Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Lichtentanne

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Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Lichtentanne
Untertitel:
aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 188–189
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 291.jpg
[188]
Lichtentanne


an der Strasse von Zwickau nach Plauen, 1½ Stunde südwestlich von Zwickau an dem östlichen Arme der Pleisse gelegen, der aus dem Lindenbrunn bei Ebelsbrunn entspringt, wie dies bei der nachfolgenden Beschreibung von Tannhof näher beleuchtet werden wird.

Woher der Name herzuleiten ist, dürfte unermittelt sein, wenn man nicht annehmen will, dass solcher von der herrlichen Aussicht herstammt: denn wenn man den Lichtentanner Berg überstiegen hat, so wird die Aussicht nach Zwickau zu und nach der ganzen Umgegend auf 3 Stunden weit schön und licht.

In Lichtentanne sind 2 Rittergüter, welche zusammen bis zum 17. Jahrhundert Denen von Gauern gehörten, von dem einen waren spätere Besitzer die Familien von Rabe, Grempel, Neander und Oehler, von welchem es an einen gewissen Ehrler kam; das andere, dem unsre Beschreibung gilt, war eben bis zum 17. Jahrhundert in dem Besitze der Herren von Gauern, von welchen es an die Familie Meurer gelangte.

Später acquirirte das Gut die Familie Heckel. Von dem Vater Wilhelm Heckel gelangte es an dessen Sohn Anton Herrmann Heckel, welcher solches jetzt noch besitzt.

Zu unserem Gute gehörte das Dorf Brand, wovon wir weiter in der nächsten Beschreibung von Tannhof sprechen werden.

Die Gutsgebäude sind in vortrefflichem Zustande und in der Neuzeit ungemein verschönert worden, so dass dieselben einen schönen Anblick gewähren, wie die Abbildung näher besagt.

Beim Gute befindet sich eine gute Schäferei und Brennerei, Felder, Wiesen und Holzungen gehören schon der bessern Bodenclasse an, in den Teichen werden grosse und feinschmeckende Karpfen gezogen und die zum Gute gehörigen Steinbrüche sind nicht unbedeutend.

Die Viehzucht ist in einem ausgezeichneten Zustande, der Obstbau aber hier schon ein vortrefflicher zu nennen.

Lichtentanne gab für Lohrmanns Höhenmessungen eine Station ab. Nach demselben erhebt sich die Lage des Orts im Thale 900, auf der Höhe 1000 Fuss über die Nordsee.

Das Dorf verbirgt sich grösstentheils im Thale. Von der nordöstlichen Anhöhe erblickt man das Muldenthal in einer Breite von einer, in einer Länge von vier Meilen und im Mittelpunkte dieser schönen Gegend die Stadt Zwickau.

Das Dorf, mit Einschluss dreier eingepfarrter Orte, zählt gegen 1250 Bewohner in 180 Häusern, nehmlich incl. 2 Rittergüter und des Gutes Tannhof, 35 Bauerhöfen, 34 Garten und 105 Kleinhäusern, einer Pfarre, einer Schule und einem Gemeindearmenhause.

Die unbegüterten Einwohner nähren sich theils durch Handwerke, theils durch Handarbeit.

Von den nach Lichtentanne eingepfarrten Dörfern, Tannhof mit 32 Häusern, Brand mit 25 Häusern, Vorholz mit 23 Häussern, bildet nur Tannhof eine eigene Gemeinde.

Das Collaturrecht für Pfarre und Schule ist mit dem Besitze des Schlosses Alt-Schönfels verbunden und befindet sich also bei den Senioren des von Römerschen Geschlechts.

Die Kirche von Lichtentanne war in der Zeit von 1644 bis 1662 Filial von Steinpleiss, worauf solche ihren eignen Geistlichen erhielt.

Die Kirche ist alt, und für die Zahl der Bewohner des Kirchspiels eigentlich zu klein, ob schon mehrere Einbaue gemacht worden sind, um dieselbe zu vergrössern. Sie enthält ausser einigen Epitaphien einen antiken geschnitzten und vergoldeten Flügelaltar mit 3 Figuren, von welchen die mittlere St. Barbara, der die heilige Anna und Johannes der Täufer zur Seite stehen, gleich dem darunter gemalten Ecce Homo nicht ohne Werth ist, auf der Rückseite sind St. Georg und Christoph gemalt. In derselben befindet sich eine schöne Orgel von Trampeli erbaut.

Pfarre und Schulgebäude sind in gutem Zustande, ersteres ist 1749, letzteres 1832 erbaut.

[189] Unter den dasigen Geistlichen ist vorzüglich Christian Gottlieb Michaelis seiner Zeit als theologischer Schriftsteller bekannt, welcher 1773 Superindent in Greiz wurde.

Durch eine Stiftung der Herren von Gauern, die überhaupt sich um die hiesige Gegend verdient gemacht haben, muss der Schlossprediger von Altschönfels in Lichtentanne während der Fastenzeit alle Wochenpredigten halten.

Vor den Herren von Gauern sollen die beiden Rittergüter Lichtentanne und Tannhof zu dem Rittergute Altschönfels gehört[WS 1] haben, doch sind die Nachrichten hierüber nicht gewiss, denn im 30jährigen Kriege ging das sehr wichtige Schlossarchiv zu Altschönfels zu Grunde, wodurch die genaueren Nachrichten alle verloren gegangen sind, so dass man blos aus anderen vorgefundenen Aktenstücken Vermuthungen über dieses oder jenes frühere Verhältniss anzustellen vermochte.

M. G.     



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: gedört