Prolog (Lyrisches Intermezzo 1827)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Salomon Heine Buch der Lieder (1827) Im wunderschönen Monat Mai »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern) am linken Seitenrand.
Textdaten
Autor: Heinrich Heine
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Prolog
Untertitel:
aus: Buch der Lieder, Lyrisches Intermezzo, S. 109–111
Herausgeber:
Auflage: 1
Entstehungsdatum: 1822–1823
Erscheinungsdatum: 1827
Verlag: Hoffmann und Campe
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Hamburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans der Ausgabe 1827 auf den Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Buch der Lieder 109.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]

[109]

Prolog.

Es war mal ein Ritter, trübselig und stumm,
Mit hohlen, schneeweißen Wangen;
Er schwankte und schlenderte schlotternd herum,
In dumpfen Träumen befangen.

5
Er war so hölzern, so täppisch, so links,

Die Blümlein und Mägdlein, die kicherten rings,
Wenn er stolpernd vorbeigegangen.

     Oft saß er im finstersten Winkel zu Haus;
Er hatt’ sich vor Menschen verkrochen.

10
Da streckte er sehnend die Arme aus,

Doch hat er kein Wörtlein gesprochen.
Kam aber die Mitternachtstunde heran,
Ein seltsames Singen und Klingen begann.
An die Thüre da hört er es pochen.

15
     [110] Da kommt seine Liebste geschlichen herein,

Im rauschenden Wellenschaumkleide.
Sie blüht und glüht, wie ein Röselein,
Ihr Schleier ist eitel Geschmeide.
Goldlocken umspielen die schlanke Gestalt,

20
Die Aeugelein grüßen mit süßer Gewalt –

In die Arme sinken sich beide.

     Der Ritter umschlingt sie mit Liebesmacht,
Der Hölzerne steht jetzt in Feuer,
Der Blasse erröthet, der Träumer erwacht,

25
Der Blöde wird freier und freier.

Sie aber, sie hat ihn gar schalkhaft geneckt,
Sie hat ihm ganz leise den Kopf bedeckt
Mit dem weißen, demantenen Schleier.

     In einen kristallenen Wasserpalast

30
Ist plötzlich gezaubert der Ritter.

Er staunt, und die Augen erblinden ihm fast,
Vor alle dem Glanz und Geflitter.
Doch hält ihn die Nixe umarmet gar traut,
Der Ritter ist Bräut’gam, die Nixe ist Braut,

35
Ihre Jungfraun spielen die Zither.


     [111] Sie spielen und singen; es tanzen herein
Viel winzige Mädchen und Bübchen.
Der Ritter, der will sich zu Tode freu’n,
Und fester umschlingt er sein Liebchen –

40
Da löschen auf einmal die Lichter aus,

Der Ritter sitzt wieder ganz einsam zu Haus,
In dem dustern Poetenstübchen.