Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Ossa

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Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Ossa
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 213–214
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Ossa


2¼ Stunde westsüdwestlich von Rochlitz, 1 Stunde südlich von Geithayn, 1¼ Stunde ostwärts von Kohren und 3 Stunden nordnordwestlich von Penig, in einer sehr anmuthigen, hügeligen, stark coupirten Gegend, welche durch eine Menge kleiner Holzungen sehr abwechselnd wird und ziemlich fruchtbar ist, zu beiden Seiten des Osser Baches, am Wege von Kohren nach Rochlitz, von 600 bis zu 700 Pariser Fuss über dem Meere.

Ossa ist ein sehr alter, von den Sorben erbauter Ort und ward später das Stammhaus derer von Ossa (oder Ossen), einer in Sachsen schon längst nicht mehr ansässigen Familie, welche das Gut bis zum 10. Mai 1570 besass.

Ein Hans von Ossa war 1482 im Besitze des Vorwerks Kleinganzig. Die Wappen derer von Ossa waren 3 rothe Kugeln im schwarzen Grunde und auf dem Helm ein Paar Adlerflügel. Auch der berühmte Melchior von Ossa wurde hier geboren. Von dem letzteren von Ossa kam das Rittergut an den Kanzler Dr. Wenzel von Neumann. Nachher acquirirten es die Herren von Schweinitz und dann die von Werdern, worauf Adolph Nicolaus Sahren von Sahr succedirte, von dem es 1703 Christoph aus dem Winkel übernahm. Dann folgte Hans Christoph von Wolfersdorf und diesem Wilhelm Christian von Brandenstein, worauf es die Familie Bastineller in Lehn erhielt.

Diese Familie stiftete ein schönes Stipendium, welches das Collegium Professorum in Leipzig conferirt.

Später übernahmen das Gut 3 Brüder von Bastineller. Unter diese wurde der Besitz des Rittergutes so getheilt, dass dem zuerst genannten die eine Hälfte, den beiden letzten dagegen die andere Hälfte angehörte.

Das Gut hat seine wohl eingerichteten Gebäude, welche ihrer sonderbarer Vertheilung wegen vier Höfe bilden, am steilen Abhange des Berges; mitten innen steht das 8 Fenster breite und gegen Nord 3 Geschoss hohe Herrenhaus, welches auf den Grund des alten Schlosses gebaut ist und einer angenehmen Aussicht geniesst. Die Schäferei ist nicht von so grosser Bedeutung. Das Gut hat aber nicht geringe Waldungen und schöne Fischerei.

Das Rittergut wurde unterm 12. Juni 1679 für schriftsässig erklärt und mit Ritterpferden verdient. Schriftsässig gehörten ganz Kolkau, Seifersdorf und der grössere Theil von Niederpirkenhayn dazu.

Die Kirche von Ossa steht dicht über dem Rittergut, auf einer steilen Höhe, gegen 40 Ellen über der Schmiede, und ist ein altes, aber nicht grosses Gebäude, dem aber der hohe Thurm ein grossartiges Ansehen verleiht. Sie steht auf einer hoch aufgebauten Terrasse. Hieher gepfarrt sind Bruchheim, Kolkau, Nieder- und Oberpirkenhayn, Seifersdorf und Wenig-Ossa oder Wink-Ossa.

Der Gottesacker ist weit von der Kirche durch den Rittergutsgarten davon getrennt am östlichen Ende des Dorfes.

[214] Die Pfarrwohnung steht der Kirche gegenüber, sie hat wenig Ansehen von aussen, ist innen aber gut und geräumig.

Die Collatur über Pfarre und Schule steht natürlich dem Rittergute zu. Eingepfarrt nach Ossa sind Bruchheim, Kolkau, Niederpirkenheyn, Oberpirkenheyn, Seifersdorf und Wenig-Ossa.

Unter den Mühlen ist die Holzmühle gegen Südost etwas abgelegen, die Niedermühle aber mit einer Bretmühle versehen und durch zwei nicht unbedeutende Rittergutsteiche vom Dorfe getrennt.

Die Unterthanen von Ossa haben fast gar kein Feld, sondern nur einige Pachtäcker. Sie nähren sich mit etwas Spinnerei und Weberei, übrigens aber mit Tagelöhnerei. Auch ist im obersten oder östlichsten Theile des Ortes ein Wirthshaus und im Thale eine Schmiede.

Der Osserbach entspringt in dem hochgelegenen Ort Moosdorf bei Wechselburg, wo er anfangs einen seichten Grund bildet. Er berührt auf seinem 3 Stunden langen, meist westlichen, bei Ossa aber fast nördlichen Laufe die Dörfer Seifersdorf, Ossa, Kolkau, Syhra und Thaisdorf. Hier tritt er bald in den Streitwald ein und mündet[WS 1], nachdem er sich mit der Sprotta vereinigt, bei Wolftitz in die Wiehra. Er treibt 6 Mühlen. Sein Thal ist überhaupt sehr anmuthig und zeigt gewöhnlich auf irgend einer Seite steile und bewaldete, auf der andern flach ansteigende Höhen, welche die lieblichsten Wiesen und hübsche Dörfer einschliessen.

Die Einwohner von Ossa, welche in 19 Häusern leben, gehören dem Gerichtsamte Geithain an.

Die meisten Häusler nähren sich von Handarbeit, die sie auf dem Rittergute finden, in Ossa giebt es unter ihnen auch mancherlei Handwerker.

Nachträglich ist noch zu erwähnen, dass in der Parochie 2 Schulhäuser, nämlich 1 zu Ossa und 1 zu Seifersdorf sich befinden. Das zu Ossa ist etwas über 100 Jahr alt und wurde vor einigen Jahren theilweise erneuert. Das zu Seifersdorf ward 1838 neu erbaut und am 16. October desselben Jahres eingeweiht. Zu dem gebildeten Schulbezirke gehört ausser Seifersdorf der nach Wickershain eingepfarrte Ort Narsdorf. Die Zahl der Kinder, welche die Schule zu Ossa besuchen, beträgt 133 und das Schulgeld ist auf 143 fixirt, wozu noch eine Entschädigung von 12 Thlr. für den Gregoriusumgang kommt.

Die Vereinsschule zu Seifersdorf wird von 63 Kindern besucht, worunter 40 aus Narsdorf.

Ehedem besass das Rittergut Ossa einzelne Güter und Gerechtsame in der nahe liegenden, zur Parochie Kohren gehörigen Dörfern Walditz, Linda und Meusdorf.

Diese wurden aber sämmtlich, nebst den sogenannten Hammelbirken, an die Herren von Einsiedel verkauft, mit denen die Besitzer von Ossa nachmals öfters in Streitigkeiten verwickelt waren.

M. G.     



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: mindet