Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Burkersdorf

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Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Burkersdorf
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aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 28–29
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Burkersdorf


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Burkersdorf.


Burkersdorf liegt in dem schönsten Theile der Oberlausitz, eine Stunde von der Böhmischen und ebensoweit von der Preussischen Grenze entfernt. Von den Fenstern des stattlichen Schlosses überschaut man die malerischen Gruppen der Böhmischen Gebirgskette, abwechselnd mit dunklen Waldungen und üppigen Wiesen, fruchtbaren Feldern und Pflanzungen, zwischen denen die stattlichen Thürme und freundlichen Häuser vieler Ortschaften der Landschaft den Ausdruck heiterer Gemüthlichkeit verleihen. Im Westen grenzt Burkersdorf mit den ehemals Gräflich Zinzendorfschen, jetzt der Brüdergemeinde zu Herrnhuth gehörigen Gütern, und im Osten raint es mit den Besitzungen des Cisterziensernonnenklosters Marienthal, welches den schönsten Punkt des an romantischen Punkten so reichen Neissethals bildet. Das Rittergut zeichnet sich grösstentheils durch neue und massive Gebäude aus, enthält nebst dem Vorwerk Oberburkersdorf 926 Acker Areal, beträchtliche Fischerei, vorzüglichen Holzbestand, Brauerei, Brennerei und Ziegelei, und übt das Patronat über die Kirche. Die Zahl der Einwohner des Dorfes Burkersdorf beträgt 500 Seelen, welche sich mit Ackerbau und Weberei beschäftigen.

In den ältesten Zeiten gehörte Burkersdorf der Familie von Gersdorf, die es bis zum Jahre 1690 besass, wo das Gut Adolf Ferdinand von Löben auf Schwerta und Volkersdorf erkaufte, von dem es an dessen Schwiegersohn den nachmals berühmten Grafen Moritz von Sachsen gelangte. Der Abbè Perau erzählt in seinen „Reveries, ouvrage posthume de M. Comte de Saxe“ über des Grafen seltsamen Ehestand folgendes: Während der Winterruhe (1712–1713) entschloss sich Frau von Königsmark, ihren Sohn, den Grafen von Sachsen, zu vermählen. Derselbe war 1696 geboren, und folglich sechzehn Jahre alt. Der Graf, seine Zeit zwischen Waffendienst und Galanterie theilend, zeigte wenig Neigung für eine bestimmte Verbindung und sprach seine Abneigung unverhohlen aus. Doch Jugendreize, Stand und Reichthum des Fräuleins Victoria von Löben, welche ihm seine Mutter erkoren, schienen seine Unbeständigkeit zu besiegen, und er wurde ganz gewonnen, als er hörte, dass seine Zukünftige Victoria hiess, ein für einen Krieger zu schmeichelhafter Name, der ihm keinen weiteren Widerspruch gestattete. Die Verbindung wurde mit einem des Dresdner Hofes würdigen Glanze vollzogen. Man hoffte, dass diese Vermählung für beide Theile sehr glücklich sein würde, doch bald folgte dem Liebesglück Abneigung und die Verbindung dauerte nicht lange.

Bei seiner Rückkehr von einem Feldzuge gegen die Türken fand Graf Moritz von Sachsen seine Gemahlin am Hofe. Die bisherige Trennung schien die Abneigung zu vermehren. Die Gräfin selbst trug viel dazu bei, durch unaufhörliche Vorwürfe über des Gemahls Untreue. Hierüber konnte sie sich nicht täuschen, der Graf von Sachsen war in dieser Hinsicht ohne Rückhalt, unfähig sich zu fixiren, liebte er beständigen Wechsel, und gab täglich neue Beweise der Unbeständigkeit. Vergeblich bemühte sich der König, eine Versöhnung der beiden Gatten zu ermitteln, auch die Frau von Königsmark, welche die Heirath gestiftet hatte, schlug sich ins Mittel: diese oft wiederholten Bemühungen bewirkten aber nur, dass der Graf seine Absicht aussprach, nach Frankreich zu gehen.

