Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Jössnitz

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Textdaten
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Titel: Jössnitz
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 37–38
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V 056.jpg
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Jössnitz.


Die Entstehung von Jössnitz fällt in die Zeit vor dem zehnten Jahrhundert wo die Sorben einen grossen Theil der noch jetzt vorhandenen Voigtländischen Ortschaften gründeten. Nach der Besiegung der Ureinwohner gehörte die hiesige Gegend den Dynasten von Lobdaburg-Elsterberg, welche das Schloss zu Jössnitz aufbauten und dasselbe, als eine Grenzveste, mit einer starken Besatzung versahen. Der Befehlshaber derselben nannte sich nach der ihm anvertrauten Burg einen Herrn von Jössnitz, und wurde später von dem Grafen von Lobdaburg mit der Veste und ihrem Zubehör erblich belehnt. Der erste Ritter von Jössnitz, dessen die noch vorhandenen Urkunden gedenken, war Tuto von Jössnitz, der 1291 zu Gunsten des Klosters Kronschwitz die Lehn über das ihm zustehende Dorf Kummern vor dem kaiserlichen Landgerichte zu Altenburg offen liess. Als einige Besitzungen Heinrich Reuss des Langen durch Tausch an die Markgrafen von Meissen gelangten befand sich bei der 1377 zusammenberufenen Grenzberichtigungscommission auch Peter Conrad von Jössnitz auf Jössnitz und Lossa, und Heinrich von Jössnitz wird 1397 in einer Urkunde genannt, worin Bechtold von Uttenhofen seine Güter dem Kloster der heiligen Clara zu Hof für 380 Pfund Heller verkaufte. Von diesem Heinrich von Jössnitz kaufte Hans von Sparneck auf Weiselsdorf das Gut Jössnitz und überliess einen Theil der dazu gehörigen Grundstücken dem Burggrafen Friedrich IV. von Nürnberg, welcher dieselben nebst dem Dorfe Ahornberg und verschiedenen Rechten, Zinsen, Wiesen, Teichen, Gärten und Höfen ebenfalls dem Clarenkloster schenkte in dem seine drei Töchter Anna, Catharine und Agnes als Nonnen lebten. Von Hans Sparneck kam Jössnitz an einen Herrn von Dobeneck bei dessen Familie das Gut blieb bis um 1444, wo es an Jahn von Dölen kam, der nach einer noch vorhandenen Quittung von seinem Rittergute zwei Gulden achtzehn Groschen an das Kloster Frankenhausen zahlte. In demselben Jahre verkaufte dieser Jahn von Dölen der Aebtissin Anna Rumpfin, der Priorin Anna Haselbach, der Cantorin Luczczen von Selwitz, und dem ganzen Convent zu Frankenhausen ein Schock Meissner Groschen zu Troste der Seele Nikol Haufmanns, anderthalb Gulden rheinisch zum Anniversario Nikolai Voigts, einen Gülden zur Reparatur der Bücher für zehn Schock und fünfzehn Goldgülden und zehn Gulden in Silber. Bürgen für diesen Kauf waren Cunrad von Rewdinicz auf Steinpleiss, Reinold von Schönfels in Ruprechtsgrün und Michael von Jauer in Lichtentanne. Heinz von Dölen wohnte hier um das Jahr 1530. Seine Schwester Margarethe lebte im Kloster Frankenhausen, und verliess mit noch einigen Nonnen dasselbe als 1528 die Reformation dessen Auflösung herbeiführte. Bald darauf heirathete Margarethe von Dölen Sebastian Stedtlern, einen Bürger zu Crimmitzschau und ihrem Beispiele folgten kurz nachher zwei ihrer vormaligen Ordensschwestern‚ Margarethe von Holläufer, welche den Bürger Wolf Koller in Schmöllen und Euphemia von der Pforten, welche den Pfarrer Biedermann zu Neukirchen heirathete. Kurz nach der Reformation gehörte Jössnitz einem Heinrich von Watzdorf. – Jobst Heinrich von Watzdorf besass 1576 ausser Jössnitz auch Röttis, Kauschwitz und Syrau. Sein Sohn, Conrad von Watzdorf, starb 1628 und ihm folgte als Besitzer der Güter Friedrich von Watzdorf, Landeshauptmann des Voigtländischen Kreises um 1660. Dessen Erbe Heinrich Sebastian von Watzdorf war churfürstlich Sächsischer Kammerherr Rath und Hauptmann der Aemter Zwickau, Stolberg und Werdau. Bei seinem 1669 in Zwickau erfolgtem Tode schrieb der Pfarrherr zu Jössnitz Magister Theophil Wild in das Sterberegister folgende originelle Anzeige: „den 7. Januarii frühe Morgen ist zu Zwicka Selig entschlaffen der Weiland hoch-Edelgeborene Gestrenge Vndt Veste Herr Heinrich Sebastian Von Watzdorff uff Röttiss etc. Er war ein überallemaass Discreter Vndt Hochverständiger Herr, ein sonderbahrer liebhaber und Gutthäter der Geistlichen, Vndt ware es ihm nur eine lust Wenn er sollte mit selbigen umbgehen, Vnndt habe ichs an meinem ort selber erfahren indem der S. Herr Hauptmann diese Zeit über da ich unwürdig das Pfarr-Ambt zu Jössnitz versorget so offt Er sich in seinem Rittersitze Röttiss aufgehalten mich alle Zeit gewürdiget an seine Tafel zu ziehen, Vndt mier in allen Stücken hohe ehre Vnndt wohlthat erwiesen die ich nicht genugsam rühmen kann, Vnndt hätte ich Von hertzen gewünschet dieses hohen Patrons leben wäre noch Viel lange Jahr verlängert worden, weiln dergleichen Priesterfreunde unter denen Von Adel anitzo wenig wo nicht gar Keiner in der welt zu finden sindt.“ – Friedrich August von Watzdorf auf Jössnitz, Syrau, Kauschwitz und Röttis war Chursächsischer Kreishauptmann und Commissarius des Voigtländischen Kreises, Appellationsrath und Obersteuereinnehmer; er starb 1749. Bald nach seinem Tode wurde Kauschwitz und Syrau verkauft, und 1842 veräusserte der Kammerherr Otto Friedrich Heinrich von Watzdorf, Landtags-Abgeordneter der Voigtländischen Ritterschaft auch Jössnitz. Der neue Besitzer war ein Herr Johann Gottfried Opitz, von dem das Gut an den dermaligen Eigenthümer, Herrn C. W. von Schlieben, gelangte.

