Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Seusslitz

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Textdaten
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Autor: O. M.
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Titel: Seusslitz
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 53–54
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 079.jpg
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Seusslitz.


Seusslitz, auch Altseusslitz, in Urkunden auch Suseliz und Siuselitz genannt, liegt in einem weiten schönen Thale zwischen Lommatzsch und Grossenhain, von jeder dieser Städte, wie auch von Meissen, nur eine Stunde entfernt. Schon in früher Zeit mag Seusslitz ein sehr nahrhafter Ort gewesen sein, denn im sechszehnten Jahrhundert wird er in einem alten Gerichtsbuche „Stadt und Städtlein“ genannt, andere handschriftliche Urkunden erwähnen Richter und Schöppen des Städtleins, und nennen die geschworenen Männer desselben, ohne dass jedoch eine andere Spur vorhanden wäre aus welcher das vormalige Stadtrecht Seusslitzs nachgewiesen werden könnte. Höchst wahrscheinlich wurden, durch das hiesige Kloster veranlasst, zu Seusslitz wichtige Jahrmärkte abgehalten, wodurch im Orte gewisse städtische Einrichtungen stattfanden die zu jenen urkundlichen Angaben führten. Die Einwohnerschaft zu Seusslitz nährt sich hauptsächlich von Wein- und Obstbau, sowie durch Schifffahrt auf der nahe vorüberfliessenden Elbe; das Bier aber, welches auf hiesigem Rittergute gebraut wird, zeichnet sich durch seine vorzügliche Güte aus und wurde noch vor zwanzig Jahren weithin verfahren.

Seusslitz war im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts Stammsitz eines adligen Geschlechts, der Herren von Seusslitz, die urkundlich zuerst 1205 erwähnt werden. Ein Ahne unseres Königshauses, Heinrich der Erlauchte, dem auch das gegenüberliegende Schloss Hirschstein bisweilen als Wohnsitz diente, hielt vom Jahre 1256 an sehr oft auch auf dem Schlosse zu Seusslitz Hof, und noch sind eine grosse Anzahl von Urkunden vorhanden die der Markgraf hier ausstellte. Markgraf Heinrich der Erlauchte war ein sehr frommer Herr und als ihm einst einfiel, dass in seinen Landen der Orden der heiligen Clara noch gar nicht bedacht sei, suchte er diese Vernachlässigung dadurch auszugleichen, dass er dem Orden nicht nur Schloss und Dorf Seusslitz schenkte, sondern ihm auch die Dörfer Reinersdorf, Stauda, Zehren, Altlommatzsch, Neuseusslitz und die Pflege Schrebitz überliess, sowie freie Schifffahrt auf der Elbe zugestand. Die Päpste Gregor X. und Martin V. bestätigten des Margrafen Verfügungen in den Jahren 1274 und 1283, und auch der Kaiser Rudolf billigte 1277 das fromme Werk, gleich dem Markgrafen Friedrich und dem Landgrafen Albrecht von Thüringen; Heinrich der Erlauchte aber erbaute sich ein Schloss in Dresden.

Die Gründung des Klosters geschah im Jahre 1268 und nach zehn Jahren war der Bau vollendet, wozu die Bürgerschaft zu Dresden zwölf Mark Silbers beitragen musste, für welche Unterstützung der Markgraf der Stadt den Marktzoll erliess. Sobald die Nonnen von dem neuen Kloster Besitz genommen erwarben sie von dessen Stifter das Patronatsrecht [54] über die hiesige Kirche, das Heinrich zwar dem Kloster Altzelle überlassen hatte, diesem aber zu Gunsten des Clarenklosters wieder abtauschte. Auch das Patronatsrecht über die Frauenkirche wurde diesem 1289 abgetreten und gleich darauf empfingen die frommen Schwestern das Maternihospital zu Dresden zurück, welches sie kürzlich der Markgräfin Helene überlassen hatten, als diese ein Clarenkloster in Dresden zu gründen beschloss. Im Jahre 1329 verkaufte der Convent des Klosters zu Seusslitz das Maternihospital der Bürgerschaft zu Dresden, 1352 aber erhielt dieses die Einkünfte der Pfarrkirche zu Oschatz in der Weise, dass dieselben während der Lebenszeit der Schwestern Markgraf Friedrichs des Strengen, Beatrix und Anna, die im Kloster lebten, von diesen Prinzessinnen, nach deren Tode aber von allen Nonnen gleichmässig benutzt werden sollten. Die Prinzessin Beatrix war noch 1384 Aebtissin.

Das Seusslitzer Kloster war sehr reich, so besass es unter Anderem auch die Barfussmühle zu Leipzig welche von ihm 1503 für 1200 Thaler verkauft wurde, auch erwarben die Nonnen 1382 durch Kauf die beiden nicht mehr vorhandenen Vorwerke Posthorwitz und Wyseroda. Zur Zeit der Aebtissin Margarethe, Herzogin von Sachsen, gehörte dem Kloster das Vorwerk Kmeben, und später hatten sie ebenso die beiden Dörfer Gohlis und Niedermuschitz an sich gebracht. Eine Urkunde von 1352, welche der Bischof von Meissen ausstellte, giebt den Beweis, dass den Clarennonnen auch das Kirchlehn in allen ihnen gehörigen Dörfern zustand. Interessant ist die urkundlich bestätigte Thatsache, dass in Seusslitz Mönche des Franziskanerordens lebten, welche den Nonnen zu allerlei geistlichen Dienstleistungen verpflichtet waren, und von dem Jahre 1288 bis 1463 oft genannt werden.