Der König von Polen hegte Bedenklichkeiten, deren Beseitigung dem Grafen Moritz wenig Mühe machte. Er wurde von dem Favoritminister unterstützt, welcher die Entfernung des Grafen vom Dresdner Hofe dringend wünschte, und daher den König für den Antrag zu stimmen suchte. Der letzte Einwurf des Königs betraf die Gräfin von Sachsen, er stellte dem Grafen vor, wie die Gemahlin nicht geneigt sein würde, ihm in das Ausland zu folgen, und der Eheherr entgegnete, dass er gar nicht beabsichtige ihr solche Anträge zu machen. Er nahm die Gelegenheit wahr, sich lebhaft über seine Abneigung auszusprechen und den König dringend zu bitten, ihm die Ergreifung der Massregeln, welche zu einer förmlichen Ehescheidung führten, zu gestatten. Der König ertheilte seine Erlaubniss, und der Graf zögerte nicht mit der Ausführung seiner Pläne. Schon hatte er geschickte Rechtsgelehrte Augsburgischer Confession, zu der er wie seine Gemahlin gehörte, befragt, doch nach den Gesetzen konnte die Ehescheidung nur durch Beweise des Ehebruchs von dem einen oder anderen Theile erfolgen. Auf der anderen Seite war der Ehebruch ein Capitalverbrechen, welches den Ueberführten der Todesstrafe unterwarf. Diese Schwierigkeit setzte den Grafen nicht in Verlegenheit, denn er war überzeugt, dass die Strafe nie an ihm vollzogen würde; es kam nur darauf an, die Einstimmung der Gräfin zu erlangen, damit die Richter die Scheidung aussprechen konnten. Er selbst unterzog sich, diese Schwierigkeiten zu beseitigen, indem er durch sein Benehmen ihr gleiche Abneigung gegen sich einflösste. In dieser Absicht besuchte er sie auf ihrem Landgute, und brachte sie durch unerhörten Eigensinn und übles Betragen [29] so wider sich auf, dass es zu den beleidigendsten Vorwürfen kam. Um ein Ende zu machen, schlug der Graf die Ehescheidung vor, worauf sie einging, und sich schriftlich bereit erklärte, zur schleunigen Vollziehung dieser Massregel auf jede Weise die Hand bieten zu wollen.

Der Graf, erfreut über den Erfolg seiner Unterhandlungen, ersuchte sie baldigst nach Dresden zu kommen, um dort die Angelegenheit ins Reine zu bringen. Der Ehebruch des Grafen mit einer Kammerfrau, bei welchem man ihn überraschte, wurde von sechs auf die Lauer gestellten Zeugen bestätigt; so hatte die Scheidungsklage Rechtsgrund, und der Gerichtshof sprach die Scheidung aus, in der er zugleich mit voller Strenge den Grafen zur Todesstrafe verurtheilte. Noch an demselben Tage wurde dieser zweite Theil des Erkenntnisses aufgehoben durch ein Begnadigungsrescript des Königs, seines Vaters; der Graf fand dasselbe unter der Serviette, als er sich zur Mittagstafel bei Sr. Majestät niederliess. Einige Zeit nach erfolgter Scheidung heirathete die Gräfin einen Sächsischen Offizier, einen Herrn von Runkel, mit welchem sie in guter Eintracht lebte. Sie starb um das Jahr 1754 und hinterliess drei Kinder; eines aus ihrer ersten Ehe war bald nach seiner Geburt gestorben. Eigenthümlich war es, dass der Graf, als die Dame nicht mehr seine Gemahlin war, diese nicht mehr unleidlich fand, ja sie sogar mit Vergnügen sah. Wenn er nachher verschiedene Male Dresden besuchte, verfehlte er nie ihr aufzuwarten und sie auf die zarteste Weise zu behandeln. Soweit der Abbé Perau; wer über den merkwürdigen Prozess sich genauer zu unterrichten wünscht, findet solchen in Cramers Denkwürdigkeiten der Gräfin Aurora von Königsmark weitläufiger dargestellt.

