Pottichimanie

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Titel: Pottichimanie
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 152
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[152] Pottichimanie. Diese seltsame Manie oder Leidenschaft, welche jetzt unter dem schönen Geschlechte aller Nationen wüthet, ist französischen Ursprungs und besteht darin, wie Viele bereits theoretisch oder gar praktisch wissen werden, daß man Bilder ausschneidet und – doch, wir müssen diese neue schöne Leidenschaft und Kunst gründlicher vornehmen. Um ein guter Pottichimaneur oder vielmehr eine perfecte Pottichimanice zu werden, braucht man Vasen von Glas, Bilderbogen, womöglich colorirte, Ausschneide-Talent, aufgelöstes Gummi arabicum, präparirte Oelfarbe, Terpentingeist und Pinsel. Hat man Alles beisammen, schneidet man sorgfältig die Bilder aus, die etwa geeignet erscheinen, als Ornamente an einer Vase ein gutes oder witziges Ensemble zu bilden, bestreicht dann die rechte, colorirte Seite genau mit Gummi arabicum und drückt sie fest und sorgfältig an die innere Wand der sorgfältig gereinigten Vase, bis man glaubt, eine gute, runde Ausschmückung erzielt zu haben. Auf das genaue Bestreichen der Bilder mit Gummi und sorgfältiges Andrücken, so daß keine Luftblasen oder Falten dazwischen bleiben, kommt Vieles an. Die Art der Zusammenstellung und Wahl der Bilder je nach den Formen der Vasen bleibt Geschmacks- und ästhetische Schönheitssache, wozu im höhern Sinne natürlich auch Kenntniß der verschiedenen Vasenformen und ihrer Ornamentirung gehört, so daß man chinesische, japanesische, etruskische, assyrische, griechische, römische u. s. w. Vasen nachbilden kann. Sind die angeklebten Figuren inwendig trocken, bestreicht man deren Rückseiten sorgfältig mit Gummi arabicum, ohne das Glas zu berühren, und dann mit Firniß oder Lack. Ist diese Arbeit trocken, reinigt man die Vase wieder genau, gießt die Oelfarbe hinein, welche als Farbe der Vase am Besten paßt, und schwenkt sie so lange um, bis jeder Theil gedeckt ist, läßt das Uebrige ausfließen und deckt das Ganze, wenn es getrocknet ist, mit einem Firniß. Das ist im Allgemeinen die Technik der Pottichimanie, der neuesten nobeln Passion unter den Schönheiten civilisirter Völker. Zwar läßt sich damit viel Zeit verbringen, auch etwas Kunstgeschmack entwickeln, im Ganzen aber ist’s ein Dilettantismus, der den Sinn für schöne Ornamente im Hause eher zu verflachen und zu verderben, als zu bilden im Stande sein mag.

Wir haben pottichimanisirte Gläser gesehen, wobei wir unwillkürlich an die Ausdehnung des Sprüchworts dachten: Narrenhände beschmieren Tisch und Bänke!