herrn Verfasser dieser sehr schätzbaren Mittheilungen zu großem Dank verpflichtet. Daß gar manche Obstsorten eine Kälte von 26–27° nicht ohne Schaden aushalten, besonders nicht, wenn wie hier dieselbe so plötzlich, ohne vorherigen langsamen Uebergang auftritt, darf wohl als mit vielen frühern Beobachtungen übereinstimmend betrachtet werden. Immer bleibt es aber eine der wichtigsten Fragen des Obstbaus: welche Sorten sind unter gleichen Verhältnissen gegen climatische Verhältnisse die dauerhaftesten? welche können daher mit sicherer Hoffnung auf guten Erfolg auch in jenen Gegenden noch angepflanzt werden, die wir zu den rauhern und minder günstigen Obstlagen rechnen? Daß mehrere der hier als am Frost getroffenen Sorten bezeichneten, bei weniger kräftigem Wuchs und als erwachsene Bäume nicht würden gelitten haben, läßt sich mit Sicherheit erwarten und bei einer spätern gefälligen Mittheilung möchten wir Herrn Hoverbeck freundlich bitten, auch zu bemerken, ob und welche von den in erwachsenen ältern Exemplaren vorhandenen Obstsorten gelitten haben und welche nicht.
Die Redaktion.

  1. Dieser Apfel vereinigt außerordentliche Dauerhaftigkeit, vortrefflichen Wuchs und Güte der Frucht. Ich will ihn daher besonders stark vermehren, sowohl zur Anzucht von Hochstämmen dieser Sorte, als auch, um später schlechtwachsende Sorten darauf in die Krone zu veredeln.
  2. Die Identität dieser Frucht hat sich auch in diesem Jahre durch ihre gleiche Dauerhaftigkeit erwiesen. Mitten unter kranken oder ganz erfrorenen Stämmchen standen sie ganz gesund und kräftig.
  3. Bei dem schönen Wuchse des Baumes ebenfalls sehr brauchbar zum Erziehen eines kräftigen Stammes für schwachtreibende Sorten.
  4. Desgleichen.
  5. Nach einer Benachrichtigung des Herrn G. J. Lucas ist das Reis irrthümlich Türkencalvill genannt, und eine ganz andere schön aussehende Sorte, die noch nicht fest bestimmt werden konnte.[a 1]
  6. Ebenfalls schön wachsend und zum Umpfropfen brauchbar.
  7. So sehr es mich überraschte, diese feine Birnsorte an Dauerhaftigkeit sämmtliche übrige Birnen, ja auch die bei Weitem meisten Aepfel übertreffen zu sehen, so kann ich doch nicht umhin, ihr die Stellung anzuweisen, die sie hier erhalten hat. Von allen Stämmchen dieser Sorte, deren Zahl nicht unbedeutend ist, hat auch nicht eines gelitten. Ueberhaupt bemerke ich bei dieser Gelegenheit, daß ich bei der Aufzeichnung dieser Notizen möglichst gewissenhaft und unparteiisch verfahren bin. Ich theile Fakta, nicht Ansichten mit. In wie weit aber die hier gemachten Erfahrungen für oder gegen eine Sorte sprechen, das überlasse ich Anderen zu beurtheilen. Für mich persönlich werden sie allerdings in Zukunft maßgebend sein.
  8. Die Identität dieser beiden Sorten, die ich unter beiden Namen besitze, hat sich durch gleichen Wuchs und gleiche Dauerhaftigkeit ebenfalls klar gezeigt.
  9. Obwohl frühtreibend, hat sich diese Sorte doch als ausdauernd gezeigt. Dennoch dürfte sie vielleicht um der Güte der Frucht willen besser als Zwergstamm anzupflanzen sein, wenigstens in unserem Klima.
  10. Auch diese Birn hat sich sehr gut gehalten, und dürfte außer der Pfaffenbirn die übrigen Birnen dieser Abtheilung beinahe übertreffen.
  11. Diese Sorte zeigte sich im Frühjahr fast ganz gesund, und erst nach dem Austreiben war es zu sehen, daß auch sie gelitten hatte, jedoch nur in der älteren Baumschule auf dem reicheren Boden.
  12. Da derselbe zu den wenigen Sorten gehört, die schon in früheren Wintern gelitten hatten, so erwartete ich eigentlich ihn viel schwächer zu finden, als es der Fall war.
  13. Bei dem vortrefflichen Wuchse wäre diese Sorte sehr geeignet zum Erziehen von Hochstämmen behufs der Kronenveredlung. Für sehr nördliche Gegenden würde ich aber nach den jetzigen Erfahrungen die Pfaffenbirn aus Baden und den Wildling von Motte vorziehen, wiewohl letzterer mehr Mühe bei der Erziehung macht, da er einem Wildling ähnlich wächst.
  14. Treibt sehr früh, scheint aber sonst für eine so feine Sorte nicht gerade empfindlich. Für uns würde er sehr gut zu Zwergbaum passen.
