Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Evang. Lucä 21,33.pdf/19

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auf den Leuchter, daß es leuchte eurem Hause, eurer Gemeinde in Stadt und Land. Lasset des Wortes Kräfte, die ihr im Glauben geschmeckt, ausströmen im Werk der Liebe, in der Demuth und Geduld, in der Reinheit und Weihe eures ganzen Wandels und ziehet unter seinem lichtem Scheine dahin getröstet und geborgen, durch dieß dunkle Thränen- und Todesthal nach den ewigen Höhen, bis der Tag euch anbricht und der Morgenstern aufgehet in euren Herzen! O gebet ihr Väter, ihr Mütter Gottes Wort Raum unter den Euern! Wer ermißt den Segen des Hauses, da Gottes Wort eine Stätte gefunden und dieser Heilsbrunnen geöffnet ist? Eine Mutter hat einst vor ihrem Ende ihre Kinder noch an ihr Sterbebett gerufen und gesprochen: „lieben Kinder, ich habe euch einen großen Schatz gesammelt, einen sehr großen Schatz habe ich euch gesammelt.“ Und als das älteste fragte nach dem Ort, wo dieser Schatz liege, antwortete sie: „suchet ihn in der Bibel, meine lieben Kinder, da werdet ihr ihn finden, denn ich habe jedes Blatt mit meinen Thränen genetzt.“ Diese Mutter war die Mutter des unvergeßlichen Bartholomäus Ziegenbalg, des Vaters unserer ostindischen Mission. Wenn die Bibel die Freundin des Hauses, die Führerin auf allen unsern Wegen, die Trösterin in der Trübsal, am Kranken- und Sterbebette ist, dann steht’s gut mit uns. Denn dann ist Gott mit uns mit seinem Geist und Gaben. Ist aber Gott für uns, wer mag wider uns sein? Wie noth thuts gerade in unsern Tagen, sich recht fest zu halten an Gottes Wort. Denn es geht ein Irr- und Wirrgeist durch unser Volk, der es durch süße Worte und prächtige Rede betrügen möchte um seine heiligsten und theuersten Güter. Mit Gottes Wort allein sind wir gegen ihn gewappnet. Denn Gottes Wort ist die große am ewigen Licht selbst entzündete Leuchte für uns Menschenkinder, Wahrheit und Lüge von einander zu scheiden. Groß genug ist die Noth unsres Volkes, gewaltig genug der Ernst der Zeiten. Sinnet auf Hilfe, betet um Hilfe – Gottes Gnade und Gottes Wort allein kann unserm