Rückkehr in die Zeit (Kraus)

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Textdaten
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Autor: Karl Kraus
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Titel: Rückkehr in die Zeit
Untertitel:
aus: Ausgewählte Gedichte, S. 73–74
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1920
Verlag: Verlag der Schriften von Karl Kraus (Kurt Wolff)
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Erscheinungsort: München
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Quelle: Scan auf Commons
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[73]

Rückkehr in die Zeit


Mein Zeiger ist zurückgewendet,
nie ist Gewesnes mir vollendet
und anders steh’ ich in der Zeit.
[74] In welche Zukunft ich auch schweife

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und was ich immer erst ergreife,

es wird mir zur Vergangenheit.

Und allem, was an Schmach und Schöne
als Bilder ich bewahr’ und Töne,
dem bin ich ewig untertan.

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Ich sitze bei der Schicksalsspinne

und was sie immer mir beginne,
ich seh’ es mir von außen an.

Bin meines Werdegangs Behälter
und schaue alle Jüngern älter

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und fühle in den Tod mich jung.

Und ich entwirre das Gewebe
und was ich immer noch erlebe,
erleb’ ich als Erinnerung.

Ich bin mein treuester Begleiter

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und lebe das Gelebte weiter,

und Neues kann mir nicht geschehn.
Von einem Urbild war gesegnet,
was mir zum erstenmal begegnet,
und ist mir wie ein Wiedersehn.

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Bei einem nie gehörten Klange

wird mir nach meiner Vorzeit bange,
wird Niegesehnes nahe sein.
Und wenn ich einmal auf der Bahre
in unbekannte Länder fahre,

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dann tret’ ich in das Leben ein.