Saubere Burschen

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Saubere Burschen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 424
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Manipulationen an der Spielbank Bad Homburg
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[424] Saubere Burschen. Unter dem Titel: „Enthüllungen aus Bad Homburg“ ist jetzt ein Büchlein erschienen, worin die Nichtswürdigkeiten der dortigen Spielhölle in pikanter Weise aufgedeckt werden. Von den Croupiers werden darin unter Andern auch folgende ganz saubere Stückchen erzählt:

Es gab einen Croupier, der den Boden seiner Tabaksdose mit einem Klebstoff bestrichen hatte. So oft er harmlos sein Faites le jeu, Messieurs! rief, stellte er gleich harmlos die Dose auf irgend einen vereinzelten Louisd’or. – Kaum war das Spiel gemacht, so nahm unser Mann mit gleicher Harmlosigkeit und seliger Ruhe eine Prise Tabak und steckte die Dose mit dem Louisd’or in seine Tasche.

Ein anderer alter Croupier, der weniger Haare als Leidenschaften hatte und mit einer Art von Verzweiflung jeden Morgen Einige fallen, Andere groß werden sah – hatte 5000 Franken Gehalt. –

Wie armselig wenig Geld! Wahrlich nur der Obol eines Monats, wie er sich einen gewünscht hätte, einer Nacht, wie er solche oft sich träumte. Weil er nun endlich einsah, daß das Geld nicht zu ihm kam, so ging er zum Gelde.

Er umschnürte seine Hüften mit einem Gürtel über dem Hemde und versteckte die Hälfte seiner Ohren unter einem sehr steifen Vatermörder.

Auf solche Weise für das Mysterium geweiht, setzte er sich auf seinen Croupierplatz…

Von Zeit zu Zeit empfand er alsdann das Bedürfniß, seine Vatermörder um den Hals wieder zurecht zu schieben, ein bei den unbequemen Vatermördern bekanntlich sehr natürliches und häufiges Bedürfniß.

Aber die Hand, welche das Hinterhaupt streichelte, hatte auch stets einen Louisd’or, den sie zwischen Haut und Hemd hinabgleiten ließ, der dann auch am Leib so tief hinabgleitete, bis er am Gürtel Widerstand fand und in irgend einem Winkel sich verkroch. Hier erwartete er in voller Sicherheit die kleinen Kameraden, welche während des ganzen Tages auf dem von ihm eingeschlagenen Wege folgten.

War nun der alte Croupier Nachts in sein Kämmerlem zurückgekommen und zog er sein Hemd aus, so glich er in dir That oft dem Papa Jupiter in dem Augenblicke, als dieser die Danae verführte.

Dieses Geschäftchen ging so gut, daß unser Mann seinen Gürtel bald abnutzte und einen neuen kaufen mußte.

Aber die Herren Bankverwalter sprächen kopfschüttelnd: Zum Teufel! Wozu hat sich Vater R. einen Gürtel gekauft? Die guten Herren grübelten von Frage zu Frage so lange nach, bis sie endlich zu der rechten Antwort kamen, wonach der Croupier der Spielbank und dem Glücke Lebewohl sagen mußte.

Es gibt noch ein Croupiermittelchen, welches in größerem Style angewendet worden. Der Erfinder davon war bisher nicht zu entdecken, was in unserem Jahrhundert um so seltsamer klingt, da man gewöhnlich sechs Erfinder für jede Erfindung kennt.

Ein Croupier hatte genau nach der Größe und Dicke der Tausendfrankenrollen (50 Napoleon oder Louisd’or), Rollen von Blei gemacht, solche mit demselben blauen Papier umgeben und mit demselben Siegel roth gesiegelt – Alles so täuschend, daß ein Unterschied nicht zu erkennen war. Mit großer Gewandtheit vertauschte er seine Rollen mit denen der Bank, schob diese in die Tasche, sah unbefangen über die Tafel hin, und verbarg einen allenfallsigen Anfall von Besorgniß hinter einem fanatischen: Rien ne vas plus!

Diese Verwechselung von Geldrollen verursachte einem armen Amerikaner großen Verdruß, der einige dieser falschen Geldrollen im Spiel gewonnen, diese dann unbefangen ausgegeben hatte und deshalb einige Tage als Betrüger im Gefängniß zubringen mußte, bis sich die Sache aufklärte.