Schelm von Bergen

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Textdaten
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Autor: Heinrich Heine
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Titel: Schelm von Bergen
Untertitel:
aus: Romanzero, Hamburg, Hoffmann und Campe, 1851. Seiten 16–18.
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: vor 1851
Erscheinungsdatum: 1851
Verlag: Hoffmann und Campe
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[16]

 Schelm von Bergen.

Im Schloß zu Düsseldorf am Rhein
Wird Mummenschanz gehalten;
Da flimmern die Kerzen, da rauscht die Musik,
Da tanzen die bunten Gestalten.

5
Da tanzt die schöne Herzogin,

Sie lacht laut auf beständig;
Ihr Tänzer ist ein schlanker Fant,
Gar höfisch und behendig.

Er trägt eine Maske von schwarzem Sammt,

10
Daraus gar freudig blicket

Ein Auge, wie ein blanker Dolch,
Halb aus der Scheide gezücket.

Es jubelt die Fastnachtsgeckenschaar,
Wenn Jene vorüberwalzen.

15
Der Drickes und die Marizzebill

Grüßen mit Schnarren und Schnalzen.

[17]
Und die Trompeten schmettern drein,

Der närrische Brummbaß brummet,
Bis endlich der Tanz ein Ende nimmt

20
Und die Musik verstummet.


„Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,
Ich muß nach Hause gehen –“
Die Herzogin lacht: Ich laß dich nicht fort,
Bevor ich dein Antlitz gesehen.

25
„Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,

Mein Anblick bringt Schrecken und Grauen –“
Die Herzogin lacht: Ich fürchte mich nicht,
Ich will dein Antlitz schauen.

„Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,

30
Der Nacht und dem Tode gehör’ ich –“

Die Herzogin lacht: Ich lasse dich nicht,
Dein Antlitz zu schauen begehr’ ich.

Wohl sträubt sich der Mann mit finsterm Wort,
Das Weib nicht zähmen kunnt’ er;

35
Sie riß zuletzt ihm mit Gewalt

Die Maske vom Antlitz herunter.

[18]
Das ist der Scharfrichter von Bergen! so schreit

Entsetzt die Menge im Saale
Und weichet scheusam – die Herzogin

40
Stürzt fort zu ihrem Gemahle.


Der Herzog ist klug, er tilgte die Schmach
Der Gattin auf der Stelle.
Er zog sein blankes Schwert und sprach:
Knie vor mir nieder, Geselle!

45
Mit diesem Schwertschlag mach’ ich dich

Jetzt ehrlich und ritterzünftig,
Und weil du ein Schelm, so nenne dich
Herr Schelm von Bergen künftig.

So ward der Henker ein Edelmann

50
Und Ahnherr der Schelme von Bergen.

Ein stolzes Geschlecht! es blühte am Rhein.
Jetzt schläft es in steinernen Särgen.