RE:Basilidai

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band III,1 (1897), Sp. 96
Pauly-Wissowa III,1, 0095.jpg
Linkvorlage für WP   
* {{RE|III,1|96||Basilidai|[[REAutor]]|RE:Basilidai}}        

Basilidai (Βασιλίδαι), Bezeichnung der Herrschergeschlechter in verschiedenen Ionerstädten Kleinasiens, gleichbedeutend mit Kodridai, die von den Schriftstellern gelegentlich mit den B. zusammengeworfen werden. Wie aus der Stiftung unterhalb der Akropolis (CIA IV p. 67) hervorgeht, genoss Kodros in Athen Verehrung neben Basile, deren gemeinsamer Ursprung vielleicht in Ionien zu suchen ist, wo Kodridai und Β. synoyme Begriffe waren. Den Kodriden und B. in Kleinasien entsprechen in Athen die Medontiden (Μεδοντίδαι, besitzlich im athenischen Stadtgebiet), deren Namen gleichfalls das ‚Herrschergeschlecht‘ bezeichnet. Die hervorragende Rolle, welche die zahlreichen ehelichen wie unehelichen Söhne des Kodros in den Gründungssagen der ionischen Städte spielen, ist daraus zu erklären, dass ihr Vater ursprünglich wohl nichts anderes als ein appellativer Begriff war, ähnlich dem Μέδων, und sich erst hieraus im Laufe der Zeit eine individuelle Sagengestalt gebildet hat, die als solche hauptsächlich für Attika in Betracht kommt; vgl. U. v. Wilamowitz Aristot. und Athen II 130. 136. Darauf weist namentlich die in Ionien nachweisbare Bestimmung, dass die Bekleidung der Königswürde von der Zugehörigkeit zum Stamm des Kodros abhängig sein sollte, Paus. VII 3, 10. In Kleinasien hat Kodros nur als Archegetes Bedeutung. Wir treffen die B. als Herrscheradel in Erythrai, dessen Besiedelung dem Kodriden Knopos zugeschrieben wurde, Aristot. pol. VIII 1305 b. Toepffer Att. Geneal. 240. Busolt Griech. Gesch. I² 314. H. Gäbler Erythrae (Berl. [97] 1892) 6. Ferner in Ephesos, wo die Nachkommen des Kodros noch zur Zeit des Strabon den Namen Βασιλίδαι oder Βασιλεῖς führen: Strab. XIV 633 καὶ ἔτι νῦν οἱ ἐκ τοῦ γένους ὀνομάζονται Βασιλεῖς. Suid. s. Πυθαγόρας Ἐφέσιος· καταλύσας δι’ ἐπιβουλῆς τὴν τῶν Βασιλιδῶν καλουμένην ἀρχήν. Der Sturz der ephesischen B. muss in der ersten Hälfte des 6. Jhdts. v. Chr. erfolgt sein, denn Pythagoras wird in die Zeit vor Kyros gesetzt (Suid. a. a. O. ἦν δὲ πρὸ Κύρου τοῦ Πέρσου, ὥς φησι Βάτων). Toepffer Att. Geneal. 240. Busolt Griech. Gesch. I² 308. E. Meyer G. d. A. II 614 616. Gäbler ändert bei Suidas die Überlieferung Ἐφέσιος in Ἐρυθραῖος und bezieht den Sturz der B. und das Schreckensregiment des Pythagoras nicht auf Ephesos, sondern auf Erythrai (a. a. O. 7); vgl. M. Duncker G. d. A. VI⁵ 302. Diese Gewaltmassregel hat keine Berechtigung. Wir haben über den Sturz des Königtums in Erythrai eine Erzählung erhalten, die aus dem zweiten Buche τῶν περὶ τῆς πατρίδος ἱστοριῶν des Hippias von Erythrai geflossen ist (Athen. VI 259), nach welcher der Basilide Knopos von einem Ortyges getötet wurde, der aber bald darauf durch den Bruder des Knopos, Hippotes, gestürzt ward; vgl. Gäbler a. a. O. 5, dessen Polemik gegen Lamprechts (De rebus Erythraeorum 18) naive Beurteilung dieses Berichtes überflüssig ist. Die historische Verwendbarkeit der Nachrichten des Hippias wird von E. Meyer (G. d. A. II 616) mit Recht geleugnet. Wie in Erythrai und Ephesos scheinen auch auf dem benachbarten Chios einstmals B. geherrscht zu haben; vgl. Herod. VIII 132: Chier Ἡρόδοτος ὁ Βασιληίδεω. Bull. hell. 224: Καοκασίων ὁ Βασιλείδου. Busolt Griech. Gesch. I² 314.