Seite:Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III.djvu/97

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Mühlen- Klöpsch- und Tiefen-Teich ebenso die Holzteiche und vier Strichteiche als Abschlag auf seine Forderung abzutreten. Ausserdem erhielt auch noch Frau Margarethe von Kottwitz, geborene von Staupitz, den vierten Theil von Rammenau und Johann Christian von Kottwitz ebenfalls den vierten Theil. Trotz der Einsprache Hans Ernsts von Staupitz, der später auch Burkau besass, verkauften die genannten Drei ihre Antheile von Rammenau 1670 an Georg Heinrich von Seydewitz, welchem zugleich auch vom Hofgerichte die Staupitzische Hälfte des Dorfes und Rittergutes Rammenau zugesprochen worden war, so dass er das Gut allein besass. Zu jener Zeit ist vermuthlich das Dorf Schönborn von Rammenau weggekommen. Georg Heinrich von Seydewitz, der mit der Familie von Staupitz verwandt war, starb am 2. März 1678 und sein Sohn Christian Heinrich von Seydewitz wurde Erbe des Gutes, starb aber schon 1692 und setzte seine Schwester Veronika zur Erbin eines Dritttheils des Rittergutes ein, die übrigen zwei Theile erhielt sein Vetter, Hans Ernst von Seydewitz auf Pommlitz, der jedoch durch einen Prozess auch in den Besitz des dritten Theiles gelangte und die Lehn darüber am 10. September 1698 empfing. Sein Tod erfolgte am 14. December 1712 im achtzigsten Lebensjahre und das Gut gelangte an seine beiden Söhne Hans Rudolf und Gustav Ernst Ehrenreich von Seydewitz, von denen Letzterer in dem Theilungsrecesse mit seinem Bruder von 15. März 1713 das ganze Gut übernahm, es aber schon 1714 an seinen jüngeren Bruder Carl Heinrich von Seydewitz auf Pommlitz verkaufte. Im Jahre 1717 kam das Gut Rammenau sub hasta an den Appellationsrath und Kammerherrn Ernst Ferdinand von Knoch auf Elstra, Reichenau, Reichenbach, Koitzsch und Gödlau der 1721 damit belehnt wurde. Dieser Herr erbaute von Grund aus ein neues Schloss nebst Wirthschaftsgebäuden und zwar am Ufer des ehemaligen Klepschteiches, den man austrocknete; das alte Schloss hatte auf den Wiesen nahe bei der jetzigen Schäferei gestanden. Der ausgefüllte Klepschteich ist in einen Garten verwandelt worden, in dem sich herrliche Anlagen befinden. Das Schloss Rammenau sammt den Oekonomiegebäuden gehört zu den schönsten der Lausitz und kostete grosse Summen, da sämmtliche Gebäude von Sandsteinen aufgeführt sind, die stundenweit herbeigeschafft werden mussten, und in der Grossartigkeit dieser Herstellung lag wol auch der Grund, dass das Gut abermals zur Subhastation kam und am 6. Februar 1744 dem Accisrath und Geheimkämmerer Franz Joseph von Hoffmann zugeschlagen wurde, auf dessen Ansuchen das bisherige Mannlehngut Rammenau durch landesherrliches Rescript d. d. Dresden am 18. März 1745 in ein Erb- und Allodialgut verwandelt worden ist. Der Herr von Hoffmann starb am 8. December 1749 und durch testamentarische Verordnung kam das Gut in seines Vetters, Johann Albericus von Hoffmann, damals Legationssecretär und später Geheimer Kabinets-Assistenzrath, der 1779 zum Reichsgrafen von Hoffmannsegg erhoben wurde. Sein Tod erfolgte am 11. Januar 1780 zu Dresden und Rammenau erbte ein minderjähriger Sohn Johann Centurius Reichsgraf von Hoffmannsegg, verkaufte es aber an seinen Schwager Friedrich von Kleist, königl. Sächsischen Kreisdirector in Querfurt und Dahme, Rittmeister und Ritter des Malteserordens, der Rammenau von 1795 bis 1820 besass, wo es wieder an den Grafen Centurius von Hoffmannsegg zurückfiel. Zur Zeit gehört das Gut der Frau Gräfin F. L. von Hoffmannsegg.

Die Kirche zu Rammenau gehörte, wie schon bemerkt wurde, zum Sedes Bischofswerda und wurde im dreissigjährigen Kriege von kaiserlichen Soldaten eingeäschert. Eine alte Nachricht erzählt, dass im Jahre 1642 als der General Torstensohn mit seinem Heere bei Camenz vorbei nach Leipzig zog und die kaiserliche Armee ihm auf dem Fusse folgte, ein Offizier, der sich für einen kaiserlichen Leutnant ausgab, mit geraubtem Vieh nach Rammenau kam, und sammt Vieh und Reitern sich in der von der Pfarrfamilie verlassenen Predigerwohnung einquartirte, darin alle Vorräthe raubte und durch Verwahrlosung des Feuers einen Brand veranlasste, der sämmtliche Pfarrgebäude sammt der Kirche in Asche legte wobei leider auch die Kirchenbücher und andere auf die Geschichte des Ortes und der Kirche bezügliche Dokumente verbrannten. Fast neun Jahre blieben die eingeäscherten Gebäude in ihren Trümmern liegen, bis der Gutsherr Hans Hartmann von Staupitz Anordnung traf, dass man an einen Neubau dachte, worauf zuerst die Pfarre und später die Kirche sich aus der Asche erhoben. Im Jahre 1657 erfolgte die Einweihung des neuen Gotteshauses, dessen Herstellung, weil man die alten stehen gebliebenen Mauern benutzen konnte, die Summe von 372 Thalern 3 Groschen 3 Pfennigen kostete, doch schon nach funfzig Jahren war das Kirchlein wieder so baufällig geworden, dass man am 1. Mai 1736 wieder einen Neubau begann, doch verzögerten vielfache Umstände die Vollendung desselben auf Jahre hinaus, denn erst am 20. October 1749 geschah die Einweihung. Die Kosten des Baues betrugen 2100 Thaler.

Unter den Merkwürdigkeiten welche Rammenau betrafen, verdient der Einfall einer Abtheilung Husaren erwähnt zu werden die (1759) mit viehischer Brutalität die Einwohner peinigten und die Gattin des Pfarrers Dinndorf dergestalt misshandelten, dass sie bald darauf starb. Am 6. November 1812 wurde der Einwohner Gottlieb Jäger wegen Mordes mit dem Schwerte enthauptet und am 4. December 1818 starben der Bandmacher Gottlieb Kunze und Johanne Sophie Fischer, die den Ehemann der Letzteren umgebracht hatten, ebenfalls durch des Nachrichters Hand.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Poenicke: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/97&oldid=- (Version vom 31.7.2018)