RE:Granarium

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,2 (1912), Sp. 1812–1813
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Granarium, gleichbedeutend mit horreum, Kornspeicher, Fruchtboden, ein sachgemäß zugerichteter Raum zur Aufhebung der gesiebten und gereinigten Körner nach dem Ausdrusch des Getreides (Varro r. r. I 57. Col. I 6. Plin. XVIII 302. Pall. I 19). 1. Ein zu ebener Erde gelegener, gewölbter, hoher Kornspeicher, über dessen Herstellung genauere Anordnungen gegeben werden. Er sollte an der trockensten Stelle des Hofraumes, fern von der Dungstätte, oder auf freiem, hochgelegenem Felde nach Norden liegen. Um das Eindringen von Nagetieren, Käfern, Kornwürmern und anderem Ungeziefer zu verhindern, sollte der Fußboden auf das sorgfältigste bearbeitet werden. Die frisch aufgegrabene Erde wurde mit ungesalzenem Ölschaume (amurca) benetzt und dann festgestampft. Auf diesen so vorbereiteten Boden kam ein Estrich zu liegen, der aus einer Mischung von Ölschaum, Lehm, Ton und Sand bestand. Auch diese Masse wurde festgestampft und sorgfältig geglättet. Die Fugen zwischen Boden und Wand, sowie alle an der letzteren etwa befindlichen Öffnungen und Risse wurden verschmiert. Kalk sollte beim Bau des granarium nicht verwandt werden. In diesem Raum wurde für jede einzelne Getreideart eine besondere Abteilung angelegt. Die Scheidewände fertigte man aus Lehm an, unter den anstatt geschnittenen Strohes Blätter vom zahmen oder wilden Ölbaum gemischt wurden. 2. Ein aus Holz gebauter, auf Pfeilern oder Säulen ruhender Speicher (pensile), der es ermöglichte, daß der Wind von allen Seiten, selbst vom Fußboden her die lagernden Früchte bestreichen konnte. Dieser Aufbewahrungsort, der sich für feuchte Gegenden als besonders zweckmäßig erwies, wurde von manchen Landwirten deswegen verworfen, weil das Getreide durch den beständigen Zutritt der Luft an Gewicht verlieren sollte. 3. Die Granarien unter der Erde, welche die Luft abschließen sollten. Es waren dies Gruben (scrobes, speluncae, σειροί, σιροί) oder brunnenartige Schachte (putei), deren Boden mit Spreu bedeckt wurde, um Luft und Feuchtigkeit und [1013] damit auch den Kornwurm (curculio) fernzuhalten. Siri fanden sich in Kappadokien und Thrakien, putei im diesseitigen Spanien, im Gebiete Karthagos und bei Osca in Hispania Tarraconensis (heute Huesca in Aragonien). Plinius, der die unterirdischen Granarien als die besten bezeichnet, bemerkt noch, daß die vollen, noch nicht gedroschenen Ähren (die in vielen Gegenden vom Halm kurz abgeschnitten wurden, s. Art. Getreide) auf diese Art aufbewahrt, eine ganz außerordentliche Haltbarkeit zeigten. Nach Varro (r. r. I 57) hielt sich, so aufbewahrt, Weizen 50, Hirse 100 Jahre. Das Herausholen der in den siri aufgehäuften Getreidemengen war infolge der sich in dem geschlossenen Raum entwickelnden Gase nicht völlig gefahrlos. Varro (I 63) rät, um Erstickungsfällen vorzubeugen, die siri, bevor man hinabsteige, um Getreide zu holen, einige Zeit offen stehen zu lassen. 4. Palladius (I 19) versteht unter G. speziell auch die einzelnen Abteilungen für jede einzelne Getreideart, von denen der Kornspeicher eine große Menge enthielt. 5. Ein von drei Fuß dicken Mauern umgebener Raum ohne Öffnungen, in den das Getreide von oben herein geschüttet wurde. Über die Bedachung sagt Plinius (XVIII 301) nichts.

[Orth.]