Saurer Traub

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Textdaten
Autor: Kurt Tucholsky
unter dem Pseudonym
Theobald Tiger
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Titel: Saurer Traub
Untertitel:
aus: Ulk Jahrgang 48. Nummer 42. Seite 154
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 17. Oktober 1919
Verlag: Rudolf Mosse
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalherkunft:
Quelle: UB Heidelberg und Scan auf Commons
Kurzbeschreibung:
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 Saurer Traub

 Von Theobald Tiger

Jener Gottfried, der zu wiederholten Malen,
gleichend einem Erzchamäleon,
Farbe wechselnd sprach in Bierlokalen:
„England stirbt!“ – (es wußt nur nichts davon),

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jener Gottfried, dessen sanfter Speichel

vorne über seine Bäffchen rann,
der die deutsche Eichel mit Geschmeichel
lobte als ein haussekundiger Mann …

Dieser Gottfried stund im Reichstagssaale

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auf – gebügelt, platt und glatt,

und er donnert nun mit einem Male
von dem Bild, das er gesehen hat.

Hat dies Bild nicht einst im „Ulk“ gestanden?
Sah man drauf nicht Seine Majestät?

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Der Respekt kommt leider ganz abhanden,

wenn heut so was in der Zeitung steht.

Und er räkelt sich aus dem Gestühle,
und er sagt es brav ins Stenogramm,
und er spricht von seinem Zartgefühle,

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und er steht vor seinem Fürsten stramm.


Gottfried, hast du mal in langen Jahren
an die Krüppel, die jetzt blind und taub,
an die Mütter nur gedacht in grauen Haaren,
deren Söhne in den Krieg gezogen waren?

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Und sie wurden deines Krieges Raub …

Deutschland ist nicht Wilhelm. –
 Mahlzeit, Traub!