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Musste der König in Frankfurt dem Messner seinen Sammetrock überlassen, so machten bei seinem Einritt in Aachen die Stadtknechte ihr altes Recht geltend, indem sie ihm sein Ross abnahmen[1]. So fiel auf diesen Krönungsreisen für alle etwas ab[2].


  1. Für diese Sitte führt Seemüller noch die Angabe eines andern Begleiters des Königs, Georg Scharadocher, an: „Item kunig Fridrich het ain valbs ros. Darauf ward er Romischer kunig. In welich reychsteten er rayt und so er für dy herborg kam, so was der statknecht und schergen gerechtigkait, das sy das ros namen." (Oefele, SS. rer. Boic. I, 317 a.) Nach diesen Zeugnissen zweier Augenzeugen ist die Angabe in den Deutschen Städte-Chroniken Bd. XII, S. 365, Anm. 4 wohl irrtümlich: „Wenn der König in Aachen einritt, so gehörte das Pferd dem Cölner Erbmarschall.“ Nach anderen Bestimmungen „reiten Bürgermeister und Rat dem einziehenden König innerhalb der Bannmeile, die Canonici gehen ihm bis ans Thor entgegen, mit St. Carls heuft“. Nach ihr „erhält der Stadtpförtner des Königs Ross, dieser besteigt ein neues, das an der Pforte des Münsters dem Vogt von Aachen verfällt“. (Loersch, Aachener Chronik aus einer Handschrift der königlichen Bibliothek in Berlin. AHVN Bd. XVII, S. 1 ff.) — Über das Recht des Erbmarschalls des Erzstiftes Köln, das Pferd in Empfang zu nehmen, das der Kaiser ritt, wenn er in Aachen gekrönt wurde, vgl. Giersberg. Das Erbmarschallamt im ehemaligen Erzstifte Köln (AHVN Bd. XXVI, S. 319 f.)
  2. Der Verfasser des Itinerars giebt an dessen Schluss (a. a. 0. S. 659 ff.) die Namen der Fürsten, Prälaten, Grafen, Freiherren, Ritter und Knechte an, die als Hofgesinde und Diener des Königs in Aachen einzogen. Es waren im Ganzen 184 Personen. Dazu kamen viele der im Frankfurter Verzeichnis Genannten. Aus dem Bericht des Johann Burn von Mohausen (ZAG Bd. IX, S. 213 f.) erhalten wir weitere Angaben über die Aachen für einige Tage füllenden Scharen. Den Herzog Friedrich II. von Sachsen begleiteten 32 Ritter, 80 Schützen, 40 Fusssoldaten, 40 Bannerträger und anderes Volk. Das Gefolge Ludwigs IV., Pfalzgrafen bei Rhein, bestand ausser anderen Persönlichkeiten aus 700 Reitern, das des Herzogs Gerhard von Jülich und Berg aus 400, das des Erzbischofs von Köln, Dietrich II. von Moers, aus 600 Reitern. Den Bischof von Lüttich, Johann VIII. von Heinsberg, der in der Frühe des 15. Juni in Aachen eingetroffen war, begleiteten 600 Reiter, den Markgrafen Friedrich II. von Brandenburg, der erst am 16. Juni eintraf, 400 Reiter. Auch die vier Bettelorden, alle Schüler und Chorherren und die gesamte Priesterschaft Aachens befanden sich in dem Zuge. Diesen eröffnete das Gefolge des Herzogs von Sachsen, dann kam der Pfalzgraf mit seinen Mannen, hinter diesen der Herzog von Berg, ferner die Schar der Ordensbrüder, der Schüler, Chorherren und Kleriker aus Aachen mit dem Haupte Kaiser Karls und dann der König, angethan mit unverdecktem Panzer, einem goldenen Gürtel mit goldenem „Messer“, mit goldenem Halsband, das Haupt bedeckt mit einem weissen Schaubhut. Vor ihm ritt der Kurfürst von Sachsen in vollem Harnisch, das entblösste Schwert in der Faust. Neben dem König ritten die Erzbischöfe von Mainz, Dietrich I. von Erbach, von Köln und von Trier, Jakob I. von Sirk, und hinter dem König viele andere Bischöfe und Herren, „wol mit tawsend pfärden“. — Vgl. die Angaben über den glanzvollen Einzug Karls V. bei Robert Roesler, Die Kaiserwahl Karls V., S. 229 f. Roesler verwechselt die Büste Karls des Grossen mit der Riesenfigur. (R. Pick, Aachener Sitten und Bräuche in älterer Zeit in Rhein. Geschichtsbl., 2. Jahrg., S. 309 Das Umtragen der Riesenfigur Karls des Grossen.)
Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Brüning: Die Aachener Krönungsfahrt Friedrichs III. im Jahre 1442. Cremersche Buchhandlung, Aachen 1898, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:AAV_Kr%C3%B6nungsfahrt_Friedrich_III_1442_Br%C3%BCning.pdf/8&oldid=- (Version vom 7.11.2023)