RE:Aelius 88

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 523525
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88) Aelius Marcianus, römischer Jurist aus dem Anfang des 3. Jhdts. n. Chr. Über sein Leben ist nichts näheres bekannt. Krüger (Quell. und Litt. d. R. R. 225) vermutet wegen der vielen bei ihm erwähnten Rescripte der Kaiser Severus und Caracalla, dass er eine Stellung in der Reichskanzlei gehabt habe. Bremer (Rechtslehrer und Rechtsschulen 67) will aus seinen Institutionen (s. u.) auf eine ausgedehnte Lehrthätigkeit schliessen, auch behauptet dieser Gelehrte (99) griechische Abstammung. Dass unser Marcianus mit dem Adressaten von Constitutionen des Alexander (Cod. Iust. II 12, 6. VII 21, 4) und Gordian (Cod. IV 21, 4) identisch ist, ist wenig [524] wahrscheinlich. Seine Schriften fallen nach Caracallas Tode (217): die Kaiserbezeichnung divus Severus et Antoninus (Magnus) in den Digesten (XX 1, 16, 9. XXXVII 15, 4. XLVII 11, 4. 19, 3. XLVIII 2, 13. 13, 10, 1. 15, 3, 1. 17, 1 pr. XLIX 14, 22 pr. 1) ist verkehrt, es muss überall divi gelesen werden; vgl. Mommsen Zeitschr. f. R.-G. IX 106. 109 gegen Fitting Alter der Schriften röm. Jur. 50f. Blos hinsichtlich des Werkes de appellationibus könnte man vielleicht zweifeln, da überhaupt nur einmal ein Citat, und zwar divus Severus (Dig. XLIX 1, 7), begegnet. Bei den übrigen Schriften wird man andererseits auch nicht weit nach Caracallas Tod hinabgehen dürfen; der in den Institutionen (Dig. XXXVII 14, 5, 1) erwähnte imperator noster ist wahrscheinlich Alexander (222–235). Alle weiteren Spuren fehlen.

Schriften: 1) Institutiones (16 B.), das umfangreichste Werk dieser Art, das wir kennen. In der ersten, grösseren Hälfte (B. 1–9) herrscht eine systematische Ordnung vor, welche im ganzen dieselbe ist wie die aus Gaius Institutionen (B. 1 und 2) bekannte. B. 1 und 2 des Marcian enthalten das ius quod pertinet ad personas (= Gai. I), B. 3–9 das ius quod pertinet ad res (= Gai. II), und zwar wird zunächst de rerum divisione, sodann vom Eigentums- und Servitutenerwerb unter Lebenden gehandelt (B. 3 = Gai. II 1–96); darauf folgt eine breite Darstellung der Rechtsnachfolge von Todes wegen: B. 4 Testament, B. 6 und 7 Legate, B. 8 und 9 Fideicommisse (= Gai. II 97–289); die von Gaius III 1–87 behandelte Intestaterbfolge ist von Marcian als 5. Buch eingeschoben; die Darstellung des Obligationenrechts (Gai. III 88–225) fehlt gänzlich. Ebenso wenig ist das Actionenrecht (Gai. IV) hereingezogen. Der zweite Teil (B. 10–14) bringt Commentare zu Gesetzen (lex Iulia et Papia Poppaea 10–12, lex Falcidia, Aelia Sentia 13; im 14. Buch werden hauptsächlich Strafgesetze behandelt). Der Inhalt des 15. und 16. Buches ist nicht erkennbar. Fragmente bei Lenel Pal. I 652–675 (fr. 42–183). 2) Regulae (5 B.), Fragmente ebenda I 680–688 (fr. 219–286). Die Anordnung des Stoffes lässt sich nicht bestimmen. 3) Ad formulam hypothecariam (1 B.). Die Schrift enthielt jedenfalls einen ausführlichen Commentar zu der Servianischen Klagformel des praetorischen Albums. Lenel vermutet ausserdem eine Behandlung einzelner pfandrechtlicher Fragen als Anhang. Fragmente bei Lenel Pal. I 644–652 (fr 17–41). 4) De appellationibus (2 B.), Fragmente ebenda I 639f. (fr. 1–4). 5) De iudiciis publicis (2 B.). Im 1. Buch werden Strafgesetze commentiert, das 2. Buch behandelt das Verfahren in systematischer Ordnung. Fragmente ebenda I 675–680 (fr. 184–218). 6) De delatoribus. Fragmente ebenda I 640–644 (fr. 5–16). 7) Ad SC Turpillianum (1 B.; vgl. Rudorff R. R.-G. I 127f.). Fragmente ebenda I 688–690 (fr. 287). 8) Notae zu Papinians Schrift de adulteriis in 2 Büchern. Dass diese Noten nicht wie die des Ulpian und Paulus zu Papinians Quaestionen und Responsen von Constantin und Theodosius II. und Valentinian III. ausser Kraft gesetzt wurden (vgl. Aemilius Nr. 105), erklärt sich daraus, [525] dass die Schrift, welche sie betrafen, bei weitem nicht die Bedeutung für die Praxis hatte, wie jene beiden anderen. Ein Fragment s. bei Lenel Pal. I 806 (fr. 11). Die Digesten (XXIII 5, 17) geben noch ein Bruchstück unter der Überschrift Marcianus libro septimo digestorum. Doch ist es unwahrscheinlich, dass die Compilatoren Iustinians, wenn ihnen eine solche, doch immerhin umfangreiche Schrift Marcians vorgelegen hätte, derselben nur ein einziges Excerpt entnommen hätten. Es wird ein Schreibfehler anzunehmen und das Citat dem bekannten Digestenwerke des Marcellus zuzuweisen sein. Vgl. Rudorff R. R.-G. I 198. Fitting Alter d. Schriften röm. Jur. 50-52. Teuffel R. L.-G. § 378, 2. Krüger Quell. und Litt. d. R. R. 225f. Karlowa R. R.-G. I 750f.