Seite:Aachener Stadtrechnungen aus dem XIV. Jahrhundert.djvu/63

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verletzt, so hatten es dessen Untergebene, am meisten die wehrlosen zu büßen. Schon im J. 1358 sehen wir Schöffen, Bürgermeister und Rath der Stadt Halle im Hennegau bei den Geschworenen des Landfriedens klagen, daß ein Johann von Reiferscheid auf offener Straße bei Köln zweien ihrer Bürger drei Pack Korduanleder wegen Geldes, daß ihm der Herzog von Brabant verschulde, weggenommen habe. (S. Beil. VII.) – Noch schwerer klagten im J. 1375 bei dem „Landverbunde“ Abt und Convent der Cisterzienser-Abtei Camp (cf. Nettesheim Gesch. von Geldern, I S. 38) wegen wiederholter Räubereien gegen Reinhard von Reiferscheid. Im J. 1373 habe derselbe von ihrem Gute Auwenheym Pferde, Rinder, Schaafe, Schweine etc. im Werthe von wenigstens 800 Goldgulden bei der Nacht geraubt und nach Bedbur gebracht, im folgenden Jahre außer einer Quantität Roggen zwei Klosterbrüder mit Gewalt entführt, und verlange für deren Loslassung für sich und sein Weib 200 Goldgulden; im März des Jahres 1375 habe derselbe Reinhard von genanntem Gute Auwenheym Früchte, Vieh, Hausgeräthe, kurz alle bewegliche Habe, sogar der Brüder Kleider geraubt, Schaffner und Gesinde vertrieben, und auch von ihrem Hofe Gumbritzheim das Ackergeräthe weggenommen; im April endlich habe er den Bruder Wilhelm in seinen Priesterkleidern ausgeraubt und nach Bedbur abgeführt, wo er ihn noch gefangen halte, und fahre noch immer fort, ihnen die Früchte von den Feldern zu rauben und die Pachtgelder von den Höfen zu erpressen.

Ob auf diese Klagen der Bund sich des durch seine Wohlthätigkeit berühmten Gotteshauses angenommen, darüber sagen unsere Urkunden nichts. Erst im J. 1385 konnte der Bund den Gewaltthätigkeiten nicht länger zusehen und beschloß den Raubrittern ihr Handwerk zu legen. Die Burg Reiferscheid, nunmehr eine Ruine unweit Schleiden, war damals bewohnt von Junker Johann, dem Enkel jenes Johann, gegen welchen die Stadt Halle Klage geführt, und seinem Oheim Reinhard, der die Abtei Camp so drangsalirt hatte, nebst ihren Gesellen. Diese werden in einem Briefe der Aachener Geschworenen aus dem Lager an den Rath geradezu als Bösewichter bezeichnet, die auf der Straße zu rauben pflegten. „Alle die boysewichter, die vurtziitz opter stroysen plogen zu schedigen, die sint op dem huyse von Riifferscheit besessen“ (belagert). (S. Beil. XIII.)