RE:Bautai

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,1 (1897), Sp. 174175
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Bautai (Var. Baitai, Batai, Ptol. VI 16, 5), ein hinterasiatisches Volk im Norden der emodischen und serischen Gebirge, südlich von dem grossen Volke der Issedones und den ‚pferdezüchtenden‘ Aspakarai bis zu den Ottorokorrai, durch dessen Gebiet der Bautisos (s. d.) floss. Da die Issedones die an der serischen Passage am Nordabhang des Nan.šan gelegenen Oasen inne hatten, die Aspakarai etwa in das Tsai.dam-Becken fallen, und da der Name der indischen Hyperboreer Uttara-Kuru auf die zu hoher Kulturblüte gelangten sinischen Ansiedler von Čhing.tu.fu in Sse.čuan übertragen worden sein mochte, so bleibt für die B. das Hochland zwischen dem Himavat und Nan.šan oder das Quellgebiet des Ho und Kiang bis zur Beuge des Dzang.bo übrig. Der Tibeter nennt sich und seine Nation Bod.ba (entweder von bod ‚zurufen, nennen‘ oder nach Schiefner von phod ‚stark sein, Macht haben‘) und sein Land Bod.yul; die indischen Ausdrücke hiefür lauten Bhôṭa, Bhuṭîa und Bhôṭâṅga; der Iranier mochte das Volk Bautâ benannt haben, was Marinos mit Βαῦται wiedergab. Die Ursitze der tibetischen San.miao lagen im Nan.šan; von da hat sich diese Nation nach mehreren Richtungen verbreitet, zumal nach Süden bis über den Himâlaya hinab, in dessen Hochthälern sich zahlreiche vortibetische Stämme z. Β. die Kirâta zusammenpferchten. Glieder der tibetischen Völkerwelt waren die altberühmten Issedones selbst, auch wohl die Pialdai und Damnai (s. d.) südlich vom Thiën.šan, ferner die nach Westen ausgewanderten Tocharoi (skr. Tukhâra, sin. Yuë.či), und der im Quellgebiet des Indus und Dzang.bo hausenden Chauranaioi; weite Räume des sterilen Hochlandes hatten die nomadischen Khiang inne, die Kaṅka des indischen Epos, ‚haarreiche und Hornschmuck tragende Männer‘, welche die als Fliegenwedel verwendeten Yag-schwänze (skr. čâmara), ferner Felle, Bambus, Eisen und Seidenstoffe den indischen Fürsten zuführten. In den tief eingeschnittenen Thalgebieten des oberen Kiang und Yar.lung hausten den sinischen Annalen zufolge die eigentlichen Bod (sin. Fu) als Inwohner von ‚sechs bis zehn Klafter hohen Steinnestern‘ und als begeisterte Anhänger des Ahnenkultus und der Daemonenverehrung (tib. dpon ‚Herr, Naturgeist‘); von da aus eroberten sie allmählich das Hochthal des Dzang.bo und das goldreiche Amazonenreich (skr. Stri-râğya) bis Ladak [175] und Balti, wo gerade noch bis heute das monosyllabische, zahllosen Lautveränderungen unter liegende tibetische Idiom seine ältere Aussprachsstufe bewahrt hat.