Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/342

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Das hier fortwährend beschäftigte Arbeiterpersonal beträgt fünfundvierzig Mann.

Die Erzeugnisse der Fabrik befanden sich bis jetzt nur auf der Industrieausstellung zu München, wo sie für Buchbinder-Callicos die Ehren-Medaille erhielt.

Das Verkaufsetablissement der Fabrik befindet sich in Leipzig Grimmaische Straße, im Mauricianum.

Bei der letzten Anwesenheit Sr. Maj. des Königs Johann in Leipzig besuchten Se. Majestät – am 9. Juli 1862 – auch dieses Etablissement und besichtigten mit großem Interesse die verschiedenen Einrichtungen desselben.




Das Richard-Hartmann Fest in Chemnitz
am 24. Juni 1862.


Es war in den dreißiger Jahren, als in Chemnitz ein Zeugschmiedgehilfe in der Maschinenfabrik von Haubold in Arbeit trat; dieser junge Mann war aus Barr bei Straßburg im Elsaß gebürtig und sein Name Richard Hartmann. Damals ahnte man wohl nicht, welche hohe Bedeutung dieser sehr anspruchslose aber intelligente junge Mann nicht nur für Chemnitz, sondern auch für ganz Sachsen haben und er sich zu dem Ersten in der Maschinenbauerei unseres Vaterlandes emporschwingen würde. Man darf wohl behaupten, daß hauptsächlich er es war, welcher diese Branche in unserem Vaterlande zu einer Ausbildung und einem Aufschwung brachte, daß sie sich kühn mit den Maschinenbauereien des Auslandes messen darf; sein Etablissement war das erste Sachsens, welches Locomotiven lieferte, und wenn auch andere Etablissements des Auslandes, wie z. B. Cokerill in Seraing, Borsig in Berlin u.s.w. das Hartmannsche an Ausdehnung überragen, so ist doch längst anerkannt, daß es in Hinsicht auf Güte der Erzeugnisse von keinem übertroffen wird.

Im Jahre 1837 gründete Herr Richard Hartmann in Chemnitz ein eigenes Etablissement, ward am 24. Juni Bürger und eröffnete mit geringen Mitteln und nur drei Arbeitern das Geschäft, über dessen Fortgang wir auf den ersten Band unseres Albums, Seite 6, verweisen. – Wir bemerken hierzu nur noch, daß der am 17. Juli 1860 die wichtigsten Theile des Etablissements verwüstende Brand nicht vermochte, die Thätigkeit auch nur momentan zu unterbrechen, die Arbeiten sofort in rasch aufgeführten Interimsgebäuden fortgingen und das Etablissement sich schnell wieder aus seiner Asche erhob.

Zu welchem großartigen Betriebe Herr Hartmann ganz allein durch seine eigene Thatkraft und Umsicht dieses Etablissement gebracht hat, kann man daraus schließen, daß er jetzt nahe an fünfzehnhundert Menschen fortwährend beschäftigt, daß das großartige Werk jetzt zu seinem Betrieb 150 Pferdekraft hat, und ungefähr 500 Hilfsmaschinen aufgestellt sind, als: 260 Stück Drehbänke, 70 Stück Hobelmaschinen, 80 Stück Bohrmaschinen, 30 Stück Stoßmaschinen, 50 Stück verschiedene Maschinen u.s.w.

Bei der Wichtigkeit dieses Etablissements war es natürlich, daß, als Herr Hartmann am 24. Juni 1862 sein fünf und zwanzigjähriges Betriebs- und Bürgerjubiläum feierte, Alles sich vereinigte, um dieses Fest zu einem möglichst glanzvollen zu machen. – So brachten an diesem Ehrentage schon früh fünf Uhr die Arbeiter und Gewerbsgehilfen dem Jubilar ein Morgenständchen. Der nach dem Morgenständchen angeordnete Festzug begab sich aus den Räumen der Kesselschmiede, Marschälle und ein Musikkorps an der Spitze, sechs Mann hoch, die große Fabrikfahne in der Mitte, die Abtheilungsfahnen


Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 336. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/342&oldid=- (Version vom 11.5.2019)