RE:Arbiter 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 410411
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3) Von dem Geschworenen, den die Parteien unter obrigkeitlicher Autorität als Richter annehmen (Wlassak a. a. O. II 197, 18), ist der iudex oder A. (Pius bei Ulp. Dig. XLII 1, 15, pr.) zu unterscheiden, den gewisse Beamte, statt selbst zu richten, aus freier Entschliessung, sei es auch auf den Antrag der Parteien (Pap. Dig. XLIX 1, 23, pr.) bestellen (dant): der ‚Hülfsrichter‘, [411]Unterrichter‘. Vgl. Iudex, Recuperatores. In den klassischen Schriften kommt der A. datus häufig vor (Beispiele bei Keller Civilproc. § 81, 975. Bekker Die Actionen II 208–210), doch meistens nicht mit der eigentlich richterlichen Aufgabe, über Rechtsverhältnisse zu entscheiden. Gewöhnlich handelt es sich um die Beseitigung blos thatsächlicher Ungewissheiten, z. B. um die Prüfung der Tauglichkeit von Bürgen (Lenel Edictum 106), die Feststellung des Eintritts einer Bedingung, um Schätzungen (Caesar b. c. III 1 und o. Bd. I S. 690), auch wohl um rechtsgeschäftliche Verrichtungen (Ulp. Dig. XLII 5, 27). Seit dem 3. Jhdt. n. Chr. kommt allmählich der Gebrauch von iudex für den rechtsprechenden Beamten in Schwang. Zur Unterscheidung von diesem (Cod. Theod. II 8, 18 = Cod. Iust. III 12, 7 (6), 5) heisst nun der bestellte (datus, delegatus) Hülfsrichter in den Erlassen der christlichen Kaiser zuweilen A. (so Cod. Theod. XI 30, 67 [= Cod. Iust. VII 62, 31, 1]. XI 31, 9), ohne Rücksicht darauf, ob er nach freierer Erwägung entscheiden soll. Genauer bezeichnet Kaiser Iustinus die (Zenonischen) Unterrichter als pedanei arbitri: Cod. Iust. II 8, 6, pr. = II 7, 25, pr. Kr. Besonderheiten weist das von Iustinian (Cod. Iust. III 1, 16. 18, vgl. Nov. Iust. 53 c. 3f.) angeordnete Gericht von einem oder mehreren arbitri auf. Eine Mehrzahl von arbitri begegnet wiederholt im Cod. Theod. (z. B. IV 5, 1, 1), in den Dig. bei Mod. X 1, 7 (vgl. zu dieser Stelle Rudorff Röm. Feldmesser II 445f. und gegen Max Weber Röm. Agrargeschichte 72ff. P. Krüger Krit. Vierteljahrsschrift f. Gesetzgeb. XXXIV 484f. 487); die Regel aber bildet hier wie unter Nr. 2 der A. in der Einzahl.

Litteratur: Bethmann-Hollweg Civilprocess d. gem. Rechts II 109f. 781. III § 140, bes. S. 117f. 127f. und im Art. Iudex.