RE:Agathokles 19

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 757–758
Pauly-Wissowa I,1, 0757.jpg
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19) Sohn der Oinanthe (Polyb. XIV 11, 1), von niederer Herkunft. Polyb. XV 25. 32. Wie seine Schwester Agathokleia wusste auch er durch Buhlschaft den König Ptolemaios IV. Philopator zu beherrschen (Iust. XXX 2, 2: ambitiosae pulchritudinis scortum. Polyb. XIV 11, 1). Nebenbei teilte er auch seine belletristischen Liebhabereien und schrieb z. B. eine Schrift über die von seinem königlichen Gönner verfasste Tragödie „Adonis“. Schol. Rav. Arist. Thesmoph. 1059. Schon 219 erscheint er neben Sosibios [758] als Leiter der auswärtigen Politik (Pol. V 63). Feige und unkriegerisch (Pol. XV 34) blieb er dem syrischen Feldzug 217 fern (Pol. V 83, 3. 87, 6), doch nach dem unerwartet glänzenden Ausgang desselben stieg sein verderblicher Einfluss auf den König immer mehr, bis er schliesslich zusammen mit seiner Sippe thatsächlich die Regierung in Händen hatte (Iust. XXX 2, 4. 5), von seinen Schmeichlern mit königlichen Ehren bedacht. Pol. XV 31, 8–9. Als dann Philopator starb, hielt A. seinen Tod dem Volk längere Zeit verborgen, um die Schätze in Ruhe beiseite bringen zu lassen. Iust. XXX 2, 6. Dann erst zeigte er dem Volk den unmündigen Ptolemaios V. (später Epiphanes) und liess durch ein gefälschtes Testament sich zu seinem Vormund bestellen. Pol. XV 25, 3ff. Durch freigebige Soldzahlungen, durch Entfernung aller bedeutenderen Männer suchte er sich seine Stellung zu sichern, um, nur von seinen Kreaturen umgeben, das alte Lasterleben fortzuführen. Pol. XV 25, 11ff. Aber sowohl sein verbrecherisches Treiben, als auch sein Plan, die alte alexandrinische Garde als Besatzung in die Festungen und kleineren Garnisonen zu verteilen, den Gardedienst aber neu zu werbenden Söldnern zu übergeben (Pol. XV 25, 17), rief eine immer wachsende Erbitterung unter den alexandrinischen Truppen hervor, die von Tlepolemos, dem Commandanten von Pelusion, eifrig geschürt, auch weiter im Lande um sich griff und schliesslich zur offenen Militärrevolte in Alexandreia führte. Auch der Gassenpöbel, von fanatischem Hass gegen den Machthaber erfüllt, schloss sich ihr an. A. musste den jungen König ausliefern und wurde vom Volk niedergestochen. Pol. XV 26–33, 6.