Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Klösterlein

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Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Klösterlein
Untertitel:
aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 175–176
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 271.jpg
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Klösterlein


das Rittergut steht an der Stelle des säcularisirten Augustinerklosters Neuzelle und ist aus dessen wichtigsten liegenden Gründen gebildet, woher auch sein Name rührt.

Dieses Kloster Neuzelle stifteten die Markgrafen Otto der Reiche und sein Bruder Dedo der Fette, gewöhnlich Graf von Rochlitz, besser wohl Markgraf der Lausitz genannt.

Sie machten es zu einem Filiale des Mauritius-Klosters von Naumburg und dotirten es mit 60 Hufen Landes, welche jedoch fast insgesammt den Klosterleuten gehörten d. i. den Leuten, welche das Dorf Zelle anlegten, einigen Bewohnern von Aue und einigen Bauern in Zschoken, nämlich denjenigen, welche später unter Wildenfels standen. Das Kloster selbst gehörte unter des Naumburger Bischofs geistliche Gerichtsbarkeit.

Schirmvoigte desselben waren in der letzten Zeit die Herren von Wildenfels, sofern sie wegen zugekaufter Stücke Vasallen der Grafschaft Hartenstein waren; daher kommt es, dass die Zschokauer Klosterleute zur Herrschaft Wildenfels kamen und dass das Dorf Zelle jährlich 12 Hühner, ½ Schock Käse und ½ Sippmaas Mohn nach Wildenfels entrichten musste. [176] Neuzelle wurde das Kloster von Otto genannt, zum Unterschiede von dem 10 Jahre früher bei Nossen errichteten Zelle (Altenzelle) und es ist wohl nicht richtig, wenn man, wie es häufig geschehen ist, den Namen Altenzelle dem Kloster Neuenzelle in der Niederlausitz entgegengesetzt glaubt, da dieses erst später als unser Neuenzelle gestiftet wurde.

Unser Neuenzelle wurde auch Kloster Aue genannt, weil das hiesige Thal schon längst den Namen der Aue geführt hatte. Da das Kloster einen Propsteihof am linken Ufer des Schwarzwassers hatte, so bildete sich hier durch starken Anbau von Klosterbauten, das nachherige Städtchen Aue. Durch Missverstand haben hernach Viele nach dieser Stadt selbst ein Kloster oder ein niederes Stift gesetzt wissen wollen.

im Jahre 1429 wurde das Kloster von den Hussiten fast gänzlich zerstört und nach dessen Säcularisirung 1533 in ein Rittergut verwandelt, mit welchem wir Anton Kelner zuerst beliehen finden. Nach ihm kam es an Hans Biener, welcher zugleich mit dem Kohlenbergbau in der Planitzer Gegend belehnt und erster Münzmeister in Dresden war. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts war Besitzer des Rittergutes Herr Eleazar Schleher von Nimke, dann scheint es an die Herren von Schönburg-Hartenstein gekommen zu sein. Denn Herr Otto Ludwig von Schönburg-Hartenstein trat die Obergerichte über Klösterlein und Zelle am 4. August 1681 an Hans Heinrich von Wolfersdorf ab. Von der Familie von Wolfersdorf kam das Gut im 18. Jahrhundert an das Geschlecht derer von Brandenstein, von welcher es im Jahre 1848 Carl Gotthelf Mehnert acquirirte.

Das Rittergut ist mittlerer Stärke, hat aber ausgezeichnet schöne seit dem Jahre 1816 neuaufgeführte, mit Blitzableitern versehene Gebäude, welche vom Auischen Berge herab eine herrliche Ansicht gewähren. Das grosse, zierliche Herrenhaus trägt ein Thürmchen mit einer Schlaguhr. Das Gut hat Schäferei, Fischerei im Fluss und in mehreren kleinen Teichen. Mit dem Rittergute Klösterlein hängt das ½ Stunde lang sich ausdehnende Dorf Zelle zusammen, wozu man auch den mitten im Klösterlein gelegenen Zellerhammer rechnet. Dieses Zelle, welches mit seinen 68 Häusern und 600 Einwohnern am rechten Ufer theils des Schwarzwassers theils der mit diesem vereinigten Mulde liegt und vom Blaufarbenwerke zu Niederpfannenstiel bis zum Rittergute Klösterlein sich ausdehnt, zeichnet sich dadurch vorzüglich aus, dass das weibliche Geschlecht dieses Dorfes fast durchgängig schön zu nennen ist.

Unter dem Zellerhammer steht die kleine Kirche von Klösterlein, ehemals eine Pfarrkirche, in welche ganz Schlema gepfarrt war, seit der Reformation ein Filial von Schlema.

In dieser Kirche liegen die vielen Propste des Klosters von 1173 bis 1533 begraben.

Die Kirche ist mit einem schönen Altargemälde, das Abendmahl Jesu darstellend, sowie mit mehreren an beiden Seiten der über dem Altar sich erhebenden und aus Holz künstlich geschnitzten Kanzel befindlichen Oelgemälden, welche Scenen aus der Leidensgeschichte Jesu darstellen, versehen.

Es wird hier im Sommer an jedem Sonn- und Festtage abwechselnd ein Mal Vor- das andere Mal Nachmittags; im Winter aber nur alle 14 Tage Vormittags Gottesdienst gehalten. An den Sonntagen, wo kein Gottesdienst Stadt findet, wird von dem Schullehrer in der Schulstube zu Zelle eine Betstunde Vormittags mit Vorlesung einer Predigt gehalten.

Zur Erhaltung des Gebäudes ist von dem vorigen Besitzer Herrn Karl Erdmann von Brandenstein ein Kapital von 600 Thlr. legirt.

Bei dieser Kirche findet man auch bisweilen alte Münzen, von den theils nach Zelle theils nach Grünheim[VL 1] Wallfahrenden herrührend.

Die Schule der Filialgemeinde ist in Zelle ziemlich in der Mitte des Dorfes gelegen und wird von 130 Kindern besucht. Sie besitzt ebenfals ein Legat von 1800 Thlrn., welches von demselben von Brandenstein herrührt, welcher das Legat der Kirche vermacht hat.

Ausserdem besitzt diese Schule auch noch eine kleine Schulbibliothek, welche vom Privatgelehrten Heinze aus Leipzig stammt.

Klösterlein ist eine Stunde von Schneeberg, von Schwarzenberg und Grünhain 2½ Stunde, von Lössnitz ¾ Stunde entfernt.

Die Einwohner von Klösterlein mit Zelle treiben theils Ackerbau, indem auf letztern Orte sich 12 Bauergüter befinden, theils gehen sie auf Tagearbeit ins Rittergut Klösterlein, nach Lössnitz, Aue, theils verdienen sie in den Fabriken zu Aue und Auehammer ihr Brod, theils sind sie Blaufarbenarbeiter, die zum Blaufarbenwerke Niederpfannenstiel gehören; auch giebt es mehrere Handwerker in Zelle.

In der Mühle vor Zelle wird vorzüglich gemahlen und Oel bereitet, während die Mühle zu Klösterlein vorzüglich Schneidmühle ist. Die Weiber und Mädchen arbeiten zum Theil in den Fabriken, zum Theil klöppeln und sticken sie.

Klösterlein mit Zelle hat 75 bewohnte Gebäude mit 664 Einwohnern, und gehören beide Orte zum Gerichtsamte Schneeberg.
M. G.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Grünhain