Romanze vom Junggesellen

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Textdaten
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Autor: Johannes Frank
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Titel: Romanze vom Junggesellen
Untertitel:
aus: Fliegende Blätter, Band 1, Nr. 13, S. 102.
Herausgeber: Kaspar Braun, Friedrich Schneider
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1845
Verlag: Braun & Schneider
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Erscheinungsort: München
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Quelle: MDZ München, Commons
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[102]

Romanze vom Junggesellen.


Fliegende Blätter 1 102 b1.png


„Nun endlich hätt’ ich Brod und Amt,
Und fühl’ auch, wie mein Herz entflammt
     Für’s edle Frauenzimmer.

Auf’s Freien will ich also geh’n,

5
Und alle Mädchen mir beseh’n,

     Die Blonden wie die Braunen!“

Da nimmt er seinen Hut und Stock,
Und kommt im feinsten Moderock
     Und ganz moderner Weste.

10
Und geht und freit von Ort zu Ort,

Sieht Mädchen hier und Mädchen dort
     Wie Blumen blüh’n im Garten.

Doch ach, wie ist so schwer die Wahl!
Die hat ein kleines Feuermal,

15
     Und die am Aug’ ein Flämmchen.


Die Reiche ist ein Jahr zu alt,
Und arm die Schlanke von Gestalt,
     Und blöd die reiche Schöne.

Und wie er mustert auch die Zahl,

20
Ei ei, ihm tauget nun einmal

     Nicht Eine von den Allen.

Muß er nun bleiben ganz allein?
Wer wird jetzt sein Gefährte seyn?
     Ein junger, treuer Pudel.

25
Der springt ihm wedelnd auf den Schooß,

Er zieht ihn recht mit Sorgen groß
     Und streichelt ihm die Zotten.

Er theilet mit ihm Tisch und Bett,
Und geht, weil er so dick und fett,

30
     Langsam mit ihm spazieren. –


„Doch ach, wie flieh’n die Jahre schnell,
Ich werd’ ein alter Junggesell,
     Und Niemand wird mich pflegen.“

Da nimmt er wieder Hut und Stock;

35
O weh, wie hängt an ihm der Rock,

     Wie schlottert ihm die Weste.

Sein Blick ist trüb, die Stirne kahl,
Die Lippe welk, die Wange fahl,
     Und seine Lende mager.

40
Er aber freit von Ort zu Ort,

Doch Mädchen hier und Mädchen dort,
     Sie stieben auseinander.

Bald ist vor Wuth er blaß, bald Roth,
Drei Tage noch, da ist er todt,

45
     Und so wird er begraben.


Auf seinem Hügel sitzt der Hund
Und winselt recht aus Herzensgrund,
     Es ist schier zum Verzweifeln.

Und wer das Liedlein hat erdacht?

50
Ein Bursch, der Hochzeit früh gemacht,

     Und den es nicht gereuet.




Johannes Frank.