Der Graf von Sachsen kam in Besitz von Burkersdorf 1713, und behielt dasselbe auch nach erfolgter Trennung von seiner Gemahlin, die im Jahre 1721 stattfand. Von ihm gelangte das Gut an den Königlich Polnischen und Churfürstlich Sächsischen Generalfeldmarschall Grafen von Flemming, der es 1734 durch Tausch dem Königlich Polnischen und Churfürstlich Sächsischen Hofrath, Thomas August von Fletcher, überliess. Nach dessen Tode folgte 1747 als Besitzer von Burkersdorf sein Sohn, der Geheimerath Max Robert von Fletcher, welcher 1794 starb, und das Gut nebst Langburkersdorf, Klipphausen und Jänkendorf an seine einzige Tochter Johanna Friederike Gräfin von Reuss vererbte. Diese Dame vollendete am 28. Juni 1815, und das Gut kam an ihren Gemahl Sr. Erlaucht den Grafen Heinrich Reuss LXXIV., Grafen von Plauen, der dasselbe später an Herrn Johann Gottfried Pfeiffer verkaufte, dessen Sohn Herr Dr. jur. Julius Pfeiffer es noch besitzt.

Die alte Kirche zu Burkersdorf, nach einer unter der Kanzel befindlichen Inschrift im Jahre 1324 erbaut, war in frühester Zeit eine Tochterkirche von Hirschfeld, bildete aber seit der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts mit dem naheliegenden Schlegel eine besondere Parochie. Das ehrwürdige Gebäude, welches fünf Jahrhunderte an sich vorüberziehen sah, besass weder hinreichenden Raum noch das nothwendige Licht, und schon die verstorbene Gräfin Reuss hatte die Absicht, ein neues Gotteshaus zu erbauen, wurde aber durch den Krieg und einen frühzeitigen Tod von der Ausführung ihres frommen Entschlusses abgehalten. Im Jahre 1590 traf der Blitz den Kirchthurm und tödtete den Schulmeister nebst seinem Sohne, und 1781 schlug abermals ein Wetterstrahl in die Kirche, als eben die Gemeinde zum Nachmittagsgottesdienste versammelt war, ohne jedoch Jemand zu verletzen.

Die Nothwendigkeit eines Neubaues der Kirche stellte sich immer mehr heraus, und im Jahre 1846 erhob sich an deren Stelle ein schönes neues Gotteshaus, welches den Ansprüchen einer Landgemeinde völlig genügt. Zum Aufbau der Kirche hatte man bereits eine Collecte von 500 Thalern gesammelt und durch das Testament des edlen Grafen Heinrich von Reuss, empfing die Gemeinde zu gleichem Zweck eine Summe von 3000 Thalern. Das Andenken des Grafen und seiner Gemahlin wird den Bewohnern Burkersdorfs stets heilig bleiben, denn ausser der schon genannten Summe zum Kirchenbau schenkte der edle Mann der Gemeinde auch eine Schuldforderung von 2700 Thalern und ein bleibendes Legat zur Erquickung für Kranke. Die Gräfin erbaute auf eigene Kosten ein neues Schulgebäude, und verwandte auf Reparatur und Verschönerung des Pfarrhauses mehr als 800 Thaler. – Ausser den bereits erwähnten herrschaftlichen Legaten besitzt die Kirche eines von 30 Thalern, gestiftet 1771 vom Pastor Bucher; eines von 100 Thalern für arme Leute in Schlegel, 1798 vom Bauer Steudtner daselbst legirt; 80 Thaler, im Jahre 1812 zu Gunsten des Schullehrers bestimmt; 50 Thaler für das Musikchor, so lange ein solches besteht, und dann für die Kirche, legirt im Jahre 1817 vom Bauer Kunack in Schlegel, als er am Reformationsfeste seine Jubelhochzeit feierte, wo unter den Gästen sich nicht weniger als 103 seiner Kinder und Kindeskinder befanden.

Otto Moser, Redact.