Rammenau (Störzner)

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Rammenau
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 493–496
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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211. Rammenau.

Ein weltbekanntes Dorf des östlichen Sachsenlandes ist Rammenau bei Bischofswerda, der Geburtsort des Philosophen Johann Gottlieb Fichte, der hier am 19. Mai 1762 als Sohn des Bandmachers Christian Fichte das Licht der Welt erblickte. Rammenau ist eine deutsche Gründung, die schon im Jahre 1228 in Urkunden Erwähnung findet. Die Schreibweise des Ortsnamens ist eine verschiedene gewesen. Man findet da die Namen: Rammenau, Rampna, Rammen, Ramnou. Heute noch wird der Ort im Volksmunde Rammen genannt, und es sagen die Leute: „Nach Rammen gehen.“ – Man deutet den Namen als „Widderau.“ –

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Fichtes Wohnhaus in Rammenau.

Nach einer Zeichnung von Kantor Riedel.

Die Lage des Ortes ist eine liebliche. Rammenau liegt in einer freundlichen Talmulde, die nördlich vom Hochsteine, vom Mittel- und Tannenberge, östlich vom Burkauer Berge und vom Butterberge, westlich vom Huberts- oder Hubrigsberge und südwestlich vom Kleppsch und von der Schaudorfer Höhe umrahmt wird. Nach Süden hin ist die Talmulde geöffnet. Den Ort berühren zwei Bäche, nämlich die vom Sibyllensteine kommende Gruna und die Ramnitzbach, die von Westen in die Gruna fließt. Einen besonderen Schmuck bilden einige seenartige Teiche.

In frühesten Zeiten war die nähere Umgebung Rammenaus recht sumpfig. In einer Urkunde aus dem Anfange des 13. Jahrhunderts, welche über die ehemalige Grenze zwischen dem Königreiche Böhmen und dem Bischofstume Meißen berichtet, heißt es:

„– von dannen mitten in den Pfuhl, welcher ist zwischen Ramnau und Gießelbrechtsdorf (Geißmannsdorf).“ – Dieser Pfuhl war ein weitausgedehnter See, der zum größten Teile mit den Jahren entwässert wurde und heute noch einen umfangreichen Teich bildet. –

Rammenau war ehedem ein Rittersitz und gehörte mehrere Jahrhunderte hindurch den mächtigen Burggrafen von Kamenz. Die Burg Rammenau war eine Wasserburg, von der noch in der Nähe des heutigen Schlosses [494] einzelne Wälle vorhanden sind. Die alte Burg Rammenau stand ursprünglich auf den Wiesen in der Nähe der jetzigen Schäferei. Ernst Ferdinand von Knoch, der 1717 Besitzer von Rammenau wurde, ließ das alte Schloß sowie die Wirtschaftsgebäude abbrechen und baute dasselbe von Grund aus neu auf.

Der Standort wurde aber verlegt. Herr von Knoch ließ den ehemaligen Kleppschteich austrocknen und an dessen Ufern die neuen Schloßgebäude aufführen. Der Teich wurde ausgefüllt, und der gewonnene Platz erhielt herrliche Anlagen. Der Erbauer scheute keine Kosten, den „herrschaftlichen Sitz zu einem Lustorte zu machen. Die Zimmer wurden im maurischen, pompejianischen und chinesischen Stile ausgeführt, die Stuckarbeiten der Zimmerdecken im Rococcostile.“ – Der Rittersitz Rammenau, ursprünglich ein Mannlehngut, wurde durch landesherrliches Rescript vom 18. März 1745 in ein Erb- und Allodialgut umgewandelt. –

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Johann Gottlob Fichte.

Dem Pfarrhause gegenüber steht das Fichtedenkmal, das am 19. Mai 1862 unter einer Teilnahme von ungefähr 5000–6000 Menschen, feierlich enthüllt wurde. Die Weihe vollzog der Kirchenrat Dr. theol. Wildenhahn aus Bautzen. Das Denkmal ist aus Schmöllner Granit gefertigt und stellt eine 7 Fuß hohe abgebrochene dorische Säule dar. Es trägt die Inschrift: [495] „Zum Andenken an Johann Gottlieb Fichte, geb. zu Rammenau am 19. Mai 1762, gest. als Professor der Philosophie zu Berlin am 27. Januar 1814.

Dem Gelehrten.
Dem Vaterlandsfreunde.“

Um das Zustandekommen dieses Denkmales machte sich der Rammenauer Pfarrer Werner, im Verein mit dem Grafen von Krokow-Wickerode, sehr verdienstlich. Er war es auch, der eine „Philosoph-Fichte-Stiftung“ ins Leben rief, „zu Stipendien für bedürftige Studenten aus der Lausitz und Schüler höherer Klassen.“ – Das Kapital dieser Stiftung betrug 1901 13 441 Mark. –

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Fichte-Denkmal zu Rammenau. Am Tage der Weihe.

Fichtes Geburtshaus, die ehemalige Pfarrpächterwohnung in Rammenau, steht nicht mehr. Es mußte mit weichen, als 1767 das jetzige Pfarrhaus neu aufgebaut wurde.

Seit einigen Jahren ist in Rammenau ein Ortsmuseum ins Leben gerufen worden, dem man den Namen gab: „Fichte-Museum.“

Zu Rammenau gehört noch das Dörfchen Schaudorf, das im Jahre 1769 auf herrschaftlichem Gebiete gegründet wurde. Im Jahre 1823 entstand auf herrschaftlichem Gebiete abermals ein Dörfchen und zwar in der Nähe der Röderquelle am Sibyllensteine, das man Röderbrunn nannte. [496] Es bildet mit Schaudorf und Rammenau eine Kirchfahrt und einen Schulbezirk. –

Bemerkung: Wer Ausführliches über Rammenau lesen will, der sei auf folgendes Schriftchen, verfaßt v. Herr P. E. J. Schmink in Rammenau, aufmerksam gemacht: „Predigt am Kirchweihfeste d. 21. Okt. 1901 in der Kirche zu Rammenau, gehalten über 1. Könige 8, 26–30. – Auf bes. Wunsch in Druck gegeben mit einem Anhange: Die Geschichte Rammenaus.“ – Preis 25 Pfg. –