Seite:Addresses in Memory of Carl Schurz.pdf/33

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hat das gestalten- und farbenreiche Bild des deutschen Volkes jener Zeit in die kindliche Seele begierig aufgenommen. Noch lebten die Heldenüberlieferungen des Befreiungskrieges. Und an den Gesprächen kluger Männer am Herdfeuer entwickelte sich der erste phantasievolle Antheil an der großen Welt. Aus dem Munde des Vaters hörte er zum ersten Male von Washington als dem edelsten Helden der Geschichte. Er ging durch die deutsche Schulerziehung mit ihrer Gründlichkeit und ihrer vielseitigen Anregung selbstständiger Bestrebungen. Er wurde als einer der Feurigsten ergriffen don den goldenen Hoffnungen des Völkerfrühlings und lebte „dem großen Erweckungsjahre”, wie er es genannt hat, freudig entgegen. So wurde die ganze Seele des fleißigen jungen Studenten erfüllt von dem Gedanken an sein Volk und seine Freiheit. Es war, als wollte der Glaube Friedrich Schillers hinüber wirken ins politische Leben. Aber Schurz erwies auch den Ernst, die Aufopferung, den Muth. Es war kein Glaube der Worte, sondern der Thaten. Er hat die Waffen ergriffen und in der revolutionären Armee gekämpft für die Volksfreiheit, wie er sie verstand. Wie ein Heldenlied lesen sich jene Kapitel seines Lebens mit der wunderbaren Flucht aus der Festung Rastatt. In Jahren der Ernüchterung mußte er das entsagende Leben des Flüchtlings führen. Aber die Opfertreue für den Freund galt ihm mehr als das eigene Leben. Durch die Befreiung Kinkels aus dem Zuchthaus erwarb er europäischen Ruhm, den Ruhm, den die menschlich guten, aufopfernden Thaten geben, und mußte doch schwer genug sich weiter mühen um seine Existenz. Wie ist dies Jünglingsleben reich an dem schönsten Reichthum der Jugend: der Hingabe des ganzen Lebens an eine begeisternde Idee. Die Noth des Vaterlandes hat ihm sein Jugendleben zu einem hinreißenden Gedichte gemacht.

Das deutsche Volk hieß damals noch das Volk der Dichter und Denker. Schurz aber erscheint uns als ein echter Dichterjüngling, der in seinem Leben, in seinen Thaten dichtet. Und über die rauhen Stöße der Wirklichkeit hinweg trägt ihn die Gunst der Muse, die seine Seele erlesen hat. Seiner Heldenthat dankte er die Liebe des Weibes, das ihm sein Leben schenkte. In die neue Heimath seiner Wahl, nach Amerika brachte er die deutsche Gläubigkeit. Ihm war es das goldene Land der bürgerlichen Freiheit. Seine deutsche Bildung

Empfohlene Zitierweise:
Eugene Kühnemann: Address of Professor Eugene Kühnemann (In Memory of Carl Schurz). New York Committee of the Carl Schurz Memorial, New York, New York 1906, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Addresses_in_Memory_of_Carl_Schurz.pdf/33&oldid=- (Version vom 22.1.2019)