RE:Adsertor

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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juristisch im Eigentumsstreit der Vorkämpfer für die Freiheit
Band I,1 (1893) Sp. 422 (IA)–423 (IA)
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Adsertor. Über die Freiheit eines Menschen durfte dieser nicht selbst vor Gericht streiten, weil seine Rechts- und Processfähigkeit vor Entscheidung des Rechtsstreites nicht feststand. Da nunmehr ein solcher Process (vgl. Dig. XL 12 de liberali causa) auch das Eigentum dessen betraf, der ihn als seinen Sklaven beanspruchte und ihm somit die Rolle des Streitgegenstandes zufiel, so bedurfte es, um den Förmlichkeiten des Eigentumsstreites [423] zu genügen, eines Vorkämpfers seiner Freiheit (vindex libertatis, Donat zu Ter. Adelph. II 1, 40), der als Processpartei dem angeblichen Herren entgegentreten und, wie jede andere Partei in solchen Streitigkeiten, den Gegenstand durch Berührung mit der Hand bezeichnen (manu adserere) musste. Hiernach hiess er adsertor in libertatem, sein Gegner adsertor in servitutem. Mancherlei Unredlichkeiten, durch welche bei diesem Verfahren die wahre Rechtsstellung angeblich freier Sklaven verwischt wurde (Sueton. Dom. 8 spricht von assertiones perfusoriae) führten zu Sondervorschriften. Einerseits musste der A. eine Caution stellen (Cod. VII 18, 3, 1. C. Theod. IV 8, 6, 5, älteres Recht siehe bei Gai. IV 14), andererseits wurde es möglich, da, wo er seine Rolle aufgab, ihm einen andern A. nachfolgen zu lassen (sog. secundae adsertiones, Paul. V 1, 5. Quintil. XI 1, 78. V 2, 1) und falls er den Process verlor, ihn zu bestrafen (Paul. V 1, 5); vgl. auch Dig. XL 16 de collusione detegenda. Iustinian hob die Notwendigkeit der Zuziehung eines A. zu dem Freiheitsprocesse auf (Cod. VII 17); vgl. Martial. I 52. Varro L. L. VI 64. Plaut. Pers. I 3, 83; Poen. 905ff. 964. 1348; Curc. 668; Rud. 973. Dionys. Ant. XI 28–37. Suet. Aug. 74; Vit. 10; Vesp. 3 (wo bei einem Streite darüber, ob eine Frau eine Latina oder ingenua war, von adserere gesprochen wird); Dom. 8. Ovid. amor. I 4, 40. III 11, 3; heroid. XII 158. Sueton. gramm. 21. Cic. pro Flacco 17. Liv. III 44. XXXIV 18. XXXV 16. Plinii et Traiani epist. 66 (72), 2. Frgm. Vat. § 324. Über das iudicium liberale vgl. namentlich Gothofredus Anm. zum Cod. Theod. p. 399–410, ferner Brissonius de form. V p. 362, welcher auch Stellen für die der adsertio entsprechende καρπιστία anführt. Mommsen Herm. XVI 147f. Puchta Inst. II § 156 Not. d. Schmidt (v. Ilmenau) in der Zeitschr. für geschichtl. Rechtsw. XIV 71–94. Maschke Der Freiheitsprocess im class. Altertum, Berlin 1888 und hiezu Ubbelohde Göttinger gel. Anz. 1888, 356ff. Punschart Der Process der Virginia 1860. Kuntze Kurs. d. röm. R. § 384. Bekker Die Aktionen des röm. Privatr. II 284 Anm. 29. Leonhard de natura actionis quae praeiudicatio vocatur diss. inaug. Berol. 1874 p. 45f. Bechmann Studien im Gebiete der legis actio sacramento in rem, München 1889 und dazu Krüger in der Zeitschr. der Savigny-Stiftung X 196. Schulin Lehrb. d. Gesch. d. röm. Rechts 253f. 262. 530. 604. Wlassak in Grünhuts Ztschr. f. d. Privat- u. öff. Recht XIX 709ff.