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nach Böhmen, Oesterreich und selbst bis Triest, ebenso nach Ungarn und sogar nach Afrika wurden schon Ladungen davon versendet.

Auch die Bandfabrikation entstand zuerst in Pulsnitz. Ein Einwohner, Namens J. C. Garten gründete sie im Jahre 1762 (nach andern Nachrichten bereits 1750). Er fertigte nicht nur leinenes, vorzüglich das sogenannte holländische feine Kipperband, sondern auch die damals in Sachsen noch nicht üblichen Wollenbänder und erfand dazu eigene Stühle und Maschinen oder Mühlen, von vier bis sechszehn Gängen. Seitdem hat sich die Bandfabrikation in dieser Gegend bedeutend ausgebreitet, und der Landmann setzt sich nach Beendigung der Feldarbeit gewöhnlich hinter den Bandstuhl, ähnlich wie es im Erzgebirge mit dem Klöppelsack der Fall ist.

Vorzüglich eifrig wird dieser Industriezweig in Großröhrsdorf betrieben, ein ansehnliches, fast eine Stunde langes Dorf mit 3500 Einwohnern, welches von der Röder durchströmt wird und eine Stunde von Radeberg, eine Stunde von Pulsnitz, zwei Stunden von Bischofswerda und vier eine halbe Stunde von Dresden entfernt liegt. Auch hat es Aussicht, von der von Radeberg nach Kamenz projektirten Eisenbahn berührt zu werden, während es jetzt mit seinem Verkehr an den Bahnhof Radeberg an der sächsisch-schlesischen Eisenbahn gewiesen ist.

Dieser Ort war von jeher äußerst thätig, denn bereits 1803 wurden hier auf 203 Band- und 110 Leinweberstühlen gegen 113,000 Stück wollene Bänder, gegen 1500 Schock grobe und gegen 1000 Längen flächsene Leinwand gefertigt.

Das ansehnlichste Etablissement in Großröhrsdorf ist das unter der Firma

Johann Gottfried Schöne

bestehende, dessen Besitzer gegenwärtig sind

Herr Johann Gottfried Schöne

und dessen Söhne, die Herren

Florenz Julius Schöne und Gottfried Bruno Schöne.

Der Gebäudecomplex umfaßt ein Haupt- und fünf Nebengebäude.

Das Gebäude A enthält die Wohnung der Herren Besitzer, das Waarenlager und das Verpackungslager;
in dem Gebäude B befindet sich die mechanische Bandweberei und Appretur;
in dem Gebäude C befindet sich der Dampfkessel;
in D aber die Dampfmaschine und der Kohlenraum;
in E ist die Färberei, Bleicherei, das Farbenwaarenlager, der Saal für Jaquardweberei ohne mechanischen Betrieb und das Rohgarnlager;
das Gebäude F endlich enthält einen Saal für die Jaquardweberei und das Lager gefärbter Garne.

Zu der Fabrik gehört noch ein Garten von circa 200 Quadratruthen und 9 Acker Feld und Wiesen.

Das Etablissement beschäftigt sich allein mit der Bandfabrikation und seine Haupterzeugnisse sind Band, Gorl und Hosenträger, sowie halbwollene Velbel und Plüschband.

Die Erzeugnisse der Fabrik finden ihren Hauptabsatz sowohl im In- als Auslande, z. B. nach der Moldau, Polen, England, Schweden, theilweise auch auf überseeischem Wege nach fremden Welttheilen.

Von Messen werden nur die von Leipzig und Frankfurt an der Oder bezogen. In Leipzig besitzt die Firma überdies ein stehendes Verkaufsetablissement.

Von Ausstellungen wurden von dem Etablissement bisher nur beschickt:

1837 die in Dresden, wo die Vorzüglichkeit der ausgestellten Waaren durch Ertheilung der kleinen silbernen Medaille anerkannt wurde;
1842 in Mainz, wo es eine Medaille erhielt;
1850 in Leipzig, wo ihm die silberne Medaille zuerkannt wurde;
1854 in München, wo die Firma die Preismedaille davon trug.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 310. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/316&oldid=- (Version vom 11.5.2019)