Gleich vielen andern Klöstern wurde auch Seusslitz im Hussitenkriege schwer heimgesucht, indem die fanatischen Kriegsleute nicht nur sämmtliche Gebäude einäscherten, sondern auch allen Kirchenschmuck raubten und das Klostereigenthum so greulich verwüsteten, dass der Bischof zu Meissen den Nonnen Erlaubniss gab (1461) auf den Brand betteln zu gehen. Als im Jahre 1539 die landesherrlich verordnete Commission hierher kam um das Kloster aufzuheben, befanden sich in demselben vierzehn Nonnen und zwei Laienschwestern, die jedoch zum Theil das Ordensgewand schon abgelegt hatten. Die Aebtissin, Barbara von Haugwitz, war rasch entschlossen sich der neuen Lehre hinzugeben und vermählte sich bald darauf mit Johann von Mila, einen Pfarrherrn im Voigtlande. Spalatin, der sich bei den Visitatoren befand, giebt der Aebtissin das Zeugniss, sie sei eine fromme einsichtsvolle Jungfrau gewesen, und diese empfing ihren Gemahl aus der Hand Luthers, den sie um einen geschickten und gottesfürchtigen Prediger als Gatten bat. Bei der Säcularisation des Klosters erhielten die Nonnen einen gemeinschaftlichen Jahresgehalt von achthundertfunfzig Gülden.

Nach der Aufhebung des Klosters kam Seusslitz mit Zubehör durch Kauf in Besitz des berühmten Kanzlers Dr. Simon Pistorius, eines der gelehrtesten und rechtschaffensten Diplomaten seiner Zeit, der den Churfürsten Moritz und August die wichtigsten Dienste leistete. Hier lebte der alte Kanzler hochgeehrt von Allen, von 1549 bis 1562, wo er auf dem Schlosse starb und in der Kirche beerdigt wurde. Die von ihm gegründete Bibliothek enthält grosse literarische Schätze, namentlich in Bezug auf vaterländische Geschichte. – Die Nachkommen des Kanzlers Pistorius besassen Seusslitz bis zum Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, wo es an die Familie von Bünau gelangte, die hier 1729 einen Geschlechtstag abhielt, bei welchem dreissig Männer des Bünauischen Geschlechts gegenwärtig waren, die ihrem Senior, dem Minister Heinrich von Bünau, einen prachtvollen Silberpokal als Ehrengeschenk überreichten. Die Familie Bünau, von der noch eine Anzahl Familienportraits aufbewahrt werden, verkaufte Seusslitz zu Anfang dieses Jahrhunderts an den Commerzienrath Claus zu Leipzig, dessen Nachkomme, Herr C. G. Claus es noch jetzt besitzt.

In der Kirche zu Seusslitz schlummern mehrere Ahnen unseres Regentenhauses, namentlich Markgraf Dietrich der Fette, Heinrichs des Erlauchten Sohn und Friedrich Tutta, den Bischof Witigo von Meissen auf dem Schlosse Hirschstein durch Kirschen vergiftete. Ebenso ruhen hier die Gebeine der unglücklichen Prinzessin Gertrud von Oestreich. Dieselbe war erst mit dem Böhmischen Fürsten Wratislav, dann mit dem Grafen Hermann von Baden und endlich mit dem Lithauischen Herzog Romanus vermählt, und nachdem Letzterer sie verstossen, floh sie zum König Ottokar von Böhmen, der ihr jedoch kein Asyl gewährte. Unstät und flüchtig irrte die unglückliche Frau, deren einziger Sohn, Friedrich von Baden, mit seinem Freunde Conradin von Schwaben 1268 zu Neapel auf dem Schafott gestorben war, in Deutschland umher und fand endlich eine Zuflucht im Kloster zu Seusslitz, wo die hartgeprüfte Prinzessin in hohem Alter starb. Leider sind die Denksteine aller hier begrabenen merkwürdigen Personen nicht mehr vorhanden, denn als 1726 die alte Klosterkirche abgebrochen worden war, schliff Geiz und Unverstand die Bilder und Inschriften von denselben, um mit den Platten die Fussböden zu belegen. Unter den wenigen Grabsteinen, welche der Nachwelt erhalten wurden, befindet sich der des Kanzler Pistorius, doch ist die von Fabricius gefertigte Grabschrift durch die Fusssohlen der Kirchgänger gänzlich abgescheuert. Vom Kloster sind, ausser einem kleinen Gebäude, keine Spuren mehr vorhanden.

Das alte Schloss zu Seusslitz ist von Gärten und Weinbergen umgeben, von denen eine Lindenallee nach dem Ufer der Elbe hinabführt. Die Gallerie wie auch den Speisesaal des Schlosses zieren eine Anzahl Bildnisse der Bünauischen Familie. Im Jahre 1813 wurde wegen der Belagerung Wittenbergs die dortige Universitätsbibliothek hierher in Sicherheit gebracht, und beim nahen Dorfe Merschwitz ging in demselben Jahre die Russische Armee über die Elbe. – Das Patronat über die Kirche zu Seusslitz und die Collatur über Pfarre und Schule stehen dem Besitzer des Rittergutes zu, doch wohnt der Pfarrer nicht hier sondern in dem Filialdorfe Merschwitz. Eingepfarrt nach Seusslitz sind Blattersleben, Diesbar, Döschütz, Neuseusslitz und Zottewitz.

O. M.