Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Medewitz

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Textdaten
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Autor: Moritz Grimmel
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Titel: Medewitz
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aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 131–132
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854–1861
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
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Medewitz


[131]
Medewitz.


Medewitz, 3 fünftel Stunden von Gaussig, 3 Stunden südwestlich von Bautzen links ab von der Strasse nach Dresden auf der meissnischen Grenze zwischen Bautzen und Stolpen gelegen.

Das hiesige Rittergut hatte früher seine Oeconomie an die Unterthanen verpachtet, wodurch die Bewirthschaftung der Felder und Wiesen sehr verbessert worden ist.

Zwischen dem Rittergute und dem Dorfe gab es sonst immer Streit über die meissnische und Oberlausitzer Landesgrenze, welche erst im Jahre 1704 richtig ausgemessen und durch Rainsteine bezeichnet wurde.

Medewitz ist ein sehr alter Ort; aber wohl irrthümlich als ein solcher bezeichnet, welcher im Jahre 1254 von Heinrich dem Erlauchten dem Kloster der Magdalenen-Nonnen in Hayn eigenthümlich überlassen worden, wenigstens finden sich in der Geschichte des hier in Frage kommenden Medewitz keine Nachrichten darüber.

Seit den frühesten Zeiten hatte Medewitz mit Gaussig nur einen Besitzer. Die von Haugwitze finden wir zuerst hier. Dann kam es im Jahre 1642 an die von Kiesenwetter, von welchen es an Rudolph von Neitschütz überging. Letzterer war mit einer von Haugwitz verheirathet und dessen Gemahlin hat auch das Gut selbst bis zum Jahre 1713 besessen. Von der von Neitzschütz geb. von Haugwitz acquirirte das Gut ein Graf Rudolph von Keiserling, welcher im Jahre 1764 mit Tode abging. Nach dessen Tode folgte im Besitze Graf Andreas Riaucour, welcher nach seinem Ableben das Gut seiner Gemahlin Frau Gräfin Henriette von Schall geb. Gräfin von Riaucour hinterliess. Nach dem Tode der Letzteren wurde Medewitz mit Gaussig, Dehmen, Drauschkowitz und dem Vorwerke Brösang Gräflich Schall-Riaucoursches Familien-Fidei-Commiss, wozu auch Ober- und Nieder-Malschwitz, Crostau, Rodewitz mit Sonnenberg, Eulowitz, Bederwitz, Golenz, Guttau, Gleina, Wartha, Putzkau, Tröbigau, Neundorf, Zockau und Günthersdorf gehören. Der Hauptsitz von diesem Majorate ist in Gaussig.

Der jetzige Besitzer ist der Reichsgraf Carl August Andreas Schall-Riaucour, Sohn des weil. Kurpfälzischen Gesandten am Kursächsischen Hofe.

Erstrer war vermählt mit der Reichsgräfin Seinsheim, welche am 17. Febr. 1845 verstorben ist.

Die aus dieser Ehe entsprossenen Kinder sind:

1) Isabelle Henriette Philippine Louise, geb. den 4. Nov. 1829.
2) Anna Maria Clementine Amalia Theodora, Hofdame der Kronprinzessin Albert von Sachsen, geb. 1820.
3) Carl Borromäus August Andreas Michael Hermann Clemens, geb. den 29. Sept 1834.
4) Maximilian Joseph Ludwig Andreas Hilarius Maria, geb. den 13. Jan. 1837.
5) Otto Hermann Rochus Gabaleon Johannes, geb. den 22. Juni 1838.
6) Caroline Lucilie Ludovica Eugenia Maria Salome, geb. den 15. Jan. 1840.
7) Maria Anna Leopoldine Clementine Kunigunde, geb. den 2. März 1841.
8) Noritz Clemens Maria Wolfgang, geb. den 30. Jan. 1845.

Die Schwester des Herrn Reichsgrafen Karl August Schall-Riaucour, Caroline geb. 1799 ist mit dem Marquis de la Rochefoucauld Liancour vermählt.