Das noch vorhandene Schloss Jössnitz erbaute 1320 ein Ritter von Jössnitz. Es liegt auf einem in das Thal hervortretenden steilen Hügel und besteht aus zwei Gebäuden, von denen das eine, ein einfaches viereckiges Gebäu auf sehr starken Mauern ruht. Dieses Schloss wurde wahrscheinlich während des dreissigjährigen Krieges durch Feuer beschädigt, denn an der Fronte befindet sich die Jahreszahl 1643, zu welcher Zeit man mit der Reparatur fertig geworden ist. Das Hinterschloss ist eine altehrwürdige mit Thürmchen und Erkern gezierte Ritterburg, welche auf einer Seite durch Gräben und Bollwerke geschützt war und eine Zugbrücke hatte. Der Hussitenkrieg scheint dem Schlosse keinen bedeutenden Schaden gebracht zu haben, [38] um so wilder aber hausten hier die Schweden und Kaiserlichen im dreissigjährigen Kriege.

Die Kirche zu Jössnitz gründete höchst wahrscheinlich der deutsche Ritterorden. Bald nach seiner Entstehung (zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts) wusste sich der Orden im Voigtlande einzuschleichen und wurde von den Grafen von Eberstein, welche die immer mächtiger werdenden Voigte des Plauenschen Hauses zu fürchten begannen, freundlich aufgenommen, da sie von ihm Schutz und Unterstützung gegen die gefährlichen Nachbarn erwarteten. Die Deutschherren wussten durch List den Grafen von Eberstein zu Plauen dahin zu bringen, dass er ihnen die dasige Stadtkirche mit allen Donationen und Rechten überliess, mit welcher letzteren auch das Patronat über eine Anzahl Kirchen verbunden war, und so besass der Orden wenige Jahre nach seiner Ankunft Patronat und Lehen über die zum Theil erst von ihm gegründeten Kirchen zu Strassberg, Jössnitz, Oberlossa, Theuma mit Törpersdorf, Altensalz, Rodersdorf mit Tossen, Schwan, Dröda, Würschnitz, Planschwitz, Taltitz, Leubnitz, Kürbitz, Gailsdorf, Kloschwitz, Pohl und Roda. Nach dem Erwerb der Plauischen Kirche errichteten sie nun bei dieser eine Komthurei, von welcher noch der Komthurhof, die jetzige Wohnung des Superintendenten, seinen Namen hat, deren Bau jedoch erst im Jahre 1274 vollendet wurde. Wie zu Plauen gründeten die Deutschherren 1240 auch zu Schleiz eine Komthurei, ein Ordenshaus und die St. Georgs- oder heutige Stadtkirche, wodurch sie zugleich die Anlage der inneren Stadt Schleiz veranlassten. So kam der Orden zu immer grösserer Macht und hohem Ansehn.

