Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Borthen

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Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Borthen
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 127–128
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 190.jpg
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Borthen.


Borthen liegt 2¼ Stunde von Dresden gegen Südsüdosten, 2 Stunden von Pirna, kaum ¼ Stunde von Dohna am Abhange des gegen Süden immer höher ansteigenden Saidaer oder Maxener Gebirges, in zwei Gruppen, von deren östlicher, Grossborthen genannt, sich ein kurzer Grund nordwärts zum schönen Thal des Grimmaischen oder Lockwitzer Baches herabzieht, in der andern Gruppe. Kleinborthen mit Jägerhaus und Schenke bildet das schöne thurmlose Schloss das tiefste Gehöfte.

Borthen mit seinen 30 bewohnten Gebäuden, mit seinen 46 Familienhaushaltungen und seinen 259 Einwohnern gehört zum Regierungsbezirk Dresden, zur Amtshauptmannschaft Pirna, zum Bezirksgericht und zum Gerichtsamt Pirna, und ist somit bei seiner frühern Behörde geblieben.

Die ersten Bewohner des vormaligen Amtsbezirks Pirna mögen Hermunduren gewesen und die natürliche Beschaffenheit desselben eben so rauh als die des übrigen Deutschlands gewesen sein. Ihnen folgten die Sorben, welche das Land mehr und mehr cultivirten, Sümpfe austrockneten, Wälder ausrodeten, Wiesen und Felder anlegten, Dörfer und Städte erbauten. Die Namen der meisten Orte und Bäche dieses frühern Amtsbezirks sind sorbischen Ursprungs. Das frühere Amt Pirna soll aus dem Gau Nisani entstanden sein. Nach Besiegung der Wenden fiel dieser Landstrich an das Bisthum Meissen. Im Jahre 1249 kam Pirna durch Heirath mit Agnese von Böhmen an Heinrich den Erlauchten. Im Mittelalter litt die hiesige Gegend viel, besonders von den Burggrafen von Dohna und den Birken von der Duba. Auch in der Nähe von Borthen haben diese Burggrafen von Dohna gehaust; denn das blos ⅛ Stunde von Borthen entfernt gelegene Burgstädtel soll ehemals eine burggräfliche Dohnaische Burg oder Grenzfestung gewesen sein und Borthen selbst auch zu der grossen Dohnaischen Herrschaft gehört haben.

Die Nachrichten selbst gehen indess blos bis ins fünfzehnte Jahrhundert zurück, wo dieses Gut Borthen von Heinrich Lange besessen wurde, von welcher Familie es im Jahre 1558 an Hans Christoph von Bernstein gekommen ist, der es bis 1574 behauptet hat. Durch Kauf acquirirte es dann der Rath Christoph von Loss, welcher noch 1636 damit beliehen war. Später erwarben es die Herren von Schönberg. Unter diesen ist der Oberberghauptmann von Schönberg berühmt, der das von Schönberg’sche Haus zu Freiberg baute. Dann folgte im Besitze das Geschlecht derer von Neidschütz auf Röhrsdorf. Der Generalmajor von Neidschütz starb hier im Jahre 1682, dem sein Bruder der Landesdirector Karl August von Neidschütz folgte, welcher aber schon im Jahre 1687 mit Tode abging und derselbe von Neidschütz war, dem auch Mannichswalde gehörte. Nach dessen Ableben überkam das Gut dessen Tochter, Helena von Neidschütz, welche sich im Jahre 1705 mit dem Baron Christian von Meusebach verheirathete, der im Jahre 1716 mit Borthen selbst belieben wurde. Im Jahre 1752 acquirirte es die Frau Oberlieutenant von Troyff und im Jahre 1816 war Graf von Flemming im Besitze des Gutes, von welchem es der Kammerherr, Friedrich Sebastian Leberecht Graf von Wallwitz erkaufte, von welchem es sein Herr Bruder, Georg Friedrich Graf von Wallwitz seit dem 22. Juli 1840 überkommen hat und solches nun mit Gross- und Kleinborthen ganz besitzt.

Das Schloss von Borthen zeigt ein zehn Fenster breites, schönes, bequem eingerichtetes, erst im sechszehnten Jahrhundert neu entstandenes Gebäude mit trefflicher Aussicht, wie es denn auch im Elbthale weit und breit gesehen wird. Der daran stossende Garten – im französischem Geschmacke – ist erst vor 150 Jahren angelegt, und die Parkanlagen erstrecken sich bis in das herrliche Lungwitzthal. Das Gut selbst hat auch eine vortreffliche Schäferei und grosse Brauerei. Es gehört überhaupt zu den stärkeren Gütern Sachsens.

Borthen wird von Dresden aus wegen seiner vortrefflichen Lage häufig besucht und zur Frühjahrszeit und in schönen Herbsttagen zieht Jung und Alt hieher, um an den frischen Blüthen, an den gereiften Früchten sich zu ergötzen und zu laben. Dabei wird bei dieser Wanderung das nahe dabei auf steiler Bergeshöhe liegende Burgstädtel mit der südwärts von diesem Oertchen gelegenen Hummelmühle nicht vergessen und neben heiteren Gesprächen über vergangene Zeiten der Gegenwart sich erfreut und sogar botanisirt. Die Hummelmühle nämlich befindet sich in einem der freundlich schönsten Thäler um Dresden, wo die Tris Sibirica [128] wächst und wo man nicht weit davon noch andere bemerkenswerthe Pflanzen findet, besonders aber: Verbascum Thapsus, Astrantia major, Daphne Mezereum, Prenanthes purpurea, Orchis mascula, Orchis ustalata, Epipactis latifolia, Epipactis ovata, Cypripedium calceolus, Trifolium alpestre, Carex pilulifera u. a. m.

Die hiesige Gegend litt weniger durch den 30jährigen Krieg als durch den siebenjährigen; am schrecklichsten wurde solche aber im Jahre 1813 von den Plagen des Krieges heimgesucht. Ganze Dörfer wurden verbrannt, alle Einwohner geplündert, alles Vieh weggeführt, alle Lebensmittel aufgezehrt, und zuletzt raffte noch die Kriegspest viele, viele Menschen dahin, so dass man auf den ganzen vormaligen Amtsbezirk Pirna den vierzehnten Theil berechnet hat.

Obst wird auch hier, wie in der ganzen benachbarten Gegend, in Menge gebaut. Aepfel, Birnen und Pflaumen sind die gewöhnlichsten Sorten; Kirschen kommen seltener vor. Die Cultur der Wiesen hat in der neuern Zeit sehr zugenommen und der Anbau der Futterkräuter, besonders des Klees, ist bedeutend. Doch könnte die Wirthschaftspflege noch auf einer viel höheren Stufe hier stehen, wenn nicht mit verschiedenen Hindernissen zu kämpfen wäre. Mangel an Gesinde ist ein Haupthinderniss, weil die Schifffahrt, das Strohflechten, welches bis in hiesige Gegend sich erstreckt, und die Pirnaischen Steinbrüche so viel Hände wegnehmen.

Der Korn- und Weizenbau ist hier schon ein vortrefflicher zu nennen und an Flachs gewinnt man den Hausbedarf.

Gross- und Klein-Borthen ist mit Birkwitz, Bosewitz, Burgstädtel, Falkenhain, Gomig, Gommern, Gorknitz, Gross- und Klein-Luga, Gross- und Klein-Sedlitz, Gross- und Klein-Zschochwitz, Heidenau mit der Hofaue, Kottwitz, Krebs, dem Kux, der Lochschenke mit Meisslitz, Meuscha, Mügeln, Nieder- und Ober-Meusegast, Ploschwitz, Sporbitz, Sürssen, Thronitz, Tschieren, Welkau, auch das Dörfchen Weesenstein (aber nicht das Schloss) in die Kirche zu Dohna eingepfarrt, eine Kirche, die sonst sehr reich war und wozu viele Dörfer bei Dresden gehörten.

Diese Kirche zu Dohna, welche im Jahre 1833 meist ganz umgebaut worden ist, besitzt einen 370 Jahre alten, schönen und hohen Flügelaltar. In der mittelsten Abtheilung stehen beinahe in natürlicher Grösse die fünf heiligen Jungfrauen, als: Anna, Katharina, Margaretha, Magdalena, in ihrer Mitte die Maria. Sämmtliche Figuren tragen rothe Gewänder mit goldnen Mänteln, an deren Besatz sich abgebrochene Namen und Worte befinden, und sind, sowie das ganze Altarstück, von Holz geschnitzt und stark vergoldet. Die beiden äusseren Figuren stehen jedoch in einer zu beiden Seiten angebrachten beweglichen Flügelthüre, wodurch während des Katholicismus dieser Altar wahrscheinlich bei gewissen Festen geöffnet und wiederum verdeckt werden konnte. Auf der Rückseite dieser beiden Flügelthüren sind rechts die Verkündigung Maria’s zu Nazareth und die Geburt Jesu zu Bethlehem und links die Erscheinung der Weisen zu Bethlehem und die Heimsuchung Maria’s gemalt. Unter dieser Abtheilung ist die Enthauptung Johannis dargestellt, jedoch mit einem Oelgemälde, das heilige Abendmahl vorstellend, verdeckt. Der sächsische Alterthums-Verein hat eine Copie dieses Kunstwerkes zeichnen lassen und dies Altarstück der Dohnaischen Kirche zu erhalten sich bemüht, was jeder Kunstfreund lobend anerkennen muss.

Das Kunstwerk selbst rührt von der Familie von Bünau auf Weesenstein her.

M. G.