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Als August Petermann im Jahre 1862 seine Specialkarte der Meerenge von Gibraltar herausgab, hob er die Bedeutung dieser Straße mit folgenden Worten hervor: „Sie bildet eine Scheidewand zwischen zwei Erdteilen, zwischen dem Weltmeer und seinem größten Busen, dem Mittelmeer, zwischen zwei Staaten und zwei Religionen, zwischen Bibel und Koran. Auf dem einen ihrer Gestade steht das Kreuz, auf dem andern weht die grüne Fahne des Propheten mit dem Halbmond“. Größer und einflußreicher jedoch, als die Scheidewand, welche die Natur hier gezogen hat, ist diejenige, welche die muhamedanische Religion bewirkte. Ihr ist es zuzuschreiben, daß Marokko, obgleich es in wenigen Stunden von der iberischen Küste aus erreicht werden kann, doch immer noch, wie dies schon Cosson hervorgehoben hat[1], das am wenigsten erforschte und am schwersten zugängige Land Nordafrikas ist[2].

Günstige Gelegenheiten führten mich im Frühling 1872 mit einem Freunde, dem Professor Freiherr K. von Fritsch in Halle nach Marokko und auf den Kamm des hohen Atlas, anderthalb Jahre später aber nach Japan. So habe ich hintereinander zwei Länder der alten Welt mehr oder weniger kennen gelernt, welche man wohl als ihre äußersten Glieder in westöstlicher Richtung bezeichnen kann: das „Maghreb el Aksa“ oder den äußersten Westen der Araber, und Nippon, das Morgenland der Chinesen im fernen Osten.

Die Natur beider Länder und ihre Produkte sind grundverschieden; größer noch ist der Gegensatz zwischen den Bewohnern und ihrer


  1. Cosson, Notes sur la géographie botanique du Maroc. Bull. de la Soc. bot. de France. Tome XIX, p. 50.
  2. In ähnlichem Sinne äußert sich Duveyrier bezüglich Marokkos: „Pour qui n’est pas bien au courant de l’histoire moderne de la géographie, la sûreté du dessin rassure l’esprit, et on se croit là en terrain à peu près sinon complétement connu. Il n’en est pourtant rien.“ (Bull. de la société de géographie 1885, p. 323.)
Empfohlene Zitierweise:
Johannes Justus Rein: Über Marokko. Dietrich Reimer, Berlin 1887, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:%C3%9Cber_Marokko.pdf/7&oldid=- (Version vom 1.8.2018)