Das Schloss von Medewitz hat eine innere bequeme prächtige Einrichtung; das Aeussere desselben zeugt von dem guten Geschmack und von dem Kunstsinn seiner Besitzer, die zugleich als wahre Wohlthäter der Menschheit zu allen Zeiten sich bethätigt haben, wie die vielen hier vorhandenen Stiftungen einen deutlichen Beweis abgeben.

Der an das Schloss stossende Garten zeugt ebenfalls von der Sorgfalt, die von den Besitzern darauf verwendet worden ist.

[132] Im Orte befinden sich 8 Halbgärtner, 15 Häusler und 1 Schenke, wovon die ersteren mit der Oeconomie sich beschäftigen, die letzteren im Rittergute stets hinreichende Beschäftigung zu ihrem Lebensunterhalt finden können.

Medewitz ist nach Gaussig eingepfarrt. Diese Kirche würde für die Hineingepfarrten nicht geräumig genug sein, wenn letztere nicht aus Wenden und Deutschen beständen, und demnach bei jedem Gottesdienste, der an jedem Sonn- und Festtage in wendischer und deutscher Sprache gehalten wird, getheilt wären.

In der Kirche befindet sich ein schönes Denkmal des Generallieutenant Rudolph von Neitschütz, bestehend in einer herrlich gearbeiteten Kriegsarmatur; ausserdem noch 3 unbedeutende, als: des Herrn Caspar von Haugwitz, des Herr Gottfried von Gersdorf und des Herrn Hans Heinrich von Kiesewetter. Auch hängt an einer Mauer daselbs eine ritterliche Ehrentafel des weil. Herrn Christoph von Salisch und Grossgraben auf Gersdorf und Schlunkwitz. Diese Tafel enthält den Sahlischen adlichen Stamm von des Vaters Linie und den Sahlischen adlichen Stamm von der mütterlichen Seite.

Im Jahre 1825 schenkte die Frau Gräfin Henriette von Schall-Riaucour der hiesigen Kirche ein gesticktes blaues Altar- und Kanzeltuch mit gelbseidenen Borden und dergleichen Franzen und im Jahre 1836 der jetzige Herr Collator Herr Carl von Schall-Riaucour ein mit gutem Golde staffirtes Crucifix und[WS 1] drei dergleichen Altarleuchtern.

Die Pfarrwohnung ist im Jahre 1751 neu gebaut. Sie ist massiv und mit Ziegeln gedeckt.

Vor der Reformation hatte der Pfarrer in Göda das hiesige Postorat zu vergeben. Als aber der letzte katholische Pfarrer in Göda, Johann Temmler im Jahre 1557 heimlich davon ging und ein evangelischer Pfarrer daselbst eingesetzt wurde, so sagte der Decan, Johann Leisentritt den damaligen katholischen Pfarrer Lucas Jentzsch vom Gehorsam gegen den nun protestantischen zu Göda los. Jentzsch war noch im Jahre 1575 auf seinem Posten, hat aber dann weichen müssen. Die Zeit, wenn ein evangelischer Nachfolger hier eingesetzt worden, ist nicht recht genau zu ermitteln.

Auch eingeschult ist Medewiz nach Gaussig mit den Orten Birkerrode, Brösang, ein Theil von Diehmen, Drauschkowiz, Golenz, Katzschwiz, Neu-Katzschwiz, Tuschermühle, Cossern, Günthersdorf, Naundorf, und Zokau.

Uebrigens ist Medewiz noch durch seine Obstcultur berühmt und jeder Häusler hier besizt seine eigene Baumschule.

Vor der Einführung der neuen Gerichtsorganisation gehörte zu Medewiz das Dorf Birkerode.

Jetzt sind Medewiz und Birkerode dem Gerichtsamt Bischofswerda, dem Bezirksgerichte Bautzen, der Amtshauptmannsschaft und dem Regierungsbezirke Bautzen zugetheilt.

Medewiz für sich allein hat 29 bewohnte Gebäude mit 39 Familienhaushaltungen und 152 Einwohner; dagegen Birkerode oder Bickerode nur 19 bewohnte Gebäude mit 19 Familienhaushaltungen und 78 Einwohnern.

M. G.     




Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: und