Schätze im Hungerland

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Titel: Schätze im Hungerland
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aus: Die Gartenlaube, Heft 30, S. 402
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Bergbau in Oberschlesien
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[402] Schätze im Hungerland. Wie Märchen aus Tausend und eine Nacht hört sich’s an, was aus dem Lande des Hungers, aus Oberschlesien, erzählt wird von goldenen Schätzen, die mit Füßen getreten worden sind, von Arbeitern, die über Nacht zu Millionären wurden, von Töchtern der Arbeiter, um deren schöne und goldene Hand sich Fürsten umsonst beworben haben. Die Wissenschaft ist es, die solche Schätze heben gelehrt hat. Da ist z. B. die berühmte Galmeigrube bei Scharlei. Vor 30 Jahren war die Grube für 30 Ducaten verpachtet, heute hat eine belgische Compagnie für den halben Antheil vier Millionen Thaler geboten und solchen nicht erhalten. Damals wurde sie auf Blei mit etwas Silber bearbeitet, jetzt auf Zink, das die Wissenschaft erst nützen lehrte; erst jetzt versteht man dem erdigen, lehmartigen Galmei seine goldenen Schätze zu entringen. Die Millionen wurden bisher mit Füßen getreten. Grubenantheile, die früher mit 800 Thaler Capital gekauft wurden, ergeben jetzt einen Jahresbetrag von 12-14,000 Thaler. Daher die Möglichkeit, in kurzer Zeit ungeheuere Besitzthümer zu erwerben. Ein gewöhnlicher Hüttenarbeiter, Winkler, erwarb ein Vermögen, welches über eine halbe Million Einkünfte trägt, die er einer einzigen Tochter hinterließ, um deren Hand sich reiche Fürsten vergeblich bewarben, die aber seit sechs Monaten ein hannover’scher Lieutenant Theile geheirathet hat, der nur seine Gage besaß. Eine andere junge, erst 14jährige Erbin, Gudulla, die angenommene Tochter eines Hüttenarbeiters und jetzt dessen erbberechtigte Waise, hat schon 600,000 Thaler Einkünfte. Bis sie das heirathsfähige Alter erreicht, kann das Vermögen leicht um mehrere Millionen wachsen. Penelope auf Ithaka zählte nicht so viele Freier wie die Tochter des Hüttenarbeiters. Oberschlesien ist durch Gruben und Eisenbahnen das deutsche Californien geworden, unter den Webern das deutsche Irland.