  15. Scheint in Beziehung auf Dauerhaftigkeit besser, als sein Ruf zu sein. In früheren Wintern hatte er fast gar nicht gelitten.
  16. Bei dieser, wie bei einigen vorhergehenden Wirthschaftssorten hat sich zu meinem Bedauern die große Unempfindlichkeit gegen die Kälte, die man ihnen öfter nachrühmt, nicht ganz bestätigt. Der Wuchs ist freilich sehr kräftig; aber wenn Metzger sie noch (in seiner dritten Region) für das rauheste Klima zur Anpflanzung empfiehlt, wo nach ihm nur noch drei Apfelsorten (Luiken, Kleine graue Reinette und Weißer Stettiner) gedeihen, so scheint dieß für unser Klima nicht zu passen. Hier behaupten in der Dauerhaftigkeit die Aepfel entschieden den Vorrang. Ich besitze noch eine Anzahl einheimischer Aepfelsorten, die ganz gesund geblieben sind. Von diesen habe ich theils bereits Reiser nach Hohenheim mitgetheilt, theils will ich dieß noch thun. Dort werden sie sich entweder als schon bekannte Sorten herausstellen, was bei der hier herrschenden Namenverwirrung sehr möglich ist, oder unter ihrem hiesigen Namen die Verbreitung erlangen, die sie wohl verdienen. Hieher gehört auch das in einer frühern Nummer der Monatsschrift von mir beschriebene Jungfernschönchen, welches auch dieses Jahr ganz gesund überstanden hat. Der Edle Winterborsborfer, der hier einfach Borsborfer heißt, ist auch „beinahe gesund“ geblieben. – Uebrigens haben die oben erwähnten Wirtschaftssorten die gewöhnlichen Winter vollkommen gut überstanden, und werden sich also wohl noch immer zur Anpflanzung auch als Hochstamm eignen, wobei man jedoch auf einigen Verlust in ungewöhnlich strengen Wintern gefaßt bleiben muß. Die hier einheimische Honigbirn, die sonst eine der dauerhaftesten Sorten ist, hat dieß Jahr ebenfalls gelitten, wird aber dennoch nach wie vor unbedenklich als Hochstamm gepflanzt werden.
  17. Nach den Erfahrungen früherer Jahre schien diese Sorte eine der allerempfindlichsten zu sein. Ich erhielt sie einmal als Kronenreinette. Die Stämmchen erfroren aber nach zwei Jahren ganz und gar. Nun bekam ich sie unter dem Namen Röthliche Reinette, und auch diese zeigte sich bald als empfindlich. Wider Erwarten hat sie aber diesen Winter besser überstanden, als manche viel dauerhaftere Sorten. Für uns dürfte sie doch höchstens als Zwergstamm Anpflanzung verdienen.
  18. Aehnliches gilt von dieser Sorte, obwohl die Kronenreinette noch die empfindlichere von Beiden sein möchte.
  19. Leider hat diese schöne, werthvolle und schönwachsende Sorte in diesem Jahre so gelitten, daß ihr nur diese Stelle konnte angewiesen werden. In allen früheren Jahren war sie ganz gesund geblieben. Sie wird daher doch für unser Klima besser als Zwergbaum anzupflanzen sein, wo dann auch die erforderliche Verjüngung bequemer zu bewirken ist.
  20. Ein alter Hochstamm dieser Sorte in meinem Garten hat dies Jahr zum erstenmal vom Frost gelitten, trug aber selten, wiewohl dann edle Früchte. Die hier viel gebaute Beurré blanc (Weiße Herbstbutterbirn) gehört gleichfalls ihrer Dauerhaftigkeit nach in diese Abtheilung. Diese trägt aber hier sehr reich, und die Früchte sind in trockenen Jahren vortrefflich, in nassen dagegen etwas steinig und weniger gewürzreich.
  21. In frühern Jahren war die Crasanne immer ganz gesund geblieben; dieß Jahr hat sie aber überall, und zwar stark gelitten; darum werde ich sie doch nur als Niederstamm pflanzen.
  22. Litt schon in früheren Wintern.
  23. Gleichfalls.
  24. Gleichfalls.
  25. Die letztgenannten vier Sorten waren nur als Zwergbäume in je einem Exemplar angepflanzt. Ich wollte sie indeß neben den übrigen Sorten anführen, da sich sonst die danebenstehenden Zwergbaume meistens sehr gut hielten. Ueber diese Sorten ist für mich noch Nichts entschieden, jedenfalls aber wird man in ihrer Anpflanzung hier sehr vorsichtig sein müssen.

  1. Diese Sorte kam mit dem Türkencalvill von Lämmerhirt hierher, und befindet sich auf demselben Standbaum; Wuchs, späte Blüthe und Schönheit der Frucht zeichnen die fälschlich mit erhaltene Sorte rühmlich aus; ist wahrscheinlich Schöner Marien-Apfel.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. = −27,5 und −32,5 °C
  2. Vorlage: Dürkhei-|heimer