Welche Schicksale die Kirche zu Jössnitz vor der Reformation erlitt ist unbekannt, doch kann sie kein bedeutender Unfall betroffen haben, da 1754 sie ein uraltes baufälliges Gotteshaus genannt wird, „klein und finster, die Fenster nach uralter Art sehr klein und enge und am Altar nur zwei runde Scheiben weit, das Dach mit Schindeln gedeckt und der Thurm mitten auf dem Dache sitzend“. Im Jahre 1755 wurde dieselbe gänzlich umgebaut und zeichnet sich nunmehr durch Freundlichkeit und Geräumigkeit vor vielen nahen Dorfkirchen aus. Der Taufstein ist ein Geschenk des Junkers von Watzdorf vom Jahre 1604. Auf dem Kirchboden entdeckte man 1837 ein altes Gemälde, den Kampf des Ritters Georg mit dem Lindwurme darstellend, welches seit langer Zeit mit Staub und Schmutz überzogen unbemerkt in einem Winkel gelegen hatte. Da das Bild von Werth zu sein schien brachte man es zu näherer Untersuchung nach Plauen und später nach Dresden, wo der Kunstverein es sofort als einen trefflichen Lucas Cranach erkannte. Nach geschehener Restauration soll das Gemälde dem Alterthumsvereine zu Dresden überlassen worden sein um es der im Palais des grossen Gartens aufgestellten Sammlung beizufügen.

Wie dieses merkwürdige Bild in die Kirche zu Jössnitz kam ist unbekannt, auf jeden Fall irren aber diejenigen, welche glauben, dass es aus der alten Liekirche hierhergekommen sei, denn diese lag zu Cranachs Zeit bereits in Ruinen. Diese Liekirche stand nämlich in einiger Entfernung von Jössnitz auf einer jetzt mit Holz bewachsenen weit über das Voigtland und Erzgebirge hinschauenden Anhöhe und war ein Gestift der Herren von Tettau. Die Volksage erzählt, dass einst auf dieser Höhe ein Lindwurm hauste, der täglich einen Menschen aus dem zunächst liegenden Orte zum Frasse verlangte, bis ein Jüngling aus Syrau, dessen Braut zum nächsten Frühstück des Ungeheuers dienen sollte, mit dem Muthe der Verzweiflung den gefrässigen Wurm in seinem Schlupfwinkel aufsuchte und mit Hülfe Gottes und des heiligen Georgs glücklich erlegte. Aus Dankbarkeit erbaute das Brautpaar auf der Höhe, wo der Wurm gehaust hatte, die Lindwurmkapelle, welche man später Liekirche nannte. Eine andere begründetere Sage ist, dass man in dem alten zusammengestürzten Gemäuer zu Ende des sechszehnten oder vielleicht auch zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts eine kleine Glocke ausgrub, welche jetzt als vierte Glocke auf dem Kirchthurme zu Syrau hängt und in Mönchsschrift die Worte enthält: „Hilf her got uns aus Not.“ Die Anhöhe, wo das Kirchlein stand, heisst noch jetzt die Liekirche, welcher Name ohne Zweifel aus „Unserer lieben Frauen Kirche“ entstanden ist.

Prediger und Pastor in Jössnitz ist der jedesmalige erste Lauddiakonus in Plauen, welcher deshalb auch nicht in Jössnitz sondern in Plauen wohnt. Für sein Fortkommen nach Jössnitz, welches eine starke Stunde nördlich von Plauen an dem Communikationswege nach Elsterberg liegt, und überhaupt für seine amtlichen Wege ausserhalb Plauens, muss der Rath dieser Stadt, als Verwalter der Deutschherrenstiftung, dem Diakonus ein Pferd halten, welches urkundlich „ein leidlicher Reitklepper“ sein muss. Das Patronat über die Kirche zu Jössnitz steht dem ersten Pfarrer zu Plauen als Nachfolger der ehemaligen Komthure des Deutschherrenordens zu. Eingepfarrt sind in dieselbe ausser Jössnitz auch das Dorf Röttis, die Bartmühle und das Lochhaus.

Jössnitz hat gegen vierhundert Einwohner, darunter sind dreiunddreissig begüterte Personen und neun Häusler. Unter jenen sind acht, welche eine ganze Hufe, vier, welche eine halbe Hufe, sechs, welche eine Achtelhufe besitzen und elf sogenannte Kuhhäusler, das heisst, solche Grundbesitzer, welche wegen ihres geringen Areals nur einige Kühe halten können und kein Gemeinderecht haben. Einem Bauerhofe zu Jössnitz lag bis zur Zerstörung des Ebersteinischen Schlosses in Plauen durch die Hussiten (1430) die Verpflichtung ob in die Capelle desselben alljährlich ein Pfund Wachs zu Kerzen auf den Altar zu zinsen, und nach einem aus dem Jahre 1503 noch vorhandenen Register der Balley Thüringen, unter welcher die hiesigen Deutschordensbesitzungen standen, gehörten zu den reichen Gütern des Ordens auch fünf Bauerhöfe in Jössnitz. – Die Zahl der Kinder, welche die Schule zu Jössnitz besuchen, beläuft sich auf etwa achtzig.

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