RE:Archebulos

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 438
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Archebulos (Ἀρχέβουλος), ein frühhellenistischer Dichter aus Thera (Suid. s. Εὐφορίων nennt ihn Θηραῖος; Hephaist. 8 p. 54 G. und seine Ausschreiber wohl irrtümlich Θηβαῖος), Lehrer und nach dem üblichen Biographenklatsch ἐραστής des Euphorion von Chalkis; vgl. darüber Meineke Anal. Alexandr. 7. Die Schöpfer der metrischen Schulterminologie, die überhaupt gern von den ihnen zeitlich nahestehenden Hellenisten ausgingen, haben einen mit Vorliebe von ihm angewandten, aber schon bei Alkman und Stesichoros nachweisbaren anapaestisch-logaoedischen Vers (Anapaesten mit freiem Eingang und iambisch-bakcheischem Schluss, ×—◡◡—◡◡—◡◡—◡—[WS 1]) nach ihm benannt, s. Hephaist. 8 p. 54 καλεῖται μὲν οὖν Ἀρχεβούλειον ἀπὸ Ἀρχεβούλου τοῦ Θηβαίου ποιητοῦ χρησαμένου αὐτῷ κατακόρως. γέγραπται δὲ καὶ Καλλιμάχῳ. Vgl. Diog. περὶ παροιμιῶν II p. 179 Gott.: ὡς ἐν ποιητικῇ μέτρον Ἀρχεβούλειον ἢ καὶ Ἀριστοφάνειον, ἃ λέγεται οὐχ εὑρημένα ὑπὸ τῶν ἀνδρῶν, ἀλλὰ παρὰ τούτοις κατακορέστερον (vgl. Heph.) ἐν τῇ ποιήσει τεταγμένα. Aus demselben metrischen Handbuche Mar. Victor. III 15 p. 126, 6 K.: archebulius non ipso auctore editus etc., ähnlich Caes. Bass. (Atil.) 1, 3 p. 256 K. mit dem Zusatz: Archebulus autem quia carmen ex hoc genere composuit, archebuleum nominatum est (vgl. Ter. Maur. 1919 p. 382). Ausserdem wissen wir, dass er auch den sogenannten philiskischen Vers, eine langgestreckte choriambisch-logaoedische Reihe (—◡◡——◡◡——◡◡——◡◡——◡◡—◡—) in seinen Dichtungen verwandt hat, s. Caes. Bass. 5, 2 p. 264 K.: hunc hexametrum composuit Philicus, quo usus est etiam Archebulus; auch dieser Vers ist schon bei Simmias (Heph. 58) und den Aiolern (Caes. Bass. a. O.) nachweisbar, soll aber nach dem Alexandriner benannt sein, weil er, wie A., in ihm πρῶτος τὰ ὅλα ποιήματα schrieb. A. ist eines der bedeutendsten Glieder in einer Gruppe polymetrischer Versvirtuosen, die auf die metrische Lehre wie auf die Dichtung vieler hellenistisch gerichteten Römer (Laevius u. s. w.) höchst intensiv eingewirkt haben, für uns aber so gut wie verschollen sind. Vgl. das Kapitel über die alexandrinische Lyrik bei Susemihl Gr. Litt. II 517ff., besonders 522ff.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Pauly-Wissowa II,1, 0438a.jpg