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aus Anlass der Anwesenheit des Reichsoberhauptes, und in jedem Hause brannten etwa zwei bis drei Lichte. „Gegen Koblenz über liegt ein gutes Schloss der Irmelstein“ (Ehrenbreitstein). In der Au am Fusse des Schlossberges „ass der König mit seinen Kurfürsten, Bischöfen, Prälaten, Grafen, Herren, Rittern und Knechten ein grosses Mahl“, und wieder verschaffte man sich Kurzweil mit der Kaninchenjagd. Am 13. Juni traf man in Bonn ein und erreichte damit die erste Stadt im Gebiet des Kurfürsten von Köln. Der Berichterstatter unterlässt nicht zu bemerken, dass von Mainz nach Köln hin auf beiden Ufern des Rheins viele schöne Schlösser lagen. In Bonn stieg man wieder zu Pferde, bog, ohne Köln zu berühren, landeinwärts ab und gelangte nach Lechenich. Das dortige kurfürstliche Schloss hatte man mit „hübschen Tüchern“ geschmückt. In dem dasselbe umgebenden Wassergraben fischte der König mit dem Kurfürsten von Köln, und zwar mit so gutem Erfolge, dass „jedermann Fische genug hatte“. Dann übernachtete man. Am 14. Juni ritt man gen Düren. Unterwegs stiess der Herzog Gerhard von Jülich und Berg mit „manchem guten Hofmann“ zum Zuge.

Über Düren, wo man gleichfalls übernachtete, gelangte man schliesslich am 15. Juni nach Aachen[1].


  1. Die Fahrt hatte somit 4 Monate und 12 Tage in Anspruch genommen. Die Entfernungen zwischen den Haltepunkten sind im Itinerar regelmässig in Meilen angegeben. Die von Seemüller mit anderen Itineraren angestellte Vergleichung ergiebt für den Begriff Meile das Maas von zwei Gehstunden. Es entspricht unserer Meile = 7,5 km. Die zu Pferde zurückgelegte Strecke betrug täglich im Durchschnitt 15 bis etwa 40 km. Man mutete sich und den Pferden also nicht gerade zu viel zu, aber es müssen dabei die damaligen Wegeverhältnisse in Betracht gezogen werden. Nachdem die schönen dauerhaften Strassen der Römer gänzlich in Verfall geraten waren, schleppte man sich das ganze Mittelalter hindurch mühselig auf schlechten, teilweise ungebahnten Wegen fort. Friedrich Ludwig hat „die Reise- und Marschgeschwindigkeit im 12. und 13. Jahrhundert“ zum Gegenstande einer Untersuchung gemacht. Seine Ermittelungen sind auch für das 14. und 15. Jahrhundert massgebend, da der sich gleich bleibende Zustand der Strassen, dem in der neueren Zeit erst Napoleon durch Anlage eines musterhaften Strassennetzes in Mitteleuropa ein Ende machte, keine nennenswerten Unterschiede in der Schnelligkeit zuliess. Aus Ludwigs Zusammenstellungen.ergeben sich 20 bis 30 km als durchschnittliche Marschgeschwindigkeit für den Tag, die allerdings in einzelnen Fällen bedeutend höher war. So weist z.B. das Reisebuch Friedrichs Barbarossas für Reisen in Deutschland 90 km in 1½–2 Tagen als höchste Leistung, 17 km als Mindestdurchschnitt für eine halbjährige, ununterbrochene Reise auf; für die Alpenübergänge nach Italien sind 20.28 km, in umgekehrter Richtung 33 km nachgewiesen; bei den zahlreichen Märschen in Italien wurden durchschnittlich 25–30 km zurückgelegt. Nicht wesentlich verschieden hiervon waren die aus den Reisebüchern der französischen Könige und der Päpste festgestellten Ergebnisse. Die Marschleistungen der Kreuzfahrer sind meist erheblich niedriger, weil den Führern das Land unbekannt und die Wege noch schlechter waren, als in der Heimat. Zu schiff legte König Friedrich bei seiner Fahrt auf Main und Rhein täglich 35–50 km zurück, je nach dem das Reiseziel gesteckt war. Für die Wasserfahrten hat Friedrich Ludwig einen Durchschnitt nicht ermitteln können, da sie vorwiegend aus Küstenfahrten bestnanden und jede Angabe darüber fehlt, in welchem Umfange man der Küste folgte oder die Einbuchtungen durch eine gerade Linie abschnitt; sodann übten hier die Witterungsverhältnisse, Windrichtung, Seegang u. s. w. einen für uns nicht mehr nachweisbaren Einfluss auf die Fahrgeschwindigkeit aus. So legte Kaiser Friedrich II. an den Küsten Italiens durchschnittlieh nur 35—43 km zurück, während auf seinem Kreuzzuge der mittlere Durchschnitt 79 Kilometer beträgt. Bei Papst Alexander III. beträgt der Durchschnitt für längere Strecken 40–50 km. Das Reisebuch des Abtes Nikolaus von Tingayrar, der 1151—1154 eine Wallfahrt von Island nach dem heiligen Lande unternahm, ergiebt 145–150 km täglich für die Fahrt auf hoher See, 190 km für die Fahrt um Island und von Island nach Norwegen. Grössere Stetigkeit zeigen die Flussfahrten. Papst Innocenz IV. brauchte im November 1244 für eine Strecke von 100 km rhoneaufwärts bis Lyon drei Tage und der Abt Bernhard von Clairvaux im Dezember 1146 für Zurücklegung der Fahrt von Strassburg bis Speier (103 km) die nämliche Zeit. Mit ungewöhnlicher Schnelligkeit reiste Friedrich Barbarossa, als er sich nach seiner Wahl von Frankfurt nach Aachen zur Krönung begab. Am 6. März 1152 von Frankfurt aufbrechend, reiste er zu Schiff main-rheinabwärts bis Sinzig (135 km) und ritt von da nach Aachen (90 km), wo er am 8. ankam; er kann also kaum mehr als 1½ Tage für die Flussfahrt von Frankfurt nach Sinzig gebraucht haben. – Eine hervorragende Reiterleistung, die den heutigen Distanzritten gleichwertig ist, finden wir m einem Briefe in aus dem Ende des 17. Jahrhunderts verzeichnet. Joannes Beckum schreibt von Frankfurt aus am 28, Juni 1678 an „Leonard Dautzenberg, capitaine d'infanterie du regiment de la ville d’Aix-la-Chapelle à Cologne, in der Brewergaffel“, dass er „die Reise von Cöllen bis Mayntz reitend in 2 tag hab verrichten müssen“. Der Ritt hatte ihn alledings derartig angegriffen, dass man ihn vom Pferd heben musste, weil ihm „händt und fues ubeimaßig geschwollen“. (Kriegsakten im Aachener Stadtarchiv.)
Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Brüning: Die Aachener Krönungsfahrt Friedrichs III. im Jahre 1442. Cremersche Buchhandlung, Aachen 1898, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:AAV_Kr%C3%B6nungsfahrt_Friedrich_III_1442_Br%C3%BCning.pdf/6&oldid=- (Version vom 7.11.2023)