RE:Alaun

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 12961297
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Alaun (alumen, στυπτηρία). Ebenso wie heute noch das Wort A. ein Sammelname für eine ganze Gruppe von Salzen der Schwefelsäure ist und nicht blos ein Name für das Doppelsalz von schwefelsaurem Kali und schwefelsaurer Thonerde, so scheinen auch bei den Alten die Worte alumen und στυπτηρία in gleichem oder etwas weiterem Sinne gebraucht worden zu sein, wobei die einzelnen Abarten teils durch den Fundort, teils durch besondere Zusätze zum Namen genauer unterschieden wurden. Als der beste A. wird der ägyptische bezeichnet (Plin. n. h. XXXV 184. Dioskor. V 122. Cels. V 28, 12. Scribon. de comp. 47. Herod. II 180), nächst diesem der von der Insel Melos (Plin. Dioskor. a. O. Diod. V 10). Ferner werden als Fundorte genannt Makedonien, Sardinien, Hierapolis in Phrygien, Libyen, Armenien, Pontus, Spanien, Kypern und die liparischen Inseln Lipara und Strongyle. Die A.-Werke, μέταλλα τῆς στυπτηρίας, auf Lipara erwähnt Strabon VI 275, und Diodor V 15 giebt an, dass dieselben grossen Gewinn bringen, weil sie ausser den geringeren der Insel Melos die einzigen sind. Die Beschreibung des Vorkommens auf Melos, welche Tournefort (Relat. d’un voyage en Levant I 163ff.), Fiedler (Reise in Griechenland II 432ff.) und Shepard (Sillimans American Journ. XVI 203, 5, übers. v. Schweigger Journ. d. Chem. u. Phys. III 1829, 43ff.) geben, lässt die von Dioskorides, Plinius (aa. OO.) und Galen XLI 236 erwähnten Abarten wiedererkennen, so insbesondere die στυπτηρία σχιστή, alumen schiston oder scissile, auch fissum (Scribon. 4. 31 u. a.) und τριχῖτις in den parallelfasrigen Aggregaten, die an einzelnen Stellen in haarförmige oder federähnliche Bildungen übergehen, die teils Natron-A., teils Feder-A. oder auch Haarsalz sind. Andere Stufen von Melos (nach der Analyse von Thomson bei Shepard a. a. O. Natronalaun mit 20 Mol. Wasser) zeigen eine gerundete traubige Oberfläche und entsprechen vielleicht der στυπτηρία στρογγύλη, alumen rotundum, während die mehr oder weniger deutlich würfelförmig kristallisierten Varietäten als στυπτηρία ἀστραγαλωτή oder auch πλινθῖτις und πλακῖτις unterschieden wurden. Eine andere Art des A. ist die στυπτηρία ὑγρά, alumen liquidum, doch lässt die Beschreibung des Dioskorides und Plinius nicht deutlich erkennen, ob darunter eine Flüssigkeit oder nur eine feuchte schlüpfrige Substanz zu verstehen ist. Möglicherweise wäre dabei auch an den Unterschied zwischen dem wasserhaltigen und wasserfreien Salz (alumen concretum, aridum), dem alumen ustum der Pharmacie zu denken, da Plinius wohl von dem Calcinieren [1297] des A. spricht, wenn es heisst coquitur in catinis donec liquari desinat (XXXV 186) oder donec cinis fiat (XXXV 187).

Übrigens wurde auch A. künstlich dargestellt (χειροποίητος Dioskor. a. O.), d. h. wohl durch Auslaugen alaunhaltigen Gesteins und Eindampfen von Lösungen gewonnen. Auf den verschiedenen Eigenschaften des A. und verwandter Substanzen beruht deren Verwendung. Der Name στυπτηρία (von στρύφω zusammenziehen) weist schon auf die adstringierenden Wirkungen, wegen deren der A. in der Medicin zahlreiche Anwendungen fand und findet, so z. B. gegen geschwollene Mandeln und Zäpfchen (Plin. n. h. XXXV 188ff. Hippokrates, Dioskorides, Celsus, Galenus u. A. an zahlreichen Stellen). In der Technik diente der A. insbesondere zum Imprägnieren von Holz, um dasselbe vor Feuer zu schützen (Gell. XV 1. Amm. Marc. XX 11, 13). Auch der Gebrauch des A. als Beize in der Färberei war den Alten bekannt, und ebenso ein Mittel, um den eisenfreien A. (alumen infectorium), der wenigstens zu hellen Farben allein brauchbar ist, von eisen- bezw. vitriolhaltigem A. zu unterscheiden, indem man sich einerseits nach den hellen Farben des Salzes richtete, andererseits durch einen Zusatz von Galläpfel- oder Granatäpfelsaft und die damit bewirkte Tintenbildung einen mehr oder weniger starken Eisengehalt erkannte (Plin. a. O.). In der Gerberei wurde der A. zur Herstellung des weissgaren Leders (aluta) verwandt (Plin. XXXV 190). Alaun- und eisenvitriolhaltiges Gestein (στυπτηριώδης γῆ Strab. III 146, alumen nigrum Plin. a. O.) wurde mit Salz zum Trennen des Goldes vom Silber (das heutige Cämentationsverfahren) und zum Reinigen desselben verwandt (vgl. auch Plin. n. h. XXXIII 84). Plinius erwähnt ferner die Verwendung des A. beim Löten von Kupferblechen (XXXIII 94) und beim Vergolden (XXXIII 65), doch sind die betreffenden Angaben unverständlich. Nach Geop. VII 12, 29 wurde A. auch zum Haltbarmachen des Weins und Abstumpfung der Säure desselben verwandt. Vgl. Blümner Technologisches, in Festschrift zur XXXIX. Versamml. deutscher Philol. u. Schulmänner, Zürich 1887, 26ff., wo ausführliche Citate und Litteraturangaben.

[Nies.]