RE:Aristomache 4

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 943–944
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4) Angebliche Dichterin aus Erythrai, Polemon περὶ τῶν ἐν Δελφοῖς θησαυρῶν, bei Plut. qu. symp. V 2 p. 675 B = frg. 27 Preller (FHG III 123) ἐν τῷ Σικυωνίῳ θησαυρῷ χρυσοῦν ἀνέκειτο [944] βιβλίον Ἀριστομάχης ἀνάθημα τῆς Ἐρυθραίας ἐπικῷ ποιήματι δὶς (mit Bernadakis, vulg. ποιητρίας, Hss. ποιηματίαις) νενικηκυίας. Preller meinte, die Dichterin gehöre zu den illustribus quibus Doricae civitates inclaruerunt feminis de quibus dixit Müllerus Dor. II 374f. Sie heißt aber Erythraeerin; ihr Gedicht kommt in den sikionischen Thesaurus, weil sie in den Isthmien gesiegt haben soll. Von einem musischen Wettkampf an den Isthmien ist sonst nichts bekannt; Plutarch führt den Fall als Beweis für die Behauptung an, ὅτι παλαιὸν ἦν ἀγώνισμα τὸ τῆς ποιητικῆς; vorher geht ein Hinweis auf einen ähnlichen Sieg der Sibylle bei den Leichenspielen des Pelias. Die Notiz ist völlig vereinzelt, steht in bedenklicher Umgebung und wird nicht besser sein, als manche andere Nachrichten über uralte Musiker und Dichter in Sikyon. Auch die Frage, welches Erythrai die Heimat dieser problematischen Größe sei, wird nicht mit Sicherheit entscheiden lassen; an das boiotische Erythrai dachten Preller und Maass (De Sibyll. indic. 57), da Ionien keine Dichterinnen gehabt habe; einer sagenhaften Persönlichkeit gegenüber hält diese Bemerkung nicht Stich; denkbar ist es z. B., dass die erythraeisch-sikyonische A. als Sibylle gedacht ist, wie die in der unmittelbar vorhergehenden Notiz des Akesandros (FHG IV 785) erwähnte Dichterin; freilich lautet der Name der erythraeischen Sibylle bei den besten Zeugen (Maass a. O. 23ff. 57) anders. Sibyllen werden auch sonst als ἐποποιοὶ bezeichnet (s. Chron. Pasch. I 201 Dind.), wie man ja die ‚Erfindung‘ des Hexameters apollinischen Seherinnen zuschrieb.