Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Klipphausen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: M. G.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Klipphausen
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 129–130
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Schloss Klipphausen 20120414125MDR.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 193.jpg
[129]
Klipphausen


wurde bis zum Jahre 1528 Röhrsdorf, Klein-Röhrdorf oder Rürsdorf genannt. Damals erbaute Hieronimus von Ziegler ein neues Schloss und nannte es nebst dem Dorfe Klipphausen und fügte es dem Geschlechtsnamen derer von Ziegler bei.

In den früheren Zeiten gehörte es mit Gross-Röhrsdorf und Gauernitz dem Bischof Benno von Meissen, der sich daselbst alljährlich längere Zeit aufgehalten haben soll. Noch heute zeigt man in Schlosse Klipphausen eine Kapelle und die Bischofsstube, und da, wo rauschend im anmuthigen Thale die wilde Sau, als Grenzbach, Dresdens und Meissens Ephorien scheidet, führen freundliche Pfade durch ein Lustwäldchen auf die „Betstein“ oder Bischofskanzel, die noch heute sogenannte Kuppe eines Felsenriffs, welches der fromme Benno bei seiner Anwesenheit oft wallfahrtend besuchte.

Zur Zeit der Reformation kamen die von Ziegler in Besitz, welche von diesem zum Theil neuerbauten Schlosse den Namen Klipphausen in ihren Familiennamen aufgenommen haben. Von denen von Ziegler und Klipphausen ging die Besitzung 1570 an die Familie von Berbisdorf über. Schon 1580 acquirirte es aber der Geheime Rath und Hofrichter im Schöppenstuhle zu Leipzig, Abraham Bock, von welchem es 1630 an die Familie von Ende kam. Im Jahre 1660 wurde der Ober-Consistorialrath Köppel damit beliehen, von welchem es auf dessen Wittwe überging. Von Beiden sind viele milde Stiftungen vorhanden.

Im Jahre 1682 kaufte es der Appellations- und Bergrath, Johann Friedrich Heige, von welchem es auf dessen Sohn Ernst Heige überging. Dann kam das Gut 1722 an die Familie von Kleist, von welcher es 1726 der Kammerherr Alexander von Miltitz auf Scharfenberg übernahm, welcher es nur kurze Zeit besessen hat. Schon im Jahre 1730 fiel es an den Kammerherrn August von Ponikau, welcher zugleich der Erbauer der Kirche in Gross-Röhrsdorf ist. Im Jahre 1747 kam es durch Erbschaft an den Geheimen Kriegsrath August von Ponikau, von welchem es im Jahre 1762 der Freiherr Maximilian Robert von Fletscher acquirirte, der in der Gruft unter der Kirche beigesetzt ist.

Dann ging die Besitzung an das Gräflich Reussische Haus über und zwar an Heinrich LXIII., Fürst Reuss jüngere Linie, Graf und Herr von Plauen. Der derzeitige Besitzer und Herr auf Klipphausen ist Heinrich IV., Fürst von Reuss-Köstritz.

Als Mitbesitzer sind noch zu nennen:

a) Johanna Eleonore Friederike Eberhardine Fürstin Reuss, vermählte[WS 1] Prinzessin Carolath-Schönaich zu Saarbor;
b) Auguste Mathilde Wilhelmine Fürstin Reuss, vermählte Grossherzogin von Mecklenburg-Schwerin;
c) Heinrich VII., Fürst Reuss;
d) Heinrich XIII., Fürst Reuss;
e) Louise Friederike Dorothea, Fürstin Reuss, zu Stensdorf;
f) Heinrich XV., Fürst Reuss zu Kloster Rossleben;
g) Anna Elisabeth, Fürstin Reuss, zu Stensdorf;
h) Heinrich XVI., Fürst Reuss, zu Niesky.

Das altschriftsässige Rittergut Klipphausen mit seiner vorzüglichen Schäferei weithin bekannt, liegt sehr anmuthig ½ Stunde nördlich von Wilsdruf, am wilden Sauflusse.

Die Einwohner bestehen meistens aus Gärtnern und Häuslern; mit Einschluss der Kneipe und der Neudeck-Mühle umfasst der Ort 52 Wohngebäude. Die sogenannte Kneipe besteht aus einigen zur Gemeinde Klipphausen gehörigen Gütern, die wegen der Lage ihrer Grundstücke schon in früherer Zeit ⅛ Stunde weil von dem Dorfe nach und nach abgebaut worden sind und an Sora grenzend, von der Meissen-Wilsdrufer Chaussee bestrichen werden.

Der jedesmalige Besitzer von Klipphausen ist auch Collator über Kirche und Schule von Röhrsdorf, Gross-Röhrsdorf genannt.

In der Nähe der Schule auf dem rechten Ufer des Thalgrundes [130] steigt der aus Pirnaischen Sandstein aufgeführte Thurm am Gotteshause empor, welches innerlich und äusserlich freundlich ausgestattet ist und in weiter Umgegend für das Schönste gilt.

Das Brustbild des Herrn Kammerherrn von Ponikau, des Erbauers der Kirche, ziert in einer Marmor-Blende das Innere der Kirche, und seine sterblichen Ueberreste verwahrt unter dem Altarplatze eine geräumige vermauerte Gruft, nach welcher von Aussen auf der Nordseite eine mit eiserner Thüre versehene steinerne Treppe führt.

Sein Sohn, der Kriegsrath August von Ponikau, gründete eine Kirchen-Bibliothek, für welche, da sie durch fremde Geschenke sich bald vermehrte, über der Sacristei 1750 ein zweckmässiges Lokal erbaut wurde. Zu Gunsten dieser Bibliothek vermachte der Pastor, M. Theodor Wilhelm Schmit, im Jahre 1779 der Kirche 100 Rthl., um von den Interessen alle Jahre ein nützliches Buch anzuschaffen. Dadurch und durch noch andere Geschenke ist diese Bibliothek gegenwärtig bis auf mehr als 1000 Bände gewachsen, worunter manches seltene theologische Werk sich befindet.

Auf der südlichen Seite der Kirche liegen die Pfarrgebäude, nebst dem dazu gehörigen eine Hufe betragenden Grundstücke, welches aus einem Theile des zerstückelten vormals hier vorhanden gewesenen Vorwerkes Gross-Röhrsdorf bestehen soll.

Auf der nördlichen Seile der Kirche befindet sich ein schöner Lindenwald, der am Abhange auf dem Pfarrgebiete von dem Pastor M. Theodor Wilhelm Schmidt angepflanzt worden ist.

Unter den dasigen Pastoren ist der schon im 29. Lebensjahre M. Carl Friedrich Gottlieb Stöckhardt bemerkenswerth, welcher durch sein Schriftchen „Christenthum oder Technologie 1833“ und durch sein Gebetbuch „die Himmelspforte“ (Meissen 1834 und 1835) seine Wirksamkeit über die Grenze seiner Gemeinde hinaus getragen hat. Briefe von ihm mit biographischen Notizen sind 1836 in Meissen gedruckt erschienen.

Das dem hiesigen Rittergute untergeben gewesene Sachsdorf, welches 1 Stunde nordöstlich von Weisstropp, 2000 Schritte nördlich von Wilsdruf, 2¼ südöstlich von Meissen, ziemlich 3 Stunden von Dresden entfernt liegt, ist in die Kirche zu Weisstropp gewiesen.

Dieser Ort wurde mit seinen Unterthanen von Balthasar Ziegler auf Klipphausen im Jahre 1468 einem Hans Tarand abgekauft. Der Ort ruht am Abhänge eines allmählig ansteigenden Gebirges und hat treffliche Fluren und gute Obstgärten. Im Orte ist eine Kapelle, welche den 26. Mai 1614 vom damaligen Weisstropper Prediger, M. Daniel Staupitzer, eingeweiht wurde, und worinnen seitdem der Geistliche der Parochie am Montage nach Reminiscere Predigt, Communion und Fastenexamen hält, auch muss der jedesmalige Schullehrer von Sachsdorf jeden Sonn- und Festtag Nachmittags eine Predigt vorlesen.

Bemerkenswerth ist noch, dass im Kirchenbuche zu Gross-Röhrsdorf im Jahre 1602 ein Mann von 97 Jahren unter den Verstorbenen mit aufgeführt ist, bei welchem besonders die Anmerkung zu finden, dass er das Schloss Klipphausen habe mit bauen helfen.

Klipphausen ist ein bekannter und beliebter Lustort für Wilsdrufs Bewohner, die Sonntags hier in grosser Anzahl zu finden sind.

M. G.     



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